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19.05.2021 | 04:37

Royal Helium, Royal Dutch Shell, Gazprom – Diese Rohstoffaktien geben richtig Gas

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Bildquelle: pixabay.com

Rohstoffe sind aktuell wieder in aller Munde: Energiewende, Elektromobilität, medizinischer Fortschritt. All das benötigt Ressourcen, die mühsam gefördert oder produziert werden müssen. Dabei hat Corona die Lage noch verschärft: Die weltweiten Produktionsausfälle bekommen Menschen aktuell schmerzhaft zu spüren. Halbleiterchips sind derzeit Mangelware, die Kupferpreise steigen. Was für das verarbeitende Gewerbe und die Endverbraucher steigende Preise bedeutet, schlägt sich allerdings in den Gewinnen der Rohstoffproduzenten nieder. Zeit, sich diese genauer anzuschauen und von der Entwicklung zu profitieren!

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Carsten Mainitz


Royal Helium Ltd. – Gasprobentests bestätigen wirtschaftliche Helium-Konzentrationen in Climax-Projekten

Helium ist ein gefragtes Edelgas, welches aufgrund seiner herausragenden chemischen und physischen Eigenschaften für zahlreiche Anwendungen essentiell ist. Es wird beispielsweise als nicht-leitendes, nicht-reaktives Kühlmittel in medizinischen Laborgeräten oder auch in Weltraumraketen eingesetzt. Auf der Erde kommt dieses Element aufgrund seiner hohen Flüchtigkeit nur in sehr geringer Konzentration in der Atmosphäre vor, obwohl es sich im Universum um das am zweithäufigsten vorkommende Element nach Wasserstoff handelt. Da wir Helium auch nicht, wie es auf Sternen geschieht, durch die Fusion zweier Wasserstoffkerne erzeugen können, muss das Element anderweitig beschafft werden. So hat man vor langer Zeit entdeckt, dass Helium auch beim radioaktiven Zerfall einiger Elemente im Erdmantel entsteht und sich in abgeschlossenen Lagerstätten sammelt, oft in Kombination mit Öl- oder Gasvorkommen.

Somit ist Helium oft ein Beiprodukt bei der Öl- und Gasproduktion. Einen anderen Weg geht allerdings die kanadische Royal Helium, die sich ausschließlich auf die Helium-Produktion spezialisiert hat. Das Unternehmen verfügt über eine rund 400.000 Hektar große Landfläche in der infrastrukturell gut erschlossenen und für seine Heliumvorkommen bekannten Provinz Saskatchewan in Kanada. Vor einiger Zeit hatte das Unternehmen nach einer Kapitalerhöhung um 6,16 Mio. CAD mit ersten Probebohrungen begonnen. Anfang April konnte Royal Helium dann erste Erfolge vermelden: Die Probebohrungen in den Projekten Climax I bis III haben eine wirtschaftlich nutzbare Heliumkonzentration bestätigt. Hier kann das Unternehmen nun direkt in die Produktion einsteigen.

Mit dem generierten Cash-Flow sollen weitere Probebohrungen finanziert werden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat sich das Unternehmen entschlossen, eine weitere Kapitalrunde durchzuführen. Dabei werden 30 Mio. neue Aktien in Kombination mit 15 Mio. Warrants zu einem Kurs von 0,50 CAD begeben. Je Aktie wird also ein halber Warrant hinzugefügt, ein ganzer Warrant berechtigt zum Bezug einer weiteren Royal Helium Aktie zu einem Kurs von 0,75 CAD. Das Angebot soll am 8. Juni geschlossen werden. Diese drohende Verwässerung der Altaktionäre hat den Kurs von Royal Helium dann zunächst auch etwas unter Druck gesetzt. Die Aussichten auf einen kurz bevorstehenden Produktionsstart haben die Kurve aber schon wieder ansteigen lassen. Anleger, die ihrem Portfolio auch einige spekulative Werte hinzufügen möchten, haben hier jetzt die Möglichkeit, noch recht günstig auf einen fahrenden Zug aufzuspringen.

Royal Dutch Shell Plc. – Ölproduzent will mit Partnern Wasserstoff von Offshore-Anlagen in der Nordsee an Land liefern

Nachdem die französischen und spanischen Wettbewerber Total und Repsol kürzlich bekannt gegeben hatten, ihr Geschäft stärker in den Bereich der erneuerbaren Ressourcen zu verlagern, scheint auch der niederländisch-britische Öl- und Gasproduzent Royal Dutch Shell langsam aufzuwachen. So vermeldete das Unternehmen jüngst den Plan für ein Projekt namens „Aqua Ductus“. Dabei will man zusammen mit dem Energiekonzern RWE und den Gasnetzbetreibern Gascade und Gasunie Pipelines zu den Offshore-Windparks in der Nordsee verlegen und betreiben, um damit den direkt vor Ort produzierten, grünen Wasserstoff an einen Knotenpunkt bei Helgoland zu liefern und von dort zu verteilen.

Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil dieses „grünen“ Wasserstoffs von der Stahl- und der chemischen Industrie abgenommen werden wird. Die Jahresproduktion soll ab dem Jahr 2035 rund 1 Mio. Tonnen pro Jahr betragen. Die Produktion und Verteilung des grünen Wasserstoffs ist eines der vornehmlichen Themen im Rahmen der Energiewende und in der „Nationalen Wasserstoffstrategie“ der Bundesregierung ausdrücklich erwähnt. Dazu werden Fördermittel in Höhe von 9 Mrd. EUR bereitgestellt, von denen 7 Mrd. EUR für Inlandsprojekte, sowie 2 Mrd. EUR für Kooperationsprojekte mit ausländischen Projektpartnern vorgesehen sind. Es ist davon auszugehen, dass Royal Dutch Shell nicht zuletzt auch auf einen Teil dieses Kuchens spekuliert.

Wie dem auch sei: es ist richtig und wichtig, dass der Konzern sich diesem Nachhaltigkeitsthema zuwendet. Diejenigen Unternehmen, die diese Themenfelder frühzeitig besetzen, werden für eine ganze Weile die Nase vorn haben. Das Thema Wasserstoff ist jedenfalls eines, ohne das die von der Politik angepeilte Klimaneutralität durch die Dekarbonisierung unserer Industrie bis zum Jahr 2045 nicht möglich sein wird. Wir denken, dass ein entsprechendes Engagement von Royal Dutch Shell zum jetzigen Zeitpunkt ein kluger Schachzug ist und dass die Aktie des Unternehmens – sollten bei dem Projekt keine unvorhergesehenen Zwischenfälle eintreten – davon zukünftig profitieren wird. Das sehen offensichtlich auch Analysten so. Das mittlere Kursziel für die Aktie liegt bei rund 25,60 EUR.

Gazprom – Der russische Bär findet zu alter Stärke

Der Februar 2020 war für viele Unternehmen eine Zäsur. Auch Gazprom musste einen Kursverlust von fast 40% hinnehmen. Zusätzlich belastete das Hin und Her bzgl. Nordstream 2 das Papier, das zeitweilig noch einmal rund ein Viertel seines Wertes einbüßte. Seitdem unternimmt der Titel gerade zum zweiten Mal einen Anlauf, um auf sein altes Niveau zurückzukehren. Dabei helfen im Moment wohl zwei Dinge: 1. Nordstream 2 ist aktuell nicht mehr so stark in den Medien präsent und 2. Nüchterne Fakten. Gestern verkündete das Unternehmen seine Zahlen zum Auftaktquartal 2021: der Quartalsüberschuss war mit rund 362,6 Mrd. Rubel der höchste seit neun Quartalen. Die Gasproduktion konnte um ca. 15% gesteigert werden (Exporte in Nicht-GUS-Staaten: +28%).

Analysten gehen für das Gesamtjahr von einer stark erhöhten Dividende von umgerechnet 0,53 EUR pro in Deutschland gehandeltem ADR (umfasst zwei reguläre Gazprom-Aktien) aus. Die Dividendenrendite würde damit üppige 10% erreichen. Auch für die nächsten Jahre rechnen Analysten mit einer ähnlich hohen Dividende. Bzgl. der Differenzen um Nordstream 2 bleibt festzustellen: aktuell ist Russland auf das Projekt nicht angewiesen und kann diesbezüglich eine abwartende Haltung einnehmen, während die europäischen Gasreserven in der Nordsee sinken. Am Ende wird sich zeigen, wie die EU ihre Gasversorgung sicherstellen will. Für Menschen, die sich von politischen Risiken nicht einschüchtern lassen, ist Gazprom auf jeden Fall ein sehr interessanter Dividendentitel, der aktuell noch günstig bewertet ist.


Der Autor

Carsten Mainitz

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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