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07.07.2022 | 05:55

Überraschung bei BioNTech und was machen Valneva und NervGen?

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Bildquelle: pixabay.com

Überraschung bei BioNTech: Konkurrent Curevac verklagt das Mainzer-Biontechunternehmen aufgrund angeblicher Patentverletzungen. Konkret geht es um den Corona-Impfstoff von BioNTech. Dieser basiert auf der mRNA-Technologie. Curevac Gründer Ingmar Hoerr wiederum gilt als Entdecker dieser neuen Impftechnik. Curevac war allerdings mit der Entwicklung des eigenen Corona-Impfstoffs gescheitert. Auch Valneva hatte mit dem eigenen Corona-Impfstoff kein Glück. Doch scheint man über eine attraktive Produkt-Pipeline zu verfügen. Dennoch ist die Euphorie über den Einstieg des US-Pharmakonzerns Pfizer verflogen. Anders bei NervGen: Nach Ansicht von Experten könnte NervGen mit NVG-291 im Kampf gegen Alzheimer der größte Erfolg seit Jahrzehnten gelingen. Morgen soll eine Kapitalerhöhung abgeschlossen werden und der Kurs wieder an Dynamik gewinnen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: NERVGEN PHARMA CORP | CA64082X2032 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , VALNEVA SE EO -_15 | FR0004056851 , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035

Inhaltsverzeichnis:


    NervGen: Gelingt der Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer?

    Das klingt spannend: Mit einem Medikament Nervenschäden bei unterschiedlichsten Krankheitsbildern wie Rückenmarksverletzungen, Multipler Sklerose oder Alzheimer behandeln. Dies ist das Ziel von NervGen Pharma. Dazu entwickelt das kanadische Unternehmen derzeit das Präparat NVG-291. Zuletzt hatte man die Genehmigung erhalten, die dritte und höchste Dosis in der klinischen Studie zu verabreichen. Damit kann im zweiten Halbjahr die Phase-1b/2a zur Wirksamkeit bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit und Rückenmarksverletzungen starten. Anfang 2023 soll auch die Phase-2-Studie bei Patienten mit Multipler Sklerose beginnen. Zur Finanzierung wird derzeit eine Kapitalmaßnahme mit einem Bruttoemissionserlös von rund 15 Mio. USD durchgeführt. Sollte sie wie geplant morgen abgeschlossen sein, könnte der Aktienkurs neue Dynamik erhalten. Dazu sollte auch der geplante Börsengang von NervGen an die NASDAQ beitragen. Dieser soll noch im laufenden Jahr erfolgen.

    Zum Hintergrund: Bisher können die vorhandenen Medikamente nur das Ausmaß der Nervenschäden begrenzen oder eindämmen. Bei Alzheimer können die bestehenden medikamentösen Therapien das Fortschreiten der Krankheit nur geringfügig verlangsamen. Dies ist weder für die Betroffenen noch für deren Angehörige ein Trost. Nach Ansicht von Experten könnte NervGen mit NVG-291 im Kampf gegen Alzheimer der größte Erfolg seit Jahrzehnten gelingen. Entsprechend groß ist das Potenzial: Allein in den USA gibt es etwa 6 Mio. Alzheimer-Fälle und darüber hinaus 900.000 Patienten mit Multiple Sklerose sowie 300.000 chronische Patienten mit Rückenmarksverletzungen. Alle Krankheiten haben gemeinsam, dass Nerven geschädigt werden und der Körper mit Vernarbung reagiert, um den Schaden einzudämmen. Allerdings hemmen die Narben die körpereigene Fähigkeit zum Nachwachsen und zur Regeneration des zentralen Nervensystems. Sollten die kommenden Studienergebnisse zu NVG-291 ebenfalls erfolgreich sein, stehen die Chancen gut, dass die NervGen-Aktie nicht mehr unter ihrem Jahreshoch von 1,87 EUR notieren. Derzeit notiert die Aktie bei rund 1,44 EUR.

    BioNTec: Klage von Curevac bereichtigt?

    Damit hatten wohl nur die wenigsten gerechnet: Das mit seinem Corona-Impstoff gescheiterte Unternehmen Curevac verklagt BioNTech. So wurde eine Klage beim Landgericht Düsseldorf wegen Patentverletzungen eingereicht. Dabei geht es um die mRNA-Technologie und somit um den Corona-Impfstoff Comirnaty von BioNTech. Aus Sicht von Curevac hat BioNTech dabei einige Patente verletzt beispielsweise bei der Herstellung von mRNA-Molekülen. Daher verlangt Curevac eine angemessene Entschädigung für eine Verletzung geistiger Eigentumsrechte. BioNTech wies die Vorwürfe. Das Mainzer-Biotechunternehmen teilte mit, dass man valide geistige Eigentumsrechte respektiere. Die Arbeit von BioNTech sei „originär“, man werde sie daher entschieden gegen alle Anschuldigungen der Patentverletzungen verteidigen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass andere Pharmaunternehmen im Zuge des Erfolgs des Biontech-Impstoffs nun behaupteten, der Impfstoff verletze möglicherweise ihre geistigen Eigentumsrechte. Analysten haben sich zu dem Streit noch nicht geäußert. Zuletzt hatte BioNTech auf einer virtuellen Konferenz ein Update zur laufenden Entwicklungsarbeit gegeben. Daraufhin hatte die Deutsche Bank das Kursziel von 180 USD für die BioNTech-Aktie bestätigt. Derzeit notiert sie bei rund 150 USD. BioNTech habe auf der Veranstaltung eine Vision für eine Zeit nach der Corona-Pandemie dargelegt. Dabei sei sehe der Onkologiebereich vielversprechend aus, so die Analysten.

    Valneva: Euphorie verflogen?

    Valneva-Aktionäre benötigen derzeit starke Nerven. Nachdem sich die Aktie im Juni zwischenzeitlich verdoppelt hatte, ging es in den vergangenen Tagen wieder kräftig nach unten. Zunächst hatte ein Deal mit Pfizer Anleger elektrisiert. Konkret sieht die Vereinbarung vor, dass sich der US-Pharma-Konzern mit 8% an Valneva beteiligt und dafür rund 90,5 Mio. EUR zahlt. Darüber hinaus wurden Meilensteinzahlungen vereinbart. Der Einstieg erfolgt aufgrund des Lyme-Borreliose-Impfstoffkandidaten mit Blockbuster-Potenzial. Valneva will mit der Phase-3-Studie im dritten Quartal 2022 beginnen. Im Anschluss hatte sich die Aktie innerhalb weniger Tage auf fast 15 EUR verdoppelt. Doch dann setzte die Ernüchterung ein. Bis Anfang Juli ging es mit der Aktie kurzfristig unter die Marke von 10 EUR zurück. Derzeit notiert sie bei 11 EUR. Damit ist der Chart wieder deutlich angeschlagen. Nicht auszuschließen, dass die Aktie in einem schwachen Marktumfeld die alten Tiefststände zwischen 7 und 8 EUR testen wird. Positive operative News für eine nachhaltige Kurserholung sind derzeit nicht absehbar.


    Biotech-Investoren brauchen traditionell starke Nerven und Geduld. Die Börse sieht die Klage von Curevac derzeit gelassen und auch Analysten haben ihre Meinung zu BioNTech bisher nicht geändert. Bei NervGen könnte nach dem erfolgreichen Abschluss der Kapitalmaßnahme ein spannendes zweites Halbjahr bevorstehen. Bei Valneva scheint erstmal wieder die Luft raus zu sein.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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