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31.01.2022 | 05:10

Steinhoff, Hong Lai Huat, JinkoSolar – Fliegt der Deckel weg?

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Bildquelle: pixabay.com

Kommt der international agierende Möbelkonzern Steinhoff nach dem Bilanzskandal von 2017 wieder auf die Beine? Der Vergleich mit den Gläubigern wurde bestätigt, nun geht es in naher Zukunft um den Abbau des horrenden Schuldenberges. Ganz anders sieht es am deutschen Immobilienmarkt aus. Hier warnt bereits die deutsche Bundesbank vor einer Überhitzung nach den stark gestiegenen Preisen der letzten Jahre. Mehr Potenzial bietet sich auf anderen Kontinenten der Erde, speziell in Südost-Asien.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: HONG LAI HUAT GROUP LIMITED | SG1EE1000009 , STEINHOFF INT.HLDG.EO-_50 | NL0011375019 , JINKOSOLAR ADR/4 DL-00002 | US47759T1007

Inhaltsverzeichnis:


    Steinhoff – Schuldenabbau hat Priorität

    „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, das allseits bekannte Zitat des Trainers der Fußball-Weltmeister-Mannschaft von 1954, Sepp Herberger, lässt sich eins zu eins auf die aktuelle Situation des globalen Möbelkonzerns Steinhoff International Holdings mit Sitz in Amsterdam und operativer Hauptzentrale in Sandton (Johannesburg/Südafrika) übertragen. Dem neuen operativen Management um den CEO Louis Jacobus du Preez und den CFO Theodore le Roux de Klerk kann man jedoch bescheinigen, dass nach dem Bilanzskandal 2017 alles getan wird, um den überschuldeten Konzern zu retten.

    Legt man die Entwicklung auf die Fußballweltmeisterschaft von 1954 um, wurde mit der Bestätigung des Vergleichs durch das Western Cape High Court in Südafrika ein Gruppenspiel gewonnen. Auch die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres zeigen einen positiven Trend und weisen mit einem Umsatzanstieg von 14% auf 9,19 Mrd. EUR in die richtige Richtung. Das bereinigte EBITDA steigerte Steinhoff um 29% auf 1,336 Mrd. EUR. Beim bereinigten EBIT gab es ein Wachstum von 57% auf 728 Mio. EUR. Der Verlust verringerte sich auf 850 Mio. EUR, nach einem Minus von 2,355 Mrd. EUR im Vorjahreszeitraum.

    Dennoch kommt mit einem Schuldenstand von insgesamt 9,8 Mrd. EUR noch viel Arbeit auf das neue Management zu. Die nächsten Prioritäten von Steinhoff sind die Reduzierung der Zinszahlungen für die horrenden Schulden, der Verkauf einer weiteren Beteiligung an den europäischen Einzelhändler Pepco Group NV und die Börsennotierung seiner US-amerikanischen und australischen Einheiten. In einem Interview, das auf Bloomberg News Wire veröffentlicht wurde, äußerte sich CFO Theodore de Klerk zu den Sanierungsplänen.

    "Wir müssen den absoluten Wert der Schulden senken, also werden wir weitere Vermögenswerte verkaufen müssen", sagte Finanzvorstand Theodore de Klerk in einem Interview. "Der Betrag ist einfach zu hoch, um ihn in der jetzigen Form zu restrukturieren."

    Steinhoff könnte seinen fast 79%-igen Anteil an Pepco, der seit letztem Jahr in Warschau gehandelt wird, reduzieren und Anteile an der US-Bettwarenkette Mattress Firm und Fantastic Holdings, einem australischen Einzelhändler für Möbel und Bettwaren im unteren Preissegment, öffentlich verkaufen.

    Zudem dürfte der Konzern prüfen, ob er die Mehrheitsbeteiligung an dem panafrikanischen Bekleidungshändler Pepkor Holdings Ltd. aufgeben will. Das Unternehmen hat einen Anteil von fast 10 % verkauft, um eine Einigung mit den Gläubigern zu finanzieren und wird dadurch im Rahmen des gerichtlichen Vergleichs Pepkor-Aktien an die Kläger ausgeben.
    In der Zwischenzeit dürfte Steinhoff mit den Kreditgebern über eine Verlängerung der Laufzeit der Schulden und eine Senkung des Zinssatzes von 10% auf einen "marktgerechten" Zinssatz sprechen, so De Klerk.

    "Als diese Schuldenvereinbarungen ausgehandelt wurden, war das Unternehmen alles andere als stabil", sagte er. "Das hat sich jetzt geändert, also muss man mit den Leuten reden und sehen, wo man landen kann." Die Aktie von Steinhoff hängt aktuell am Widerstand bei 0,30 EUR. Auch nach dem positiven Abschluss des Vergleichs bleibt der Titel hochspekulativ.

    Hong Lai Huat – Erfolgreich seit über drei Jahrzehnten

    Für deutsche Anleger ist der Immobilienentwickler und Bauträger noch unbekannt, in Asien entwickelte sich der Konzern jedoch zu einem ernstzunehmenden Player im Stadtstaat Singapur und seit 2008 im aufstrebenden Königreich Kambodscha. Seit 1988 errichtet das im Mainboard der Singapore Exchange (SGX) sowie in Frankfurt notierte Unternehmen zahlreiche Projekte in Singapur, die von öffentlichen und privaten Wohnanlagen bis hin zu Gewerbe- und Industriebauten reichen.

    Im Jahr 2015 lancierte der Konzern sein erstes gemischt genutztes Immobilienprojekt D'Seaview in Sihanoukville in Kambodscha mit 737 Wohneinheiten und 67 Gewerbeeinheiten. Nach dem Erfolg von D'Seaview brachte der Konzern im Jahr 2019 sein zweites Mischnutzungsprojekt Royal Platinum im Bezirk Toul Kork in Phnom Penh, der Hauptstadt des Landes, auf den Weg. Dieses Projekt, das nur 20 Minuten vom internationalen Flughafen von Phnom Penh entfernt ist, umfasst 851 Wohneinheiten und 50 Gewerbeeinheiten. Zusätzlich erwarb der Konzern in den Jahren 2020 und 2021 zwei weitere Grundstücke, auf denen das jeweils dritte und vierte Mischnutzungsprojekt im Königreich entstehen soll. Bei den zuletzt genannten Projekten soll ein Gesamtbrutto-Entwicklungswert von annähernd 400 Mio. USD erreicht werden. In naher Zukunft dürfte hier ein Angebot an den Markt zum Vertrieb veröffentlicht werden.

    Kürzlich wurde ein Update veröffentlicht, das die beeindruckenden Fortschritte der letzten Jahre aufzeigt. Mit den Hauptbauarbeiten im Projekt Royal Platinum liegt das Unternehmen gut im Zeitplan und hat zum Zeitpunkt dieser Pressemeldung bereits das 10. Stockwerk der insgesamt 28 Stockwerke erreicht. Sowohl die Gewerbeeinheiten als auch alle Penthouse-Wohnungen wurden bereits zu 90% an einheimische und internationale Käufer veräußert.

    Zudem unterzeichnete Hong Lai Huat ein Joint-Venture mit der HSC Group, um in der Baumaterialzone im Agri Hub Mineralressourcen zu explorieren und zu fördern. Die entsprechenden Lizenzanträge werden derzeit geprüft und müssen noch von den Behörden in Kambodscha genehmigt werden. Das Unternehmen besitzt eine Marktkapitalisierung von 32,6 Mio. EUR. In Anbetracht der Größe der verschiedenen Bauvorhaben könnte sich demnach eine Diskrepanz zum inneren Wert aufzeigen.

    JinkoSolar – IPO der Tochter verpufft

    Es war ein kurzes Strohfeuer, dass die Aktie des chinesischen Produzenten von Solarzellen, Solarmodule und Montagesysteme für Solarmodule in der vergangenen Woche erlebte. Nach dem ersten Handelstag des Tochterunternehmens Jiangxi Jinko sprang der Kurs der JinkoSolar-Aktie um mehr als 10% nach oben, der Gewinn schmolz in den folgenden Tagen wieder dahin. Dadurch wurde auch die wichtige Unterstützungslinie bei 41,85 USD durchbrochen.

    Aktuell notiert der chinesische Marktführer bei 39,30 USD. Die nächste markante Unterstützung liegt bereits bei 35 USD. Sollte diese gebrochen werden, könnte es sogar zu einem Wiedersehen des Juni-Tiefs des vergangenen Jahres bei 28,24 USD kommen.

    Der positive Verlauf des IPOs der Tochter, die am ersten Handelstag um rund 111% im Vergleich zum Ausgabekurs performte, wurde somit zum Abverkauf genutzt und zeigt, dass weiter Druck auf die Aktie kommen könnte. Deshalb sollten interessierte Anleger JinkoSolar derzeit eher von der Seitenlinie betrachten.


    Steinhoff hat bereits große Schritte in Bezug auf die Sanierung zurückgelegt, jedoch steht mit der Schuldenreduzierung viel Arbeit bevor. Hong Lai Huat expandiert weiter und dürfte für internationale Investoren zunehmend interessant werden, bei JinkoSolar ist Vorsicht geboten.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung und ein breit gestreutes Netzwerk kann der gebürtige Franke vorweisen. Seine Leidenschaft gilt dem Analysieren verschiedenster Geschäftsmodelle und dem Durchleuchten neuer Trends.

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