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07.06.2021 | 04:29

Pharma-Werte mit Potenzial! CureVac, Cardiol Therapeutics, Formycon, Nanorepro

  • Pharma
  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

In Deutschland starben im Jahr 2019 rund 231.000 Menschen an den Folgen einer Krebserkrankung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, war Krebs damit die Ursache für ein Viertel aller Todesfälle. Dieser Anteil hat sich binnen 20 Jahren kaum verändert, auch wenn die Zahl der Krebstoten seit 1999 um rund 10 % gestiegen ist. Klare Nummer 1 bei den Volkskrankheiten in Deutschland sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie Herzinsuffizienz, koronare Herzerkrankung oder Herzinfarkt. Mit 18,2 Mio. Todesfällen stellten sie im Jahr 2019 weltweit die häufigste Todesursache dar. In Europa sterben jedes Jahr mehr als 4 Mio. Menschen an den Folgen einer solchen Erkrankung, davon sind 1,4 Mio. jünger als 75 Jahre. Die Forschung ist also weiterhin gefragt. Wir blicken auf interessante Vertreter der Branche.

Lesezeit: ca. 5 Minuten. Autor: André Will-Laudien


Cardiol Therapeutics – Meilensteine in der Herzforschung

Die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielfältig und können in beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren unterteilt werden. Zu den naturgegebenen Parametern zählen z.B. Alter, Geschlecht und genetische Veranlagung. Die anderen Einflüsse ergeben sich zwangsläufig aus den Determinanten unseres heutigen Lebens und dazu gehören Bewegungsmangel sowie ein Übermaß an Nahrungsaufnahme. Die daraus entstehenden negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht. Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum sind das I-Tüpfelchen für diesen gefährlichen Trend.

Das kanadische Biotechnologie-Unternehmen Cardiol Therapeutics hat sich auf die Erforschung und Entwicklung von entzündungshemmenden Therapien zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen konzentriert. Hauptprodukt ist eine pharmazeutisch hergestellte Cannabidiol-Verbindung in Kombination mit einem patentierten hochdosierten Wirkstoff, dem CardiolRx™. Der Wirkstoff arbeitet mit der Zielrichtung, entzündliche Herzerkrankungen zu reduzieren, aber auch die körpereigenen Reparaturkräfte des Patienten zu mobilisieren. Leicht geschädigte Herzkranzgefäße lassen sich mit dem Medikament in ihrer Genesung unterstützen, sie können sich sogar im besten Fall wieder vollständig regenerieren.

Eine leidvolle Kombination entsteht, wenn aus einfachen grippalen Infekten zusammen mit stressbedingten Faktoren ernsthafte Herzmuskelentzündungen resultieren, denn die meisten entzündlichen Erkrankungen des Herzens sind auf Virusinfektionen zurückzuführen. Da sich viele Herzleiden aber erst in späten Lebensjahren zeigen, werden ernste Symptome oftmals als altersbedingt unterschätzt und ignoriert. Cardiol Therapeutics will hier Meilensteine in der Forschung setzen und befindet sich mit seinen Studien bereits in der klinischen Phase II/III.

Das Unternehmen konnte jüngst wieder 22 Mio. CAD einwerben, womit die aktuelle Forschungs-Pipeline vollumfänglich finanziert ist. Bei entsprechenden Erfolgsmeldungen kann dies zu einer Vervielfachung der aktuellen Marktkapitalisierung von 130 Mio. CAD führen.

CureVac – Keine Sicherheitsbedenken beim neuen Impfstoff CVnCOV

Während nun seit einigen Monaten mehrere Impfstoffe verfügbar sind, werden für die Zulassung des Vakzins des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac weiter Daten gesammelt. Sie sollen nach wie vor noch im Juni vorliegen, damit das rollierende Zulassungsverfahren mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA finalisiert werden kann.

Grund für die langen Tests sind die zunehmenden Veränderungen der aktuell bekannten Virusformen. Denn während vor einigen Monaten noch das Corona-Virus in seiner Ursprungsform dominierend war, wird die Pandemie jetzt vor allem von den deutlich gefährlicheren Mutationen beherrscht. Damit wird der Impfstoff von CureVac natürlich auch auf die Wirksamkeit gegen eben diese Mutationen geprüft.

Doch ein erstes Zwischenergebnis macht Mut, dass CureVac die Zulassung nun zeitnah erhält. Denn wie die unabhängige Prüfungskommission DSMB nun bescheinigte, bestehen gegen den Wirkstoff CVnCOV keinerlei Sicherheitsbedenken. Einzig die Datenmenge ist noch zu gering, um signifikante Aussagen zu treffen und verhindert damit die Zulassung durch die EMA.

Nach dem satten Anstieg im November 2020 um 190%, befindet sich die Aktie derzeit in der Korrektur. Der Höchststand aus Dezember 2020 bei 120 EUR konnte bislang nicht wieder erreicht werden. Verläuft der Aktienkurs weiterhin seitwärts, trifft dieser bald auf den kurzfristigen Aufwärtstrend aus März 2021. Bricht der Aufwärtstrend, droht Ungemach denn dann nimmt die Aktie Kurs auf die Unterstützung bei rund 73 EUR.

Formycon – Hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

In der Bilanz des Münchner Biotech-Unternehmens Formycon steckt nach wie vor sehr viel Geld für Forschung und Entwicklung. Für das Jahr 2020 erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 34,3 Mio. EUR gegenüber 33,2 Mio. EUR im Jahr zuvor. Der Betriebsverlust hat sich dabei von 2,3 auf 5,7 Mio. EUR erhöht. Unter dem Strich blieb ein Jahresverlust von 5,9 Mio. EUR, dieser liegt aber im Zielkorridor der Gesellschaft. Die Ausstattung mit liquiden Mitteln beziffert man mit mehr als 49 Mio. EUR.

Das Biotech-Unternehmen aus Martinsried ist sich klar, dass wesentliche Fortschritte in der Bekämpfung moderner Krankheiten nicht vom Himmel fallen, sondern lange Test- und Entwicklungsphasen mit sich bringen. Formycon hat im Geschäftsjahr 2020 entsprechend seiner Wachstumsstrategie stark in die Weiterentwicklung der eigenen Pipeline investiert. Dabei wurde neben dem aussichtsreichen COVID-19-Medikament (FYB207) vorwiegend der bisher noch unveröffentlichte und unverpartnerte Biosimilar-Kandidat FYB206 vorangetrieben.

Die in-vitro-Neutralisierung von SARS-CoV-2-Varianten durch FYB207 zeigt, dass der Wirkstoff gegen die als besonders ansteckend geltende B.1.1.7 Mutante des Virus eine noch stärkere Wirkung entfaltet als gegen frühere Varianten. Das sind super Nachrichten im Kampf gegen die Pandemie. Die Formycon-Aktie hat eine lange Konsolidierung an der 60 EUR-Marke hinter sich gebracht. Das Kursverhalten der letzten Tage sieht so aus, als würde nun ein neuer Ausbruch anstehen. Die bisherige Höchstmarke geht mit 79,8 EUR auf den Februar 2021 zurück.

Nanorepro – Die Luft ist erst mal raus

Die NanoRepro AG hat seit Aufkommen der Pandemie eine unglaubliche Entwicklung hingelegt. Vor einem Jahr stand die Aktie noch zwischen 1 und 3 EUR, zwischenzeitlich hypte der Kurs auf 22,4 EUR. Grund für die Euphorie waren die Großaufträge für COVID-19-Tests, die Nanorepro in schneller Abfolge an Land ziehen konnte. Anfangs war die Nachfrage so groß, dass das Unternehmen die Logistik nicht schnell genug auf das hereinbrechende Geschäft ausrichten konnte. Allerdings hat sich das Blatt im Markt für Selbsttests gedreht. Aktuell dominiert in den Supermärkten ein für alle erkennbarer Preisverfall, bei großen Ketten bekommt man die Tests sogar schon zum Einkauf kostenlos als Zugabe. Anfang März waren diese Tests noch beim Einräumen in die Regale bereits vergriffen.

Auf Basis der bisherigen Planungen bei den B2B-Corona-Antigen-Schnelltests und der Partnerschaft mit Viromed erwartet Nanorepro für dieses Jahr einen Umsatz von mindestens 250 Mio. EUR, macht dies aber von der politischen Lage um die Pandemie abhängig. Derzeit arbeitet man zusammen mit einem renommierten deutschen Forschungsinstitut mit Hochdruck an der Entwicklung eines Antikörper-Tests, der die Immunität nach einer Corona-Impfung überprüft, denn über den Impferfolg kann der herkömmliche Antikörper-Test in der Regel keine Auskunft geben.

Die Vorstandschefin Lisa Jüngst lässt in aktuellen Interviews keinerlei Zweifel daran, dass man auch ohne Corona genauso erfolgreich weiterarbeiten wird. Der momentane Trend der Aktie zeigt aber ein anderes Bild. Starke Gewinnmitnahmen und hohe Umsätze drückten den Kurs allein in den letzten 6 Wochen um weitere 50% nach unten, vom Top fehlen aktuell schon ganze 75%. Sollten die Erwartungen des Managements aber doch noch eintreten, ist Nanorepro mit einem KGV von 2 bis 3 viel zu billig.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

Mehr zum Autor


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André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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