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23.11.2022 | 04:44

GreenTech startet wieder durch: BASF, Meta Materials, Nordex, JinkoSolar – Gibt es ein schnelles Comeback?

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Bildquelle: pixabay.com

Für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien hat die Ampelkoalition in diesem Jahr ein 500 Seiten umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt. Mit dessen Hilfe soll der Anteil alternativer Stromgewinnung möglichst schnell von aktuell rund 50 auf etwa 80% erhöht werden. Die notwendigen Genehmigungsschleifen bei Behörden werden sich dafür drastisch verkürzen, hört man aus Berlin. Voraussetzung wäre dabei aber auch die Zustimmung der Bevölkerung für etwaige Eingriffe in das Eigentum hinsichtlich von Abstandsregeln, Lärm und Wohnqualität. An dieser Stelle hakt es derzeit, denn die Rechnung der Regierung umfasst umfangreiche Eingriffe in Natur und große Opfer der Bewohner, um dem Allgemeinwohl zu dienen. Da sich in diesem Thema aber niemand nach vorne drängelt, ist durchaus Skepsis über den schnellen Erfolg angebracht. Wer sind die großen Profiteure des klimatechnischen Fortschritts?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: Meta Materials Inc. | US59134N1046 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , JINKOSOLAR ADR/4 DL-00002 | US47759T1007

Inhaltsverzeichnis:


    BASF – Sparmaßnahmen am größten Chemiestandort Deutschlands

    Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF ist einer der größten Lieferanten von Ausgangsmaterialen für die GreenTech-Branche. Hier werden Substanzen mit hohem Energieaufwand erzeugt und gemischt, wichtige chemische Vorprodukte für die Hightech-Hersteller im alternativen Energie- und E-Mobilitätsbereich. Doch die Produktionskosten steigen und steigen, denn der Industriestandort Deutschland leidet seit Kriegsbeginn in der Ukraine unter einer extremen Teuerung auf der Energieseite und bislang ist keine Besserung in Sicht. Daher denkt BASF über neue Standorte nach, um konzernweit eine umfangreiche Kostenreduzierung erreichen. Mit mehr als der Hälfte der geplanten Einsparungen ist auch die Zentrale in Ludwigshafen betroffen. Keine gute Nachricht für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, denn hier arbeiten immerhin 39.000 der insgesamt 111.000 Mitarbeiter weltweit.

    BASF - Der Standort in Ludwigshafen ist von Gas abhängig. Quelle: BASF SE

    Da aber Innovation und Forschung die Treiber für das künftige Geschäft darstellen, kommt BASF um einen großen Forschungsbereich nicht herum. Die Krux an der Thematik: Die Investitionen werden künftig wohl im Ausland stattfinden. Gerade hatte das Management einen neuen Standort für rund 10 Mrd. EUR in China freigezeichnet. Ein Schlag ins Gesicht für die deutsche Industriepolitik und ein mittelfristiger Verlust wertvoller Arbeitsplätze. Wegen der schwierigen Rahmenbedingungen in Europa legte die BASF-Führung zusätzlich ein Sparprogramm auf, das in 2023 bis 2024 umgesetzt werden soll. Die Kürzungen sollen die jährlichen Kosten außerhalb der Produktion um gewaltige 500 Mio. EUR senken, dabei schließt das Unternehmen Stellenstreichungen nicht aus.

    Noch ist der Firmensitz Ludwigshafen das Herzstück von BASF, mittelfristig ist aber klar, wohin die Reise geht. Denn aus heutiger Sicht liegen die Inputkosten für energieintensive Produktion in Asien oder Nordamerika deutlich unter Europa, hinzu kommt eine perspektivisch wenig attraktive Energie- und Industriepolitik aus Brüssel. Aktuell profitiert der Konzern von der guten Performance der Tochter Wintershall DEA, das könnte die operativen Zahlen in 2022 retten. Die BASF-Aktie hat in 2022 seit den Tiefstständen bei rund 38 EUR wieder kräftig auf 52 EUR zulegen können. Mit aktuell 49,50 EUR bezahlt der Anleger ein KGV von knapp 10 und erhält bei unveränderter Gewinnentwicklung noch 7% an Ausschüttung oben drauf.

    Meta Materials – Ein Blumenstrauß guter Nachrichten

    In Tagen der Energieknappheit und der Steigerung von industriellen Wirkungsgraden rücken wieder Technologie-Unternehmen in den Fokus, die durch ihre Patente effizientere Prozesse möglich machen. Bei dem Innovator Meta Materials dreht sich alles um Beschichtungen auf Glas, Baukörper und sonstigen Gestaltungselementen, welche mit Hightech versehen werden können. Zum Beispiel entwickelt das Unternehmen sinnvoll verbaute Antennen und Tarnkappen für Rüstungsgüter. Auch für den Boom-Sektor E-Mobilität stehen seit einiger Zeit erste Lösungen im Angebot. Denn mit dem Partner-Unternehmen Coulometrics will Meta nun Batterien für E-Autos sicherer, beständiger und leistungsfähiger machen.

    Mit seinen innovativen Entwicklungen steht META®-Materials damit immer wieder im Fokus der produzierenden Industrie. Einen Proof-of-Concept gab es jüngst im Rahmen des kanadischen Technology Fast 50-Programms von Deloitte. Hier wurde das Unternehmen aus Nova Scotia als einer der Sieger im Bereich „Clean Technology“ ausgezeichnet. Die im letzten Jahr eingeführte Kategorie des Wettbewerbs zeichnet die besten Innovatoren Kanadas aus, die mit ihren Errungenschaften dabei helfen, die Umweltbelastung reduzieren. METAs Management führt das dreistellige Wachstum des Unternehmens auf seine Fähigkeit zurück, neue funktionelle Materialien mit Eigenschaften zu entwickeln, die über das hinausgehen, was die Natur bereits geschaffen hat. Die entwickelten Nanomaterialien adressieren einen hochdynamischen Markt, der bis ins Jahr 2030 schätzungsweise ein Volumen von 10,7 Mrd. USD erreichen wird. Gemeint sind Lösungen für 5G-Netzwerke, E-Mobilität, autonomes Fahren und vieles mehr.

    George Palikaras kommentiert: "META setzt immer wieder neue Maßstäbe in Bezug auf Leistung und Nachhaltigkeit von Produkten. Wir entwickeln und fertigen hochfunktionale Materialien und Geräte, welche weniger Energie und Material verbrauchen und die Lieferketten nachhaltig verbessern.“ Anders McKenzie, Partner und nationaler Leiter des Technology Fast 50-Programms bei Deloitte Canada bringt es auf den Punkt: "Diese herausragenden Unternehmen gehören zur Elite des kanadischen Sektors für saubere Technologien, welche Innovationen entwickeln und auf den Markt bringen, die eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Zukunft für die Umwelt schaffen." Die aktuell herausragend gute Stimmung für die META-Aktie wird auch durch Insiderkäufe beflügelt. So erwarb der Direktor John Harding 126.000 Aktien zu 1,74 USD. Das ruft neue Anleger auf den Plan und es geht mit hohen Umsätzen weiter nach oben. Die META-Aktie konnte sich so seit Mitte Oktober bereits mehr als verdoppeln und eroberte auch wieder die Marke von 2,00 USD. Chapeau!

    JinkoSolar und Nordex – Und schon geht es wieder aufwärts

    Die Stimmung im GreenTech-Bereich bessert sich durch die Verlautbarungen zum COP27-Klimagipfel spürbar, denn es wird eine Auftragsflut durch die grünen Programme der betreffenden Regierungen weltweit erwartet. Beim chinesischen Experten für Solar-Panels JinkoSolar stieg der Umsatz im letzten Quartal um 130% auf 19,52 Mrd. CNY, ein Jahr zuvor waren nur 8,47 Mrd. CNY erwirtschaftet worden. Das lag klar über den Erwartungen der Analysten, trotzdem flaute die gute Stimmung für die Aktie schnell wieder ab. Das Unternehmen leidet aktuell weiter unter den Einschränkungen der Null-COVID-Politik der Regierung und erwartet daraus Belastungen im laufenden Quartal. Der Kurs konnte in den letzten sechs Wochen vehement an der 42 EUR drehen und erreichte wieder 54 EUR, vom Sommerhoch bei ca. 75 EUR ist der Wert aber noch weit entfernt. Mit der jüngsten Korrektur der NASDAQ sank der Preis wieder unter 47 EUR.

    Bei Nordex belasteten über den Sommer hinweg die fortwährenden Kapitalerhöhungen, welche für den langfristigen Investor immer wieder eine Nachfinanzierung bedeuteten. Seit den 9-Monatszahlen geht es aber wieder steil aufwärts. Laut Vorstand hat das Unternehmen noch mit den höheren Kosten und den unterbrochenen Lieferketten zu kämpfen, was das laufende Jahr erheblich belastet. Mit einem Umsatz von 1,7 Mrd. EUR in Q3 liegt der Konzern aber deutliche 50% über Vorjahr, allerdings wird der operative Verlust in 2022 noch 4% des Umsatzes erreichen. Für 2023 bis 2025 stimmt man sich aber durchweg positiv, denn die steigenden Verkaufspreise aus den angepassten Kundenverträgen dürften sich mit zeitlicher Verzögerung sehr positiv auswirken. Weitere Hoffnung für die Zukunft macht die üppige Orderlage, so erhöhte sich der Gesamtauftragsbestand noch nicht ausgelieferter und installierter Turbinen auf einen Wert von 6,5 Mrd. EUR. Das sind noch einmal 1,5 Mrd. EUR mehr als die Order-Pipeline ein Jahr zuvor ausweisen konnte. Der Kurs schaffte so allein in den letzten sechs Wochen gut 50% Zuwachs und hatte zuletzt auch die technische Hürde von 11 EUR überspringen können. Die Hamburger haben das Ruder nun wohl endlich herumgerissen.


    Die Stimmung an den Wachstumsmärkten bessert sich, dennoch bleiben die hohen Zinsen ein Belastungsfaktor für die Bewertungen. BASF ist ein Fels in der Brandung, Nordex und JinkoSolar profitieren weiter von der Energiewende. Meta Materials wurde jüngst für seine Innovationen ausgezeichnet, was den Kurs gleich mal um über 120% nach oben schickte.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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