Menü

09.07.2021 | 05:10

Nel ASA, Deutsche Rohstoff AG, Royal Dutch Shell – Flexibilität zahlt sich aus

  • Rohstoffe
  • Öl
Bildquelle: pixabay.com

Glaubt man der allgemeinen Berichterstattung, haben fossile Brennstoffe langfristig keine Zukunft. Die Ablösung durch erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserkraft oder Photovoltaik scheint beschlossene Sache. Wann und ob die „grüne Wende“, wie Sie von der Politik geplant ist, eintritt, steht noch in den Sternen. Zu viele offene Baustellen besitzen die neuen Technologien, denkt man nur an die schwache Infrastruktur bei den E-Ladesäulen. Bis dahin dürfte die Nachfrage nach Treibstoffen wie Benzin und Diesel für die Autos mit Verbrennungsmotoren weiterhin auf hohem Niveau bleiben, zum Gefallen der Öl-Produzenten.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Stefan Feulner
ISIN: DT.ROHSTOFF AG NA O.N. | DE000A0XYG76 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29


Deutsche Rohstoff AG – Starke Performance

Die Pumpen laufen auf Hochtouren, die Gewinne sprudeln stärker als erwartet. Die Deutsche Rohstoff AG glänzte im vergangenen Jahr während des Öl-Crashs aufgrund des Ausbruchs der Corona-Pandemie mit ihrer flexiblen Anlagepolitik, die sich weiterhin in bare Münze auszahlt. Bei der Verkündung der vorläufigen Zahlen konnten die Mannheimer einen Konzernüberschuss von 17,5 Mio. EUR aufweisen. Der Umsatz belief sich auf 38,3 Mio. EUR, das EBITDA lag bei 39,9 Mio. EUR nach 15,8 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum.

Durch das weit über Plan liegende erste Halbjahr wurden Prognosen sowohl beim Umsatz als auch beim EBITDA für die Gesamtjahr 2021 und 2022 deutlich nach oben revidiert. Ursprünglich plante die Mannschaft um den CEO Dr. Thomas Gutschlag mit einer Umsatzspanne zwischen 57 Mio. EUR und 62 Mio. EUR. Nun strebt man Erlöse zwischen 68 Mio. EUR und 73 Mio. an, 2022 könnten es sogar bis zu 75 Mio. EUR werden. Auf EBITDA-Seite waren zwischen 42 Mio. EUR und 47 Mio. EUR geplant. Aktuell strebt die Deutsche Rohstoff AG 57 Mio. EUR bis 62 Mio. EUR an. 2022 könnten es im besten Fall bis zu 52 Mio. EUR werden.

Der Schwerpunkt des Unternehmens, die Öl- und Gasproduktion in den USA, lag bereits Ende Mai mit 1.210.000 BOE mit rund 16% über den Prognosen. Auch beim Knight-Bohrplatz läuft alles nach Plan, sodass der Termin zur Aufnahme der Produktion im vierten Quartal bestehen bleibt. Zudem liefert das Wertpapierportfolio, das zu Zeiten des Corona-Crashs mit Öl- und Gas sowie Goldaktien deutlich ausgebaut wurde, weiterhin positive Erträge. Allein in den Monaten von April bis Juni konnten hier Gewinne in Höhe von 3,0 Mio. EUR realisiert werden, auf der unrealisierten Gewinnseite bleiben immer noch 6,4 Mio. EUR stehen.

Neben dem Wertpapierportfolio schlummert noch eine weitere „stille Reserve“ im Anlagevermögen. Mit einem Anteil von 12,8% ist man an Almonty Industries beteiligt. Das Unternehmen errichtet die größte Wolframmine der Welt in Südkorea und zeichnet bei Vollproduktion für 50% der weltweiten Wolfram-Versorgung außerhalb Chinas verantwortlich. Ende Mai wurde der Spatenstich vorgenommen, das Financial Closing wird zeitnah erwartet. Ein Abnahmevertrag über einer Abnahme der Wolframkonzentrate wurde mit der österreichischen Plansee-Gruppe für einen Zeitraum von 15 Jahren geschlossen.

Das Management der Deutsche Rohstoff AG hat in den vergangenen Monaten sowohl ihr langjähriges Know How als auch Flexibilität bei Handelsentscheidungen unter Beweis gestellt. Mit einer prallgefüllten Kasse (die Summe aus Barmitteln, kurzfristigen Forderungen sowie Wertpapieren des Anlage- und Umlaufvermögens stieg per Ende Mai auf rund 70 Mio. EUR), werden nun weitere Akquisitionsziele identifiziert. Der Investmentfokus dürfte hier auf kritischen Metallen rund um das Boom-Thema Elektromobilität wie zum Beispiel Kupfer und Lithium liegen. Der Weg der Deutsche Rohstoff AG ist noch nicht zu Ende!

Royal Dutch Shell – Transformation am Laufen

Spätestens die richterliche Anordnung aus Den Haag zwingt Europas größten Ölkonzern zum Umdenken. Demnach fordert das Gericht, die den Treibhausgas-Austoß bis 2030 zu halbieren. Bereits vor dem Entscheid plante der britisch-niederländische Öl-Gigant seinen Fokus auf nachhaltigen Strom, Biokraftstoffe und Wasserstoff zu legen. Nun wurde bekannt, dass Shell mit Uniper bei der Produktion und Nutzung von Wasserstoff enger kooperieren will.

Eine der wichtigsten Punkte ist, die notwendige Infrastruktur für den großvolumigen Transport von Wasserstoff von den Häfen Rotterdam und Wilhelmshaven nach Nordrhein-Westfalen (NRW) zu schaffen. Kern der Kooperation soll zudem die ehemalige Rheinland-Raffinerie werden. Diese wandelt Shell in einen Chemie- und Energiepark um. Bereits in der vergangenen Woche wurde dort ein 10-MW-PEM-Elektrolyseur zu Herstellung von grünem Wasserstoff in Gang gesetzt. Die Kapazität soll mit Hilfe von Partnern auf 100 MW erweitert werden.

Nel ASA – Wichtige Marke

Nach dem Ausbruch aus dem seit Monaten laufenden Seitwärtstrend bei 1,80 EUR, schickte sich die Aktie des norwegischen Wasserstoffspezialisten Nel ASA an, die 2 EUR-Marke hinter sich zu lassen und die wichtige 200-Tagelinie zu durchbrechen. Dieser Versuch scheiterte jedoch beim ersten Mal kläglich. Das Unterschreiten der jetzt starken Unterstützung bei 1,80 EUR würde einen nochmaligen Test des Jahrestiefs im Bereich um 1,60 EUR bedeuten. Ein Kaufsignal würde sich wieder beim Durchbruch über die 2 EUR-Marke ergeben.


Auch wenn den Erneuerbaren Energien zweifelsohne die Zukunft gehört, wird der Bedarf an fossilen Energieträgern wie Öl und Gas noch für eine lange Zeit vorhanden sein. Wer flexibel reagieren kann, zählt, wie die Deutsche Rohstoff AG zu den Gewinnern. Die Ölriesen stehen vor einer gigantischen Transformation, das Ziel ist aktuell noch nicht vorhersehbar.


Der Autor

Stefan Feulner

Mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung und ein breit gestreutes Netzwerk kann der gebürtige Franke vorweisen. Seine Leidenschaft gilt dem Analysieren verschiedenster Geschäftsmodelle und dem Durchleuchten neuer Trends.

Mehr zum Autor



Interessenskonflikt & Risikohinweis

Gemäß §34b WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH ggf. Aktien der genannten Unternehmen halten oder auf fallende Kurse setzen und somit ggf. ein Interessenskonflikt besteht. Die Apaton Finance GmbH hat ggf. eine entgeltliche Auftragsbeziehung mit dem Unternehmen, über die im Rahmen des Internetangebots der Apaton Finance GmbH sowie in den sozialen Medien, auf Partnerseiten oder in Emailaussendungen berichtet wird. Näheres regelt unser Interessenskonflikt & Risikohinweis.


Weitere Kommentare zum Thema:

Kommentar von Armin Schulz vom 12.07.2021 | 05:20

Aspermont, ProSiebenSat.1 Media, Cliq Digital – Wie kann man von der Digitalisierung der Medienunternehmen profitieren?

  • Medien
  • Rohstoffe
  • Fernsehen
  • Aspermont
  • ProSiebenSat.1 Media
  • Cliq Digital

In Deutschland werden laut einer McKinsey-Studie grade einmal 10% des digitalen Potentials genutzt. Wer nun denkt, dass es sich nur in Deutschland schleppend entwickelt, liegt falsch. Auch wenn die USA mit den Big-Tech Firmen mit 18% laut der Studie führend sind, ist das Potential noch längst nicht ausgeschöpft. Insbesondere für Medienunternehmen ist die Digitalisierung enorm wichtig geworden, da die junge Generation bis zu 90% ihres Contents über das Smartphone konsumiert. 90% dieser Inhalte kommen aus Social Media. Als traditionelles Medienunternehmen mit Print- oder Fernsehinhalten wird es dadurch immer schwieriger die begehrte Zielgruppe zu erreichen. Die einzige Möglichkeit ist die Verzahnung von traditionellem Content mit digitalen Medien. Wir legen heute den Fokus auf drei Medienunternehmen und ihrem Umgang mit dieser Herausforderung.

Zum Kommentar

Kommentar von André Will-Laudien vom 08.07.2021 | 04:08

Explosion bei Baumaterial und Rohstoffen! K+S, Theta Gold Mines, Varta

  • Gold
  • Rohstoffe

Die Preis-Rallye bei wichtigen Rohstoffen geht weiter. Ein akuter Mangel an Baumaterialien hat für teilweise starke Preissteigerungen auf den Baustellen gesorgt. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, verteuerte sich Konstruktionsvollholz im Mai 2021 um 83,3% im Vergleich zum Vorjahresmonat, Dachlatten um 45,7% und Bauholz um 38,4%. Nicht nur die gestiegenen Holzpreise, auch die Stahl- und Industriemetallpreise treiben die Kosten auf dem Bau in die Höhe: Betonstahl in Stäben war im Mai 2021 um 44,3% teurer, Betonstahlmatten kosteten 30,4% mehr als vor einem Jahr. Hauptgründe für die anziehenden Holz- und Stahlpreise dürfte die steigende Nachfrage im In- und Ausland während der Corona-Pandemie sowie die Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen sein. Zum Vergleich: Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte stieg im gleichen Zeitraum um 7,2% – das ist der stärkste Monatsanstieg seit 25 Jahren. Wer sind die Profiteure der Knappheits-Rallye?

Zum Kommentar

Kommentar von Carsten Mainitz vom 07.07.2021 | 05:08

Gazprom, Saturn Oil + Gas, BP – Erstklassige Tradingchancen: Streit in der OPEC lässt Kurse schwanken

  • Öl
  • Gas

Vor wenigen Tagen haben die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und mehrere Kooperationspartner ihre Verhandlungen über künftige Fördermengen ergebnislos abgebrochen. Aufhorchen lässt, dass wie mehrere Nachrichtenagenturen berichteten, kein neuer Sitzungstermin festgelegt wurde. Damit schien es zunächst, dass eine Ausweitung des Öl-Angebots nun erstmal vom Tisch sei und einem weiteren Ölpreisanstieg kurzfristig nichts mehr im Wege stehe. Pustekuchen – jetzt spielen die Märkte eine andere Karte. Marktteilnehmer befürchten durch zu stark steigende Ölpreise einen Anstieg der Inflation. Zudem werden Ängste laut, die OPEC könne zerbrechen. Wir zeigen Ihnen, mit welchen Aktien Sie die derzeitige Volatilität ausnutzen können!

Zum Kommentar