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22.06.2021 | 04:38

Varta, BYD, NIO, Tesla, Almonty Industries – Die Batterie wird zum nächsten Billionen-Thema!

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Bildquelle: pixabay.com

Wie stark die Realität manchmal von der Börsenentwicklung abweicht, ist besonders bei heiß gelaufenen Titeln spürbar. Anfang letzter Woche war es die Verschiebung der Impfstoff-Einführung von CureVac, die dem Aktienkurs kurzfristig 50% Verlust bescherte. Dann gab es am Freitag die virtuelle Hauptversammlung der Varta AG. Die Stimmung war im Vorfeld sehr gut und die Aktie erreichte mit 142 EUR ein 5-Monats-Hoch. Doch dann gab es eine Korrektur von über 10% und der Kurs fand sich gestern bei 127 EUR wieder. Der Grund: Premiumhersteller wie Porsche gehen nun selbst in die Batterieforschung. Damit tut sich für Varta ein Konkurrent unter den gedachten Kunden auf – so hatte man bestimmt nicht gewettet, aber das Thema Batterie ist eben ein Billionen-Ding!

Lesezeit: ca. 5 Minuten. Autor: André Will-Laudien
ISIN: DE000A0TGJ55 , US62914V1061 , US88160R1014 , CNE100000296


Varta – Gute Zahlen zur Hauptversammlung, aber der Druck steigt

Im Vorfeld der Hauptversammlung konnte die Varta-Aktie deutlich Boden machen und aus der mehrmonatigen Seitwärts-Range ausbrechen. Noch während der HV markierte die Aktie bei 142 EUR ein neues Verlaufshoch. In Ermangelung neuer Kaufargumente ging den Bullen im Verlauf aber gehörig die Kraft aus. Der Stimmungswechsel an den US-Börsen sorgte für zusätzliche Verunsicherung.

Generell läuft für Varta das Geschäft mit seinen Batterielösungen gut. Die gestiegene Profitabilität und die geringe Verschuldung ermöglichen es in diesem Jahr, den Aktionären eine Dividende von 2,48 EUR zu zahlen und gleichzeitig weiter massiv zu investieren. So wird in Kürze der Neubau einer Lithium-Ionen-Zellenfabrik am Standort Nördlingen gestartet. Auch die Pilotlinie für die neue, großformatige Lithium-Ionen-Rundzelle V4Drive am Standort Ellwangen wird planmäßig Ende des Jahres 2021 in Betrieb gehen.

Am Wochenende wurden dann die Pläne von Porsche bekannt, das Thema Batterie selbst in die Hand zu nehmen. Porsche will zusammen mit dem Tübinger Zellspezialisten Customcells im kleinen Umfang Hochleistungs-Batteriezellen herstellen. Die Batteriefabrik soll im Großraum Stuttgart entstehen. Eine Menge Marktteilnehmer hatten hier Varta als möglichen Partner ins Spiel gebracht, nun kam es anders. Wieder keine gute Nachricht für die Ellwanger, die Analysten der DZ-Bank stuften von Kaufen auf Halten zurück mit der Begründung, das Potenzial ist erst mal erschöpft. Bleiben sie vorsichtig, die Varta-Aktie hat in nur 5 Wochen ganze 30% zugelegt.

BYD – Der Preis für Chips wird deutlich angehoben

BYD kann sich derzeit über eine große Nachfrage nach seinen Produkten freuen. Bei der Tochter BYD Semiconductor gab es kürzlich eine Mitteilung über Preiserhöhungen von über 5%, betroffen sind v.a. die IPM- und IGBT-Produkte, wie chinesische Medien berichteten. Die Kosten für die Erstellung des eigenen Leistungsportfolios steigen aufgrund von Marktveränderungen stark an, der Druck auf der Lieferantenebene steigt analog. Noch immer kämpfen die Unternehmen mit den unterbrochenen Lieferketten im Zusammenhang mit der COVID-Pandemie. Es wird wohl noch Monate dauern, bis hier wieder ein Gleichgewicht hergestellt ist.

Günstig ist die BYD-Aktie mit einem 2022er-KGV von 70 sicherlich nicht, aber sie hat im Vergleich zu den vielen anderen chinesischen Hightech-Unternehmen immerhin ein KGV, schreibt also schwarze Zahlen. Und bei der aktiven BYD brodelt die Gerüchteküche mächtig weiter. Jetzt geht es scheinbar um eine Kooperation mit dem chinesischen Smartphone-Hersteller Xiaomi. Die Aufwärtsbewegung ist deshalb wohl noch nicht beendet. Nach 50% Anstieg in sechs Wochen sollten sie aber einen engen Stop bei rund 23,50 EUR setzen, um nach der Rallye auf der Gewinner-Straße zu bleiben.

NIO – Stärkeres Wachstum als Tesla

Das Jahr 2020 lief für den US-amerikanischen Elektroautohersteller Tesla hervorragend und fand seinen Höhepunkt in der Aufnahme im S&P 500 Index am 21. Dezember. Und auch der chinesische Konkurrent NIO blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück, das Unternehmen konnte sich in 2020 im Kurs verzehnfachen. Beide Unternehmen ruhen sich auf ihrem Erfolg aber nicht aus, sondern haben bereits große Investitionspläne für ihre Elektro-Offensive geschmiedet.

Betrachtet man die Wachstumszahlen, so hat NIO im aktuellen Vergleich die Nase vorne. Tesla ist zwar eindeutig der Pionier im Geschäft mit Elektrofahrzeugen, gerade im Vergleich zu konventionellen Autoherstellern, aber die Innovation lässt aktuell doch zu wünschen übrig. Höhere absolute Verkaufszahlen sind im Vergleich weniger entscheidend, der aktuelle Blick fällt auf den, der mit seinen neuen Modellen die höchsten Zuwächse in den Zulassungszahlen erreichen kann.

Der Ausbau der Marktposition in China verläuft für Tesla eher träge. Obwohl viel Aufhebens um die in China hergestellten Model 3-Fahrzeuge gemacht wurde, hat Tesla bis Mitte 2021 nur etwas mehr als 80.000 dieser Autos verkauft. Das war gut genug, um den drittgrößten Marktanteil für sich zu beanspruchen, aber ist sicherlich kein wirklicher Gamechanger. Zwar mag Tesla den weltweiten Markt dominieren, in China ist von seiner Vormachtstellung aber noch nicht viel zu sehen. Für Investoren, die den „Lärm um Tesla“ und Elon Musk durchdringen können und einfach auf das Wachstumspotenzial von Chinas Elektrofahrzeugen setzen wollen, ist NIO die bessere Wahl. Hier verläuft der Erfolg „geräuschloser“ - die Aktie von NIO hat Tesla in 12 Monaten um 25% outperformt.

Almonty Industries – Begehrte Ware aus Süd-Korea

Das Thema mit den knappen Rohstoffen spielt Almonty Industries voll in die Karten. Der politische Druck um das Thema Dekarbonisierung lässt die globale Nachfrage nach Nickel, Lithium und seltene Erdmetalle regelrecht explodieren. Bereits seit 2019 war bei den meisten Metallen aufgrund von Minenschließungen ein Nachfrageüberhang zu erkennen. Dabei ist die Energiewende erst am Anfang ihres langfristigen Zyklus, denn die deutsche Industrie hat die Elektrifizierung erst 2020 so richtig auf den Plan geholt. Die Pariser Klimabeschlüsse werden aber in Europa sehr ernst genommen.

Dann kommen auch unter Joe Biden die Handelsauseinandersetzungen mit China immer wieder zum Vorschein. China beabsichtigt wohl, strenge Exportkontrollen für 17 Industrie-Metalle inklusive der Seltenen Erden einzurichten. Die globale Abhängigkeit von Peking beschäftigt die Rohstoffstrategen in den westlichen Industrienationen abermals und führt zu anhaltenden Preisaufschlägen. Beim strategischen Metall Wolfram, das aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften in vielen Branchen der modernen Technologien unersetzlich ist, besteht das gleiche Problem. Und die Abhängigkeiten betreffen nicht nur die Chip-Industrie, nein - so ziemlich alle Hightech-Branchen haben mit diesem Unsicherheitsfaktor zu leben.

Almonty Industries, ein kanadischer Explorer und Produzent mit Sitz in Toronto fördert in Spanien und Portugal und besitzt weitere Minenrechte an Wolfram und Molybdän in Südkorea. Das aktuelle Hauptgeschäft ist der Abbau, die Verarbeitung und die Verschiffung von Wolframkonzentrat aus den Minen Los Santos in Westspanien sowie Panasqueira in Portugal. In den nächsten Jahren erhöht sich die Produktion, denn in 2015 hat man die Sangdong-Mine erworben. Sie ist historisch gesehen eine der größten und hochgradigsten Wolfram-Minen der Welt außerhalb Chinas. Der Weltmarktanteil von Almonty würde sich durch den Start der Mine dann auf einen hohen einstelligen Wert steigern.

Die Almonty-Aktie schwankt derzeit im Korridor 1,10-1,20 CAD, damit beträgt die Marktkapitalisierung knapp 200 Mio. CAD. Die Deutsche Rohstoff AG ist weiterhin mit 12% als Kerninvestor investiert. Angesichts der angespannten internationalen Lage um wichtige Rohstoffe und zu erwartender News zum Fortschritt in Südkorea sollte man bei Almonty Industries eng am Ball bleiben.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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