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08.03.2022 | 04:43

Rheinmetall, Altech Advanced Materials, Varta, Standard Lithium – Wer kann eigentlich liefern?

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Bildquelle: pixabay.com

Öl, Gas, Stahl und Weizen – das sind die Güter, die durch die Ukraine-Krise extrem knapp werden. Knapp im Sinne von teuer, denn beim Öl möchte die OPEC ihre Förderquoten noch nicht anpassen, man verdient ja auch prächtig mit Preisen von bis zu 135 USD im Brent. Russland und die Ukraine sind wichtige Produzenten von Stahl und Weizen, neben dem 11%-igen Marktanteil bei der Öl- und Gasproduktion. Beim Stahl wird es wohl wirklich knapp werden, denn das Anwerfen mehrerer stillgelegter Hochöfen wird für den Westen einige Zeit in Anspruch nehmen. Und wie es mit dem Weizen aussieht, sagt uns der Terminmarkt mit einem Plus von 46% in diesem Jahr. Somit ist klar, die Rohstoffrallye und Lieferketten-Thematik geht weiter. Auf welche Unternehmen sollten wir achten?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , ALTECH ADV.MAT. NA O.N. | DE000A2LQUJ6 , STANDARD LITHIUM LTD | CA8536061010 , VARTA AG O.N. | DE000A0TGJ55

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall – Was kann der Rüstungskonzern überhaupt bewältigen?

    Die Meldungen von der Kriegsfront überschlagen sich. Gleichzeitig formulieren die Regierungen des Westens ihre Maßnahmenpakete zur Stabilisierung der Lage. Neben Sanktionen werden nun auch lange vernachlässigte Themen auf den Tisch gebracht. In einer der ersten Bundestagsdebatten landete die wenig überzeugende Schlagkraft der Bundeswehr auf dem Tisch. Schon nach einer halben Stunde war man sich in Berlin so einig wie nie: Die Bundeswehr erhält ein Sondervermögen von zusätzlichen 100 Mrd. EUR für Investitionen in die Wehrfähigkeit.

    Der Kurswechsel kommt bei der Rüstungsbranche prinzipiell gut an, die Aktie von Rheinmetall erlebte binnen 48 Stunden ein 50% Feuerwerk oder schlappe 2 Mrd. EUR Bewertungsaufschlag. Allerdings machen die Firmenvertreter deutlich, dass die politische Kehrtwende jetzt mit einem strukturellen Umdenken bei der Bundeswehr und vor allem deren Beschaffungswesen einhergehen muss.

    Der Rüstungskonzern rechnet damit, 1.000 bis 3.000 zusätzliche Mitarbeiter für neue Aufträge durch die Bundeswehr-Aufrüstung zu benötigen. Den ersten Auftrag für einige tausend neue Helme hat das Düsseldorfer Unternehmen bereits in der letzten Woche erhalten. Vorstandschef Pappberger ist zuversichtlich, denn im vergangenen Jahr sind seine Lager mit Waren im Wert von rund einer Milliarde Euro aufgestockt worden, darunter Stahl, Aluminium und Spezialchips. Genau diese Ware braucht es jetzt. Viel Euphorie in den ersten Stunden, ein Kurs von über 150 EUR ist wohl nur gerechtfertigt, wenn Rheinmetall einen großen Kuchen vom Budget abbekommt und letztlich auch liefern kann.

    Altech Advanced Materials – Hier lauert eine rettende Technologie für die Batterieproduktion

    Nicht unbedingt für den Verteidigungsfall, aber für die anstehende Klima- und Mobilitätswende braucht es leistungsfähige Bauteile vor allem im Bereich Stromversorgung und Speicherung. Mit innovativen Ansätzen für moderne Batterien könnte die Altech Advanced Materials AG (AAM) den Markt für Lithium-Ionen-Aggregate revolutionieren. Herkömmliche LI-Batterien verlieren schon beim ersten Ladezyklus deutlich an Leistung. Die E-Fahrzeughersteller suchen hier dringend nach alternativen Technologien. Altech verwendet eine Anodenbeschichtung mit hochreinem Aluminiumoxid (HPA) und einer Anreicherung von Silizium. So kann die Leistungsfähigkeit von Batterien um mehr als 15% gesteigert und die Lebensdauer sogar um bis zu 30% erhöht werden. Sollte es den Heidelbergern darüber hinaus gelingen, den Silizium-Anteil an der Anode weiter zu steigern, sind nach Unternehmensangaben auch Leistungserhöhungen von 50 oder 100% möglich.

    Im Moment befindet man sich noch in der Analyse der Machbarkeit, die potenzielle Markteinführung der neuen Technologien ist also noch einige Zeit entfernt. Nächstes Etappenziel ist der Aufbau einer Pilot-Produktionslage und der Nachweis einer rentablen industriellen Fertigung. Dies erfordert natürlich noch einige Forschungsaufwendungen und weitere Investitionen.

    Natürlich weiß AAM, dass man mit diesen Ambitionen nicht allein auf dem Markt ist, denn die Entwicklungen zur Leistungs-Verbesserung von Batterien für elektrische Antriebe laufen nun seit Jahren auf Hochtouren. Die Aufstellung des Unternehmens ist aber aufgrund seiner Großaktionäre vielversprechend. Noch handelt die AAM-Aktie ruhig zwischen 1,00 und 1,15 EUR. Spekulativ hochinteressant und ein heißes Eisen, falls es hier erstmal richtig los geht.

    Varta – Es bleibt mucksmäuschenstill

    Denkt man an Batterien, so landet man unweigerlich bei der deutschen Varta AG. Auch hier wird der potenzielle Lieferant einer neuen Super-Batterie vermutet, so die Gerüchte am Markt. Ob der große Fortschritt aus Ellwangen kommt, ist fraglich, aber immerhin gibt es Premium-Hersteller, die auf die schwäbische Ingenieurskunst vertrauen. Es bleib höchst spannend.

    Leider gab es von Varta bislang keine Vorabzahlen für das Jahr 2021. Das führt an der Börse zu Unsicherheit und in diesen volatilen Zeiten zu deutlichen Abschlägen im Kurs. Seit Jahresanfang fehlen so gute 25 EUR im Chart und bei einem Kurs von rund 80 EUR nähert man sich der wichtigen Unterstützung bei 75 EUR. Sehr enttäuschend, betrachtet man den Höchststand aus dem Hype-Jahr 2021 mit Kursen oberhalb der 160 EUR-Marke.

    Ohne wirkliche Nachrichten oder griffige Zahlen wird der Kurs von Varta vermutlich sehr volatil bleiben, achten sie daher dringend auf die Veröffentlichungen spätestens am 31. März. Der Chart von Varta jedenfalls lädt erst oberhalb von 105 EUR wieder zum Einstig ein, hier hatten wir uns zuletzt ausgestoppt. Wir werden Varta derweil weiter beobachten, bis Neuigkeiten die Stille ad acta legen.

    Standard Lithium – Bald bereit, die Lithium-Knappheit zu bedienen

    Für die Rohstoffseite, im speziellen Lithium, gibt es einen fortgeschrittenen Explorer aus den USA, die Standard Lithium Ltd (SLI). Das Projekt von Standard in Arkansas könnte sich unter Mitwirkung der deutschen Lanxess-Gruppe zum größten Lithium-Projekt Nordamerikas aufschwingen. Die langfristigen Perspektiven sind stimmig, leider gibt es derzeit viele Gerüchte und Unstimmigkeiten, die auf dem Kurs lasten. Nach einigen Shortseller-Aktivitäten liegen nun auch Sammelklagen von erzürnten Aktionären vor.

    Fakt bleibt, dass der Preis für das weiße Metall so schnell wie seit Jahren nicht mehr steigt. So hat der Lithiumpreisindex des Forschungsunternehmens Benchmark Mineral Intelligence sich zwischen Mai 2021 und Februar 2022 verdreifacht. Und es gibt Neuigkeiten aus Arkansas. SLI und Lanxess kommen bei ihrem Gemeinschaftsprojekt signifikant voran. Nach einem 20-monatigen Testbetrieb der eigens konstruierten Pilotanlage wird Standard Lithium eine Studie zur Bewertung des Baus einer industriellen Produktionsanlage für Lithiumcarbonat am Lanxess-Standort in El Dorado durchführen.

    Lanxess hat als einer der ersten Geldgeber gut verhandelt. Im positiven Fall hat Lanxess kein Investitionsrisiko, aber die Möglichkeit, batteriefähiges Lithiumcarbonat von Standard Lithium zu einem Vorzugspreis zu erwerben. Denn bereits in 2021 sind die Kölner über ein Wandelrecht mit 5% als Investor eingestiegen und deutsches Ingenieurswissen ist stark gefragt.

    Die SLI-Aktie hat sich nach dem Hype im November mittlerweile auf 7,50 CAD halbiert, die Bewertung liegt damit aber immer noch bei rund 800 Mio. EUR. Sollte SLI tatsächlich schon in 2022 erstes Lithiumcarbonat liefern können, dürfte die Story nochmal ordentlich an Fahrt gewinnen.


    Mit der kriegerischen Auseinandersetzung im Osten Europas zeigt sich die heute unbequeme Abhängigkeit von unseren zuvor geschätzten Nachbarn. Aus der Not heraus entstehen Knappheiten und diese haben einen sehr hohen Preis. Die Unternehmen müssen ihre Beschaffungsmärkte absichern, damit eine Kundenkalkulation erfolgen kann. An der Börse werden derzeit aber Angst und Hysterie gehandelt – dies birgt neben hohen Risiken natürlich auch Chancen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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