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22.06.2021 | 05:08

MorphoSys, Defence Therapeutics, Formycon – Biotechnologie-Aktien mit großem Potenzial!

  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Seit Unternehmen wie BioNTech, Pfizer oder Moderna im Zuge der Coronapandemie zu zeigen vermochten, wie schnell und sicher mittels neuartiger biotechnischer Verfahren Impfstoffe entwickelt und in Massenproduktion gebracht werden können, sind Biotech-Aktien auch abseits von COVID-19 wieder in der Gunst der Anleger gestiegen. Allerdings bleiben einige Werte hinter den von Experten prognostizierten Kurszielen zurück, bei anderen geht es langsam (wieder) in die richtige Richtung. Im Folgenden drei Werte, die im Verhältnis zum aktuellen Kursniveau glänzende Chancen bieten.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Carsten Mainitz
ISIN: CA24463V1013 , DE0006632003 , DE000A1EWVY8

Inhaltsverzeichnis:


    MorphoSys – Anleger zögern noch, Aktie ist potenzieller Verdoppler

    Das Münchner Unternehmen MorphoSys, das sich mit der Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung innovativer Antikörpertherapien gegen Krebs- und Autoimmunerkrankungen beschäftigt, hat seit der am 2. Juni bekannt gewordenen Übernahmeofferte für das amerikanische Biopharmaunternehmen Constellation Pharmaceuticals bei Anlegern einen schwierigen Stand. So löste das 1,7 Mrd. USD Angebot zunächst einen signifikanten Kursverlust in Höhe von fast 17% aus, nachdem bereits die enttäuschenden Verkaufszahlen seines gerade in den USA gelaunchten Blutkrebsmedikaments Monjuvi im März den Kurs stark gedrückt hatten.

    Erst nach einigen wohlwollenden Einschätzungen von Aktienanalysten und Branchenexperten konnte sich das Papier in Folge wieder leicht erholen. So wiesen jene darauf hin, dass MorphoSys mit den Entwicklungen der Amerikaner, die zum Teil ein sehr deckungsgleiches Spektrum aufwiesen, eine überaus vielversprechende Produktpipeline übernähme. Auch der damit verbundene Einstieg in die Epigenetik biete das Potenzial, die eigenen Entwicklungen zu beschleunigen. Constellations bisher weitest gediehenes Produkt ist Pelabresib, ein Wirkstoff gegen Myelofibrose, eine seltene Form von Knochenmarkkrebs, dem Experten einen erwarteten Spitzenumsatz von 1,7 Mrd. USD p.a. zutrauen. Allerdings wird das Präparat die klinische Phase-3-Studie erst Ende 2022 abschließen. Trotzdem sind sich Experten sicher, dass die Aktie von MorphoSys aktuell zu günstig bewertet ist. Im Mittel liegt das Kursziel bei 110 EUR, die Aktie hat damit nach Einschätzung der Analysten fast ein Verdopplungspotenzial. Anleger mit langem Atem nutzen die aktuelle Kursschwäche zum Kauf.

    Defence Therapeutics – Innovative Antikörpertherapie verspricht Erfolg bei Krebserkrankungen, langfristig auch Impfungen möglich

    Defence Therapeutics ist ein kanadisches Biotechnologie-Unternehmen, das auf Basis seiner proprietären Accum Plattform die Entwicklung der nächsten Generation von Impfstoffen und ADC-Präparaten (ADC = Antibody Drug Conjugates, also die Antikörper-Wirkstoff-Kombination im „Huckepack“-Verfahren) vorantreibt. Dieses Verfahren ist ähnlich dem von BioNTech verwendeten mRNA Verfahren, die in deren COVID-19 Vakzin Comirnaty zum Einsatz kommt und gilt als äußerst vielversprechend in der Krebstherapie. Einer der Gründe dafür ist die gezielte und präzise zu dosierende Wirkstoffabgabe an Tumorzellen, ohne gesundes Gewebe dabei zu belasten.

    Ein von Defence Therapeutics auf Basis seiner Technologie entwickelter Anti-Krebs-Impfstoffkandidat ist AccuVAC-D001. In einer präklinischen Studie wurde im Tierversuch an krebserkrankten Mäusen ein Heilungserfolg von über 70% bei bereits etablierten, soliden Tumoren erreicht. Ein weiterer Wirkstoff im Kampf gegen Brustkrebserkrankungen ist Accum-T-DM1. Die Weiterentwicklung des Blockbuster-Medikaments T-DM1 (Ado-Trastuzumab, Kadcyla®), das seit 2013 bei Patientinnen mit metastasierendem HER2-positivem Brustkrebs zugelassen ist, soll mittels der Accum™-Technologie von Defence Therapeutics eine präzisere intrazelluläre Wirkstoffabgabe ermöglichen. Dazu hat das Unternehmen jüngst eine Kooperation mit dem HUS Comprehensive Cancer Center in Helsinki, Finnland, bekannt gegeben. Das Cancer Center ist das größte und vielseitigste Krebsbehandlungszentrum in Finnland mit internationaler Expertise. Zunächst soll mittels In-Vitro-Versuchen ein optimaler Accum-T-DM1-Kandidat für weitere In-Vivo-Versuche bei an Brust- und Magenkrebs erkrankten Tieren ermittelt werden.

    Langfristig geht das Unternehmen davon aus, dass sich die derzeit 14x drei Wochen lange Behandlungszeit mit T-DM1 bei Brustkrebspatientinnen mittels der Accum-Technologie bei verbesserter Wirksamkeit signifikant verkürzen lassen wird. Für uns ist Defence Therapeutics, das aktuell von der Börse mit rund 270 Mio. CAD bewertet wird, eine der spannendsten neuen Geschichten am Markt. Risikofreudige Anleger können das Papier in Kanada, Frankfurt oder Stuttgart kaufen.

    Formycon – Wann endet die Seitwärtsbewegung?

    Der deutsche Biosimilar-Pionier Formycon hatte nach der Ankündigung der Entwicklung eines COVID-19 Medikamentenkandidaten am Jahresanfang für eine beeindruckende Kursrallye gesorgt. Seit ihrem Höchststand von 79,80 EUR Anfang Februar 2021 hat die Aktie jedoch wieder rund ein Viertel ihres Wertes verloren und scheint seitdem in einer Seitwärtsbewegung um 60 EUR gefangen. Offensichtlich hatten Anleger die langen Entwicklungszyklen bei der Herstellung von Biosimilars unterschätzt. Statt satter Gewinne hat Formycon den Betriebsverlust 2020 von 2,3 Mio. EUR auf 5,7 Mio. EUR erhöht. Das Unternehmen hatte damit seine eigenen Erwartungen jedoch größtenteils erfüllt. Dem Management ist so gesehen kein Vorwurf zu machen.

    Im Gegenteil: das in der Entwicklung befindliche COVID-19 Präparat FYB207 hat sich sogar als besonders wirksam gegen die als hochansteckend geltende B.1.1.7 Mutation des SARS-CoV-2-Virus erwiesen.
    Auch die Forcierung des bisher unveröffentlichten und unverpartnerten Biosimilar-Kandidaten FY206 ist notwendig und richtig. Langfristig wird ein Biosimilar-Hersteller immer einen Großteil seines Budgets in Forschung und Entwicklung investieren müssen.
    Wichtig ist, dass das Unternehmen diese Investitionen alleine stemmen kann. Und da sieht es bei Formycon, die nach eigenen Angaben aktuell über rund 49 Mio. EUR liquider Mittel verfügen, eigentlich ganz gut aus. Für uns bleibt Formycon ein Ankerwert im Depot, der sich langfristig positiv entwickeln wird. Ähnlich fällt das Urteil der Analysten aus, die das Kursziel im Mittel bei 71 EUR verorten.


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    Der Autor

    Carsten Mainitz

    Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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