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27.10.2020 | 04:50

Pfizer, GlaxoSmithKline, EXMceuticals – Forschung um die Wette

  • Gesundheit
Bildquelle: pixabay.com

Bis zum Ende 2020 wird sich der Arzneimittelmarkt voraussichtlich auf 1,3 Bio. USD mehr als verdoppeln, wobei die E7-Länder - Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und die Türkei - etwa ein Fünftel des weltweiten Arzneimittelumsatzes auf sich vereinen werden. Darüber hinaus wird die Inzidenz chronischer Erkrankungen in den Entwicklungsländern zunehmend denen in den Industrieländern ähneln. Es deutet viel darauf hin, dass das derzeitige Geschäftsmodell der pharmazeutischen Industrie sowohl wirtschaftlich nicht tragfähig als auch operativ nicht in der Lage ist, schnell genug zu handeln, um die Arten innovativer Behandlungen herzustellen, die von den globalen Märkten nachgefragt werden. Zur optimalen Nutzung zukünftiger Wachstumschancen, muss die Industrie ihre Arbeitsweise grundlegend ändern. Die Unternehmensberater von PwC erwarten für die Branche, dass das Gesundheitswesen seinen Schwerpunkt von der Behandlung auf die Prävention verlagern muss. Das traditionelle Blockbuster-Verkaufsmodell wird verschwinden und ausgeklügelte Direktvertriebskanäle werden die Rolle der Großhändler schmälern. Wir schauen mal genauer nach.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: André Will-Laudien
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Pfizer – Alzheimer auf dem Plan

Durch Viagra auf der ganzen Welt bekannt! Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer Inc. ist ein forschungsbasiertes globales biopharmazeutisches Unternehmen. Es beschäftigt sich mit der Entdeckung, Entwicklung und Herstellung von Gesundheitsprodukten. Sein globales Portfolio umfasst Medikamente, Impfstoffe und Präparate für die therapeutischen Bereiche innere Medizin, Onkologie, Entzündung und Immunologie, seltene Krankheiten und Verbrauchergesundheitspflege.

Zu seinen bekanntesten Marken gehören Prevnar 13, Xeljanz, Eliquis, Lipitor, Celebrex, Pristiq und Viagra. Nun wird gemeldet, dass man das Thema Alzheimer zusammen mit IBM angehen möchte. Forscher der beiden Unternehmen entwickelten ein auf künstlicher Intelligenz basiertes System zur Erkennung von Sprachdaten, um vorherzusagen, ob eine Person mit hoher Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken würde, so eine Pressemitteilung vom Donnerstag.

Die zugrundeliegende Studie untersuchte Rechtschreibfehler, die Verwendung von Interpunktion, Wiederholung, Objektbenennung und das Gedächtnis in größeren Testreihen. Hoffentlich ein gewinnbringender Ansatz zur Früherkennung – auch wenn ein Medikament immer noch auf sich warten lässt. Die Gesellschaft hat einen Marktwert von 179 Mrd. EUR und kündigte für den 01.12.20 die Auszahlung der 328. Quartalsdividende an. Pfizer ist ein Standardwert im Gesundheitsbereich.

GlaxoSmithKline – Seit Monaten schwach auf der Brust

GlaxoSmithKline PLC (GSK) ist ein Konkurrent von Pfizer, ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen, ansässig in Großbritannien. Die Spannung ist in dieser Woche recht groß, denn GSK wird am 28. Oktober die Ergebnisse des dritten Quartals 2020 vorlegen. Im letzten Bericht lieferte das Unternehmen eine negative Gewinnüberraschung, die Aktie ging in der Folgezeit um 20% auf Talfahrt.

Die Wiedereröffnung der großen Volkswirtschaften im Mai dürfte dem Unternehmen geholfen haben, sich von einigen der durch COVID-19 verursachten Störungen zu erholen. Im dritten Quartal dürfte das Umsatzwachstum von Glaxo vom erfolgreichen Pharma- und Selbstmedikations-Segment getragen worden sein, die Impfstoffverkäufe dürften schwach bleiben. Die ganze Welt wartet auf einen Impfstoff gegen COVID-19, Glaxo als Pharmariese gehört nicht zu den Frontrunnern im Immunbereich wie andere, spezialisierte Biotech-Unternehmen.

In der Zwischenzeit könnten die Auswirkungen von Advair-Generika und der zunehmende Wettbewerb im HIV-Segment den Umsatz beeinträchtigt haben. Wir sind sehr gespannt, die Aktie steht seit Januar schon unter Druck trotz ansehnlicher Dividendenrendite von 5,8%. Die Marktkapitalisierung beträgt 75 Mrd. EUR, das ist weniger als die Hälfte von Pfizer. Vielleicht kommt es hier auch mal zu einer Zeitenwende für die Briten – Brexit hin oder her!

EXMceuticals – Dem Virus auf der Spur

EXMceuticals Inc. ist ein medizinisches Cannabisunternehmen, das fest an den potenziellen Gesundheits- und Wellness-Anwendungen von Hanf glaubt. EXM ist ein aufstrebender Akteur auf diesem Markt, der große Ambitionen hat, ein Großproduzent von hochwertigem EU-GMP-Cannabis und Hanf-Inhaltsstoffen zu werden. Angebaut wird in der Nähe von Lissabon, dort steht eine Extraktions- und Raffinerieanlage von Weltklasse, die auf die Herstellung von Cannabismaterial in Active Pharmaceutical Ingredients-Qualität (API) ausgerichtet sein wird.

Das betriebsbereite, ausgestattete, lizenzierte und mit Personal ausgestattete Cannabislabor von EXM wurde kürzlich von der Europäischen Union und der portugiesischen Regierung mit einem COVID-19-Zuschuss für Forschung und Entwicklung ausgezeichnet, der einen Meilenstein für das Unternehmen darstellt. Ein Konsortium unter der Leitung von EXMceuticals Portugal Lda, das unter dem Projektnamen "BioBlockCOVID" operiert und aus EXMceuticals Portugal Lda, Cosmetek Lda und der Universiade de Coimbra besteht, hat vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der portugiesischen Regierung einen Zuschuss von 302.000 EUR erhalten, um Desinfektionsmittel zur Bekämpfung von SARScoV-2, dem Virus, der COVID-19 verursacht, weiter zu untersuchen und zu entwickeln.

EXMceuticals befindet sich in der letzten Phase der Detailplanung für eine pharmazeutische Standardanlage im industriellen Maßstab in Portugal, die das bestehende Forschungs- und Entwicklungslabor und die Pilotraffinerie ergänzen wird. In Setubal, südlich von Lissabon, wurde ein bereits ein passendes Grundstück gesichert, das noch auf die API-Standards der Europäischen Union umgerüstet werden muss. Nach dessen Fertigstellung wird die Anlage Extraktions-, Reinigungs- und Raffinierungskapazitäten sowie ein F&E-Labor enthalten. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Anlage in Setubal nach ihrem Bau die größte Anlage zur Weiterverarbeitung von Cannabinoiden und Terpenen in der Europäischen Union sein wird. Man sollte sich den spekulativen Wert mit einer denkbar kleinen Kapitalisierung von etwa 14 Mio. CAD näher ansehen – denn die niedrige Bewertung ruft mögliche Aufkäufer auf den Plan.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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