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27.06.2022 | 04:44

Hier steckt die Lösung: BASF, Nordex, Barsele Minerals – Energiedesaster quer durch Europa

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Bildquelle: pixabay.com

Die Energieversorgung in Europa ist aus Eigenleistung nicht zu bewerkstelligen, viele Komponenten aus dem Energiemix werden seit Jahren importiert. Deutschland ist aber einer der Spitzenreiter im Bereich alternativer Energien. In den ersten vier Monaten des Jahres 2022 wurden hierzulande 174 TWh Strom erzeugt. Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung lag bei hohen 52%. Mit produzierten 90 TWh sind Sonne, Wind & Co. die wichtigsten Quellen. Bei den für die Industrie wichtigen fossilen Primärenergieträgern sieht die Rechnung eher bedrückend aus. Nach der Beendigung des Steinkohleabbaus seit 2019, ist der Industriestandort Deutschland bei Erdöl und Erdgas zu 95% auf Importe aus dem Ausland angewiesen, davon kamen bislang 40% aus Russland. Aus dem aktuellen Blickwinkel ein Desaster. Auf welche Aktien sollten sie jetzt achten?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: BARSELE MINERALS | CA0688921083 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , AGNICO EAGLE MINES LTD. | CA0084741085 , DAMPSKIBSS. NORDEN DK 1 | DK0060083210

Inhaltsverzeichnis:


    Nordex – Immer wieder schlechte Nachrichten

    Eine Lösung für die anstehende Energieknappheit ist sicherlich der weitere Ausbau der alternativen Energiegewinnung. Die Windkraft gehört in Europa neben Wasserkraft und Photovoltaik zu den favorisierten Erscheinungsformen. Nordex ist einer der großen Windanlagenbauer, der Konzern steckt aber in großen Schwierigkeiten. Unterbrochene Lieferketten, Verspätungen in der Erstellung, hohe Rohstoffpreise und eine inflatorische Kostenexplosion haben die Margen einbrechen lassen. In den letzten Quartalen hagelte es eine Gewinnwarnung nach der nächsten. Die Rotorblattfertigung in Rostock soll wegen der hohen Kostenbelastung aufgegeben werden, auch diese Stilllegung und anschließende Verlagerung kostet erst mal viel Geld.

    Ob Nordex das Ruder mittelfristig herumreißen kann, muss angesichts eines wahren Ausverkaufs bei der Aktie langsam bezweifelt werden. Denn wann könnte das politische Umfeld zugunsten Erneuerbarer Energien besser sein, als jetzt? Schnellere Genehmigungsverfahren, punktuelle Standortplanung und Schnelligkeit sind gefragt, denn die Versorgungssicherheit des Standorts Deutschland wird sich in den nächsten zwei Jahren zeigen müssen.

    Die Orderlage ist indes derzeit herausragend. Nordex hat jüngst einen Großauftrag über 63 Megawatt für einen Windpark in Polen an Land gezogen. Wie das Unternehmen mitteilte, soll es elf Anlagen für den Windpark "Wysoka" liefern. Der Deal mit dem schwedischen Windparkentwickler OX2 umfasst einen Premium-Service der Turbinen über den Zeitraum von 35 Jahren. Die Nordex-Aktie hat sich seit März von 18 auf unter 8,50 EUR mehr als halbiert. Wann die Anleger zurückkehren, ist dennoch fraglich. Goldman Sachs votiert mit „Neutral“ und senkt sein Kursziel von 15,0 auf 13,7 EUR. Achten sie genau auf die Markttechnik: Wenn es mit hohem Volumen nach oben dreht, könnte es schnell Richtung 11 bis 14 EUR gehen. Dann lauern aber die ersten Widerstände im Chart.

    Barsele Minerals – Hier bahnt sich ein Deal an

    Wer in Europa auf die Suche nach Rohstoffvorkommen geht, kann in Skandinavien fündig werden. Schweden ist einer der freundlichen Jurisdiktionen im Norden und fördert die Ausbeutung wichtiger strategischer Metalle. Seit Jahren ist das Land ein Entwickler von klimafreundlichen Technologien und auch kleinere Bergbau-Unternehmen können mit entsprechenden Lizenzen rechnen, wenn sie interessante Explorationsprojekte umsetzen.

    Das kanadische Unternehmen Barsele Minerals arbeitet seit einiger Zeit in der Bergbauregion Västerbottens Län in Nordschweden an einer aussichtsreichen Liegenschaft mit einer Größe von 34.000 Hektar. Nun gibt es Neuigkeiten zu den dortigen Explorationsaktivitäten im vulkanogenen Massivsulfid-Projektgebiet (VMS). Das laufende Bohrprogramm wird schon seit einiger Zeit von dem Joint-Venture-Partner Agnico Eagle Mines Ltd. durchgeführt und nun sind weitere 3.000m gestartet worden. Die Erprobung wird in den Zielgebieten Norra und Bastutrask stattfinden.

    Das Barsele-Projekt gehört zu 55% Agnico Eagle und zu 45% Barsele, Agnico Eagle kann durch den Abschluss einer Vormachbarkeitsstudie weitere 15% am Barsele-Projekt erwerben. Bis zur Fertigstellung einer Vormachbarkeitsstudie muss Barsele keine Barmittel aufwenden. Innerhalb der Lagerstätte befinden sich neben indizierten 2,4 Mio. Unzen Gold auch die Ablagerungen in Metallen wie Blei, Zink oder Nickel. Diese Stoffe sind für den Einsatz in der E-Mobilität und der Hightech-Industrie unvermindert gefragt und werten die Liegenschaft zusätzlich auf. Durch weitere Arbeiten erhofft man sich eine Aufwertung der Ressource auf etwa 3,5 Mio. Unzen Gold.

    Interessant bleibt die Konstellation der 55%-Mehrheit für Agnico sowie weitere Optionen des Majors. Bei geeigneten Ergebnissen in den Explorationen ist vor diesem Hintergrund jederzeit auch die Komplettübernahme der Gesellschaft Barsele möglich. Aktuell steht der Wert wieder über 0,35 CAD, im letzten Ausverkauf war er auf 0,22 CAD abgerutscht. Durch das Importverbot von russischem Gold könnten die Terminpreise wieder stark anziehen. Das macht gerade Junior-Projekte mit gutem Potenzial wieder hochinteressant. Spekulativ einsammeln!

    BASF – Der Wegfall von russischem Gas ist vorprogrammiert

    Vielleicht ist die Panik rund um die badischen Anilin- und Sodafabriken (BASF) übertrieben? Große Sorgen machen sich derzeit Anleger um den wahrscheinlich größten Gasverbraucher Deutschlands. Hier purzelten die Kurse in den letzten drei Wochen um gewaltige 25% in die Tiefe und landeten mit 42,5 EUR in der Nähe des Corona-Tiefs vom März 2020.

    Man sollte allerdings nicht ganz so negativ sein, denn BASF scheint für den Ernstfall eines 100%-igen Gas-Stopps aus Russland bereits vorgesorgt zu haben. Zumindest sagte der Konzern gegenüber Medien, dass erst bei einer Versorgung von weniger als 50% mit Abstellungen oder ähnlichen Effekten zu rechnen wäre. Aktuell ist die Versorgung aber noch vollständig intakt und damit auch die Produktion. Das hat natürlich zur Folge, dass die kommenden Zahlen für das 2. Quartal über den Erwartungen liegen dürften. Die Ludwigshafener berichten am 27. Juli, Analysten rechnen im Schnitt mit einem EBIT von 1,86 Mrd. EUR, das wäre ein Minus von über 15% zum Vorjahr.

    Spannend dürften hingegen die in die Zukunft gerichteten Aussagen des Konzerns sein. Viele Faktoren belasten aktuell das Ergebnis, seien es z.B. die Lockdowns in China, der Krieg in der Ukraine, die Probleme bei den Lieferketten oder auch steigende Rohstoff- und Energiepreise. Abseits der Unwägbarkeiten bezüglich der näheren Zukunft lockt BASF dennoch mit einem 2023er KGV von 7,4 und einer Dividendenrendite von über 7%. Einstiegskurse im Korridor 38 bis 43 EUR waren in der Historie immer gute Startpunkte. Leider weiß niemand, wie groß die Belastungen letztlich wirklich ausfallen und der anstehende Konjunkturabschwung auf die Bücher durchschlägt.


    Vor dem Hintergrund einer fragilen Weltwirtschaft trifft es die Industrie in unterschiedlicher Weise. Chaos bei den Lieferketten und nun auch noch eine unsichere Versorgungslage mit Primär-Energieträgern. Das wird das Preisgefüge weiter anheizen. Nordex und BASF sind direkt betroffen, Barsele macht sich dagegen auf, ein zukünftiger Multimetall-Lieferant zu werden.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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    Für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien hat die Ampelkoalition in diesem Jahr ein 500 Seiten umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt. Mit dessen Hilfe soll der Anteil alternativer Stromgewinnung möglichst schnell von aktuell rund 50 auf etwa 80% erhöht werden. Die notwendigen Genehmigungsschleifen bei Behörden werden sich dafür drastisch verkürzen, hört man aus Berlin. Voraussetzung wäre dabei aber auch die Zustimmung der Bevölkerung für etwaige Eingriffe in das Eigentum hinsichtlich von Abstandsregeln, Lärm und Wohnqualität. An dieser Stelle hakt es derzeit, denn die Rechnung der Regierung umfasst umfangreiche Eingriffe in Natur und große Opfer der Bewohner, um dem Allgemeinwohl zu dienen. Da sich in diesem Thema aber niemand nach vorne drängelt, ist durchaus Skepsis über den schnellen Erfolg angebracht. Wer sind die großen Profiteure des klimatechnischen Fortschritts?

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