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17.09.2021 | 04:44

NEL, Royal Helium, Linde, BASF – Hier wird es höchst explosiv!

  • Technologie
  • Wasserstoff
  • Helium
Bildquelle: pixabay.com

Wie wird sich die Energiewende in Europa darstellen? Mit dem Wasserstoff ist das so eine Sache. Er ist sehr teuer in der Herstellung, wenn man das Thema nachhaltig betrachtet. Der Rohstoff an sich gilt als alternativer Baustein einer grünen Zukunft und könnte sich Experten zufolge in den kommenden Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Energieträger entwickeln. Das Aggregat Wasser ist zwar umfangreich vorhanden, was allerdings fehlt, ist eine wirklich umweltfreundliche Art und Weise für die Rückumwandlung in Wasserstoff und Sauerstoff. Selbst unter besten Bedingungen kostet die Produktion von grünem Wasserstoff etwa 10mal so viel wie russisches Erdgas, welches insgesamt auch noch ziemlich sauber verbrennt. Wie geht es in diesem Sektor weiter?

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: André Will-Laudien
ISIN: ROYAL HELIUM LTD. | CA78029U2056 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , LINDE PLC EO 0_001 | IE00BZ12WP82


Nel ASA – Das sieht charttechnisch gefährlich aus

Die hohen Herstellungskosten sind einer der Hauptgründe dafür, weshalb bislang in noch keinem Land der Welt eines der visionären H2-Konzepte großflächig umgesetzt werden konnte. Deutschland will dies zukünftig ändern und stellt mit einem 700 Mio. EUR schweren Förderprogramm erste Mittel bereit, ein wirkliches Commitment zu dieser neuen Technologie ist es aber nicht.

Bis 2030, so sehen es die Pläne vor, sollen hierzulande H2-Erzeugungskapazitäten von bis zu fünf Gigawatt entstehen - das wären 50-mal mehr als die verfügbaren 100 Megawatt heute. Ob der Wasserstoff tatsächlich der Problemlöser der sauberen energetischen Zukunft ist, bleibt fraglich, denn die Gesamteffizienzrechnung inklusive der Wirkungsgrad-Analyse ist nach wie vor negativ.

Nel ASA, einer der großen Protagonisten in Sachen Wasserstoff, bekommt die Skepsis der Märkte aktuell zu spüren. Seit dem großen Wasserstoff-Hype zu Anfang des Jahres ist die Aktie im Abstieg begriffen. Das Wachstum der Aufträge kann mit der strammen Bewertung einfach nicht schritthalten. Seit dem Allzeithoch bei rund 3,40 EUR hat der Kurs nun über 65% korrigiert, sollte die Linie bei 1,30 EUR nachhaltig unterboten werden, sind auch schnell 1,00 EUR denkbar. JP Morgan Chase hat die Aktie Mitte August auf „Underweight“ gesetzt, deren Kursziel von 15 NOK wurde aber schon unterschritten.

Royal Helium – Neue Bohrergebnisse aus Climax-4

Weg vom Wasserstoff hin zu Helium. Die kanadische Royal Helium Ltd. (RHC) konzentriert sich auf die Exploration und Entwicklung eines größeren Projekts zur Heliumproduktion in Süd-Saskatchewan. Mit über 400.000 Hektar aussichtsreicher Flächen, die im Rahmen von Genehmigungen und Pachtverträgen gehalten werden, ist RHC einer der größten Helium-Produzenten in Nordamerika. Kanada besitzt die fünftgrößten Heliumreserven der Welt und rückt immer stärker ins Rampenlicht der internationalen Technologie-Produzenten.

Aus der Climax-4 Liegenschaft gibt es jetzt gute Ergebnisse zu berichten. Man hat nun einen Bohrtiefe von 2.701m hinter sich gebracht. Das Abschlussprogramm ist im Gange und umfasst die Analyse der entnommenen Kernproben und Bohrstammtests (DST), die über einen kontinuierlichen Abschnitt von 120m durchgeführt werden. In der ursprünglichen Regolith-Zone wurden Durchflussprüfungen durchgeführt, sie lieferten die bisher höchsten und beständigsten Heliumwerte im gesamten Climax-Block. Die neue Bezeichnung dieses Gebiets ist nun Climax-Nazare.

Aufgrund der erweiterten Testarbeiten werden die Fertigstellung und Analyse voraussichtlich weitere 30 bis 45 Tage in Anspruch nehmen. Für die Gebiete bei Ogema als auch bei Bengough im Südosten von Saskatchewan werden die Bohrtermine zeitnah bekannt gegeben, sobald die behördlichen Genehmigungen erteilt wurden. Eine erste Kerninspektion ergab, dass es sich bei der neu entdeckten Zone nicht um eine echte Regolith-Zone handelt, sondern um eine dicke Abfolge von zwischengelagerten Metasediment- und Eruptivgesteinen, die in diesem Gebiet bisher unbekannt waren. Gastests, DSTs und Drucktests am Boden des Bohrlochs zeigen, dass diese Sequenz gasbeladen ist mit konsistenten Heliumnachweisen. Die DSTs in Climax-4 zeigen eine Zone von etwa 70m mit Helium, die 80% dicker ist als die in Climax-3 gefundene. Aufgrund der positiven Aussichten forciert das Management seine Anstrengungen auf insgesamt 30 Quadratmeilen.

Die RHC-Aktie wurde zuletzt wegen ihrer starken Entwicklung seit Januar etwas niedriger gehandelt. Der aktuelle Kurs von 0,46 CAD spiegelt bereits eine Korrektur von 50% wider. Mit einer Bewertung von 65 Mio. CAD hat die Gesellschaft nun wieder riesiges Potenzial, denn das Projekt entwickelt sich weiterhin dynamisch nach vorne.

Linde und BASF – Die Standardwerte für industrielle Rohstoffe

Wer in der erweiterten Peergroup der Standardwerte sucht, stößt im Bereich Industriegase und Rohstoff-Derivate sehr schnell auf die deutschen Giganten Linde und BASF. Sie haben eine gute Indikator-Funktion für die konjunkturelle Entwicklung, denn ihre Vorprodukte sind wichtig für die Hersteller von hochtechnologischen Erzeugnissen.

Linde wurde durch die Fusion mit der ebenfalls von Carl von Linde gegründeten und im Ersten Weltkrieg konfiszierten US-amerikanischen Konkurrenten Praxair zum Weltmarktführer für Industriegase und Prozessanlagen vor dem französischen Konkurrenten Air Liquide. Der Sitz ist nun in Dublin, das Unternehmen bleibt aber DAX-Mitglied. Die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) geht auf das Jahr 1865 zurück und ist wie Linde auch ein Gründungsmitglied der DAX-Familie.

Sowohl Linde als auch BASF konnten mit Plus 27% bzw. 20% in den letzten 12 Monaten hervorragend performen. Das zeigt die Robustheit der völlig fehleingeschätzten industriellen Nachfrage seit Ausbruch der Pandemie. Interessant gibt es jedoch auffällige Bewertungsunterschiede. Mit einem Umsatz von 22 Mrd. EUR ist die Linde plc mit einem KUV von 5,5 viel höher bewertet als die BASF mit einem KUV von 0,8. Auch im Vergleich von KGV (30 zu 10) und Dividendenrendite (1,5% zu 5,3%) sprechen die Zahlen eindeutig für ein Investment in BASF. Der große Unterschied liegt in der Rentabilität. Die EBIT-Margen liegen bei Linde im Bereich von 24-27% und im Fall von BASF lediglich bei 8-10%. Noch eine markante Auffälligkeit: Die Marktkapitalisierung von Linde ist doppelt so hoch wie bei BASF, nämlich stattliche 137 gegenüber 61 Mrd. EUR.

Beide Unternehmen sind grundsolide, BASF ist insgesamt zyklischer und trägt somit einen höheren Risikoabschlag in sich. Linde wird als dynamischer und konjunkturresistenter angesehen. In einem Umfeld, das von Knappheit geprägt ist, dürften aber beide Werte mittelfristig weiterlaufen. Technisch könnte bei Linde eine Korrektur anstehen, BASF läuft seit einigen Monaten seitwärts.


Die hier vorgestellten Werte zeigen ein schönes Abbild für den Zustand der Industriewerte. Die Corona-Pandemie führte in gewissen Sektoren zu absoluten Knappheitspreisen, das bewirkte hohe Aufschläge in den Einkaufspreisen. Gase sind in technologischen Prozessen unerlässlich, das trifft insbesondere auf das knappe Helium zu. Deswegen sollten man die kanadische Royal Helium Ltd. immer auf dem Radar haben.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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