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23.08.2021 | 05:24

Plug Power, Enapter, Ballard Power – Quo vadis Wasserstoff?

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Bildquelle: pixabay.com

Im PKW-Bereich scheint der Kampf für Wasserstoff-Brennzellen verloren, da sich die gesamte Automobilindustrie auf die Produktion von E-Autos fokussiert. Im Bereich Nutzfahrzeuge gibt es noch Hoffnung für die Wasserstoffindustrie. Voraussetzung dafür ist allerdings günstiger Wasserstoff, den es aktuell noch nicht gibt. Die Subventionsversprechen aufgrund des Klimaschutzes für den Wasserstoff Sektor sollten eigentlich Auftrieb geben, doch die extreme Überbewertung, die in Aktien aus dem Wasserstoffbereich bis Ende Januar aufgebaut wurde, ist teilweise noch nicht komplett abgebaut. Nachdem die FED in ihrem letzten Protokoll angedeutet hat, die lockere Geldpolitik aufzugeben, macht sich bei vielen nordamerikanischen Wasserstofffirmen Unsicherheit breit. Wir werfen heute einen Blick auf drei Wasserstoff-Unternehmen.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Armin Schulz
ISIN: PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , ENAPTER AG INH O.N. | DE000A255G02 , BALLARD PWR SYS | CA0585861085


Plug Power – Aufteilung in Unternehmensbereiche

Bereits im Januar warnte Goldman Sachs vor einer zu hohen Bewertung bei Plug Power, da das Verhältnis von Unternehmenswert zum Umsatz bei 47 lag. Ab einem Verhältnis von 20 sollte man als Anleger ein Investment in diese Aktien genau prüfen, da es in diesen Fällen oft langfristig ein hohes Rückschlagpotential gibt. Die Aktie von Plug Power gab von 75,49 USD Ende Januar bis zum 11. Mai auf 18,47 USD nach. Die aktuelle Marktkapitalisierung bei einem Kurs von 24,23 liegt damit noch immer bei gut 13,2 Mrd. USD.

Am 5. August legte das Unternehmen seine zweiten Quartalszahlen vor - und die waren durchwachsen. Man konnte zwar den Umsatz auf gut 123 Mio. USD steigern, aber die Verluste beliefen sich auf über 99 Mio. USD. Am 19. August teilte das Unternehmen mit, dass das Geschäft in vier Bereiche aufgeteilt wird. Jeder dieser Bereiche hat ab sofort einen eigenen Manager. Zukünftig wird es den Material-Handling-Solutions-, Energy-Solutions-, Elektrolyseur- und Stationary-Power-Bereich geben. Durch die Aufteilung soll das Wachstum in den verschiedenen Sparten schneller vorankommen.

Für 2024 peilt Plug Power ein profitables Ergebnis an. Werden die Zahlen wie geplant erreicht, würde sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 198 ergeben. Die Aktie konnte den kleinen gebildeten Aufwärtstrend nicht halten und ist wieder in einen Abwärtstrend zurückgefallen. Ein Test des Tiefs von 18,47 USD aus Mai erscheint möglich. Aufhellen würde sich der Chart, wenn die Aktie einen Schlusskurs über 30,25 USD schaffen würde. Aktuell sollte man als interessierter Anleger warten, bis der Abwärtstrend verlassen werden kann.

Enapter – Umsatz wächst schnell

Enapter ist ein in Deutschland ansässiges Unternehmen, das 2004 gegründet wurde und stellt Anion-Exchange-Membrane (AEM) Elektrolyseure her, mit deren Hilfe man aus erneuerbarer Energie und Wasser grünen Wasserstoff herstellen kann. Die Technologie ist sehr fortschrittlich, und so konnten mehrere Auszeichnungen gewonnen werden. Allein im Juni erhielt das Unternehmen den NRW.Global Business Award und wurde als Technology Pioneer durch das World Economic Forum (WEF) ausgezeichnet.

Am 20. Juli gab das Unternehmen seine Halbjahreszahlen bekannt und konnte damit durchaus positiv überraschen. Der Umsatz wurde von 600.000 EUR auf 2 Mio. EUR gesteigert und es liegen bereits Aufträge über 6,1 Mio. EUR vor. Damit sollte die Jahresprognose von 9,2 Mio. EUR sehr gut erreichbar sein. Das Jahresendergebnis EBITDA wird bei -7,5 Mio. EUR erwartet. Die Bilanz wurde im Vergleich zu Ende 2020 deutlich gestärkt. Unter anderem konnten insgesamt 22 Mio. EUR Fördergelder aus verschiedenen Fördertöpfen gesichert werden und es wurden 18 Mio. EUR aus einer Kapitalerhöhung eingenommen.

Aktuell baut das Unternehmen seine Produktionsstätten aus, entwickelt das Produkt AEM Multicore zur Marktreife und baut den internationalen Vertrieb aus. Für 2023 will Enapter bereits die Gewinnschwelle überschritten haben. Aktuell sind 23,1 Mio. Aktien im Umlauf, was eine aktuelle Marktkapitalisierung von 586 Mio. EUR bedeutet. Werden die angehobenen Ziele für 2022 von 44,8 Mio. EUR und einem fast gleichbleibenden Verlust in Höhe von 8,7 Mio. EUR erreicht, sollte der Aktienkurs in neue Sphären vorstoßen können. Momentan läuft die Aktie zwischen 19 und 29 EUR seitwärts.

Ballard Power – mit schwachen Zahlen

Ballard Power wurde bereits 1979 in Kanada gegründet und ist seit 1995 an der Nasdaq gelistet. Der Hauptfokus liegt auf der Herstellung von Wasserstoff-Brennstoffzellen für Busse, LKW, Züge und Schiffe. Dabei setzt das Unternehmen nicht auf einen reinen Wasserstoffantrieb, sondern kombiniert Wasserstoff mit Batterien. Die Brennstoffzellen erzeugen Strom aus Wasserstoff, der dann den Batterien zugeführt wird.

Am 5. August hat das Unternehmen seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt und diese waren einmal mehr schwach. Der Umsatz ging um 800.000 USD auf 25 Mio. USD im Vorjahresvergleich zurück und der Verlust sprang um über 100% nach oben von -10,7 Mio. USD 2020 auf -21,9 Mio. USD im abgelaufenen Quartal. Das bedeutet einen Nettoverlust von 0,07 USD pro Aktie. Ein positives Gesamtergebnis des Konzerns wird frühestens für 2024 erwartet.

Aktuell gibt es gut 297,6 Mio. Aktien, was einer aktuellen Bewertung von 4,43 Mrd. USD entspricht. Bei aller Fantasie, was die mögliche Größe des Wasserstoffmarkts angeht, ist diese Marktkapitalisierung ambitioniert. Springt man ins Jahr 2024 und nimmt den vom Unternehmen erwarteten Gewinn an, so erhielte man ein KGV von 1.698. Eine Amazon-Aktie liegt bei 76. Die Aktie hat trotz der schwachen Zahlen keine neuen Tiefs markiert, sondern einen Doppelboden bei 14,44 USD gebildet. Hält dieser, kann die Aktie die Hochs bei 17,38 USD testen.


Der Wasserstoffmarkt hat nach einem riesigen Hype einen größeren Dämpfer erhalten. Fließen die versprochenen Fördergelder, könnte die Abwärtsbewegung bei den Wasserstoff-Unternehmen erstmal gestoppt sein. Bei Ballard und Plug Power ist die Unternehmensbewertung immer noch sehr hoch, obwohl die Umsätze kaum steigen oder sogar zurückgehen. Enapter ist da momentan eine echte Ausnahme, da sich dort das Umsatzwachstum immer stärker beschleunigt und man gerade erst damit begonnen hat, den internationalen Vertrieb aufzubauen. Hier könnte Potential vorhanden sein. Als Investor sollte man immer die Bewertung im Blick haben.


Der Autor

Armin Schulz

Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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