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24.06.2022 | 04:44

TUI, Pathfinder Ventures, Lufthansa, KLM – Der Reisemarkt ist zurück, wo bleiben die Aktienkurse?

  • Reisen
  • Luftfahrt
  • Camping
Bildquelle: pixabay.com

Der Reisemarkt hat sich seit 2019 im Lichte der Corona-Pandemie dramatisch verändert. Durch den weitestgehenden Pandemie-Stillstand in 2020 wurden die Kapazitäten bei Flügen, Bahnverkehr und Beherbergung dramatisch nach unten angepasst. Größere Kostensenkungen erfolgten vor allem durch Entmietung und Personalabbau. Reiseunternehmen kürzten ihre Grundauslastungen bei Partnern so stark, dass viele kleinere Betriebe die Segel streichen mussten und Großkonzerne nur durch umfangreiche Staatshilfen überleben konnten. Jetzt hat sich die Situation aber um 180 Grad gedreht und die Nachfrage nach Reisen explodiert regelrecht. Allerdings scheint es diesmal schwer, die reduzierten Kapazitäten wieder bedarfsgerecht nach oben zu fahren. Wir blicken auf die Chancen von drei typischen Branchenvertretern.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: PATHFINDER VENTURES INC | CA70323P1071 , TUI AG NA O.N. | DE000TUAG000 , LUFTHANSA AG VNA O.N. | DE0008232125

Inhaltsverzeichnis:


    TUI – Mit russischem Großaktionär in eine unsichere Zukunft

    Russisches Geld ist zu einem großen Anteil im Westen investiert. Ob es Fußballclubs, Hotels, Grundstücke oder Industriebeteiligungen sind, überall findet man Investoren aus dem Osten. Verständlich ist das schon, denn westliche Investments sind nicht nur schön, sie steigen in der Regel auch im Wert und erfreuen den Anleger. Nun gibt es aber schmerzliche Sanktionen, mit diesen will der Westen eigentlich die russische Wirtschaft treffen. Aber es läuft vielfach anders.

    Besonders die Oligarchen aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sind ein Ziel in diesem Wirtschaftskrieg. Betroffen sind auch zahlreiche europäische Unternehmen, unter anderem die deutsche TUI. Denn die Familie des Oligarchen Alexej Mordaschow hält rund 30% der Anteile am Reisekonzern aus Hannover. Rechtliche Folgen aus der Sanktion treffen das Unternehmen selbst, denn die Firma darf nichts unternehmen, was der sanktionierten Aktionärin, irgendwelche Vorteile verschafft. Daher müssen alle internen Aktivitäten bei TUI mehrmals geprüft werden, ein Seiltanz für die Compliance-Stelle des Unternehmens und eine Zumutung für alle sonstigen Aktionäre, die der TUI immer wieder die Stange gehalten haben.

    Wie der Reisekonzern nun langfristig mit seinem befreundeten Mehrheitseigner umgehen möchte, ist noch nicht bekannt. Operativ sollte es allmählich besser laufen, die Buchungen für die wichtige Sommersaison ziehen deutlich an und liegen seit Anfang Februar sogar über dem Niveau der Vorkrisenwochen in 2019, so der Deutsche Reiseverband (DRV). TUI rechnet für Mallorca im ersten Sommer ohne Corona-Auflagen mit einer "perfekten" Urlaubssaison. Nach einer abermaligen Not-Kapitalerhöhung bei 2,65 EUR geht es mit dem Kurs indes schon wieder abwärts. Jüngst wurde ein neues Allzeit-Tief bei 1,66 EUR erreicht. Die Aktie bleibt hochspekulativ und der riesige Schuldenberg hat die Marktkapitalisierung längst überflügelt. Hochspekulativ - weiterhin nur beobachten!

    Pathfinder Venture – Neue Konzepte für die Welt nach der Pandemie

    Ein interessantes Urlaubs-Investment findet man in Kanada und Frankfurt auf dem Kurszettel, denn der Campingplatz-Betreiber Pathfinder Ventures ist gerade dabei, mit neuen Reisekonzepten einen kompletten Nischenmarkt zu besetzen. Der historisch gewachsene Markt für Camping- und Wohnmobile hat in und nach der Corona-Pandemie eine wahrliche Explosion erlebt. Alles musste schnellstens digitalisiert und auf die Bedürfnisse einer neuen Form des Familienurlaubs eingerichtet werden. Digitale Buchungsplattformen, moderne Reservierungssysteme und Entertainment-Angebote für Jung und Alt wurden quasi über Nacht an historisch gewachsenen Standorten installiert. Wer in 2020 und 2021 reisen wollte, konnte dies nur mit monatelanger Vorbereitung tun.

    Pathfinder entwickelt unter dem Namen „Pathfinder Camp Resorts“ ein Netzwerk von erstklassigen, gehobenen und familienfreundlichen Wohnmobilparks und Campingplätzen. Aktuell verfügt das Unternehmen über drei Camp Resorts in British Columbia. Operativ konzentriert sich das Management darauf, den besonders fragilen Markt zu konsolidieren und seinen Bestand an Vermietungsplätzen und Mobile Homes zu erweitern. Damit zielt man voll auf die Freizeitwünsche der Kanadier und Fernreisenden ab, die in den Weiten Nordamerikas blanke Natur und Ungestörtheit genießen wollen. Allein seit Beginn der Corona-Pandemie wächst der Camping-Tourismus-Markt mit Raten von jenseits der 20%-Marke. Hier gibt es also noch viel Potenzial, denn die Nachfrage für Ruhe und unverbrauchte Natur ist nicht zuletzt durch die kriegerischen Aktivitäten in Europa noch deutlich höher geworden. Viele Europäer suchen derzeit attraktive Fernziele, um sich von der Krisensituation in Europa zumindest temporär zu entfernen.

    Mittelfristig ist also damit zu rechnen, dass sowohl der Inlands- als auch der Interkontinental-Tourismus in Kanada weiter wachsen wird. Der Anteil des Campings ist in Nordamerika noch nicht so hoch wie in Europa, denn rund 11,5 Millionen Personen aus Deutschland gaben im Jahr 2021 an, den Campingurlaub als Urlaubsreise zu favorisieren. Für die noch junge Pathfinder Ventures ein gefundener Bereich für gute Ideen im Beherbergungs- und Freizeitbereich. Wegen der hohen Investitionen wurde im ersten Quartal noch ein geplanter Verlust erzielt, die Zeichen stehen aber weiter auf Wachstum. Noch ist der MicroCap mit nur knapp 4 Mio. EUR bewertet.

    Lufthansa – Zuerst der Kapazitätsabbau, nun das blanke Chaos

    Wer derzeit mit Lufthansa an Bord geht, bekommt das ganze Drama der Fliegerei live geboten. Erhebliche Verspätungen, verschobene Starts und kurzfristige Stornierungen ergeben sich, wenn eine Airline zwar viele Flüge in Internet verkauft - ja Maschinen werden sogar deutlich überbucht - und dann an der eigenen oder der fremden Logistik am Flughafen scheitert. Befragt man die Mitarbeiter vor Ort, hört man die wirklichen Details. Zuerst wurden pandemiebedingt bei allen Airlines und beim Flughafenpersonal viel zu viele Menschen abgebaut und nun verursacht die jetzt dringend erforderliche Neueinstellung erhebliche Probleme, weil sich die „Ehemaligen“ einen neuen Job gesucht haben oder zu den Tarifen von 2019 heute nicht mehr bereit sind anzutreten. Das führt zu dramatischer Unterbesetzung an allen Stellen, extremen Stress und Ausfälle beim bestehenden Personal sowie letztlich eine hohe Unsicherheit für den Fluggast, ob er denn wirklich zur gebuchten Zeit fliegen kann oder samt Gepäck auch pünktlich ankommt.

    Sollten sich diese Zustände nicht schnellstens verbessern lassen, droht dem deutschen Benchmark-Unternehmen im Luftverkehr der Wegfall seiner Stammkunden. Ähnliche Probleme haben Air France-KLM, aber es gibt auch genügend positive Gegenbeispiele, die in der Pandemie bessere Lösungen gefunden haben. Die ganze Misere der Kranich-Linie lässt sich am Aktienkurs ablesen. Minus 40% in den vergangenen 36 Monaten und über 1 Mrd. EUR notwendiger Staatsrettung. Aktuell weiß der Anleger nicht, ob die Aktie viel zu tief steht oder die finale Bruchlandung erst noch bevorsteht. Sollte die Marke von 5,50 EUR aber dennoch halten, wäre charttechnisch beim Überwinden der 8,50 EUR-Linie der Himmel wieder blau für weitere Steigflüge in Richtung 11 EUR.


    Die Ukraine-Krise hält die Welt in Atem und schürt Verbitterung. Die fast tägliche Verteuerung von Energie produziert wirtschaftliche Zukunftsängste. In diesem Umfeld haben Reise- und Transportunternehmen einen schweren Stand, obwohl es zahlreiche Nachholeffekte gibt. Die kleine Pathfinder Ventures ist in einem hochdynamischen Bereich unterwegs und wächst gedeihlich.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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    Kommentar von André Will-Laudien vom 20.10.2022 | 04:44

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