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25.03.2021 | 04:53

Deutsche Rohstoff AG, Royal Dutch Shell, Nel ASA: Achtung - hier brennt es!

  • Rohstoffe
Bildquelle: pixabay.com

Der Ölpreis ist einer der Hauptindikatoren der weltweiten Wirtschaftsaktivität. Trotz größter Bemühungen der OPEC, den Spotpreis zu kontrollieren, kann es aufgrund von globalen Entwicklungen zu kurzfristigen Preisspitzen nach Oben und Unten kommen. Die starke Eintrübung des weltweiten Geschäftsklimas in 2020 sorgte innerhalb von 3 Monaten für historische Einbrüche, Terminpreise fielen sogar in den negativen Bereich. Im laufenden Jahr konnte zumindest das Niveau von knapp 70 USD in der Sorte Brent wieder zurückerobert werden. Derzeit läuft eine technische Konsolidierung auf hohem Niveau und auch von der OPEC ist wenig zu hören. Wir blicken auf bekannte Protagonisten der Energiebranche.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: André Will-Laudien
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Deutsche Rohstoff – Die Energie-Experten aus Mannheim

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Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) hat sich bislang sehr gut durch die Krise geschlagen. Das liegt am umsichtigen Management sowohl die Energiepreise als auch die Rohstofflage im Allgemeinen gut einzuschätzen. Die Portfoliozukäufe in 2020 machen daher im laufenden Jahr Freude und es kommt zu schönen Sondererlösen auf der Asset Management Seite. So beteiligte man sich in 2020 an der US-Firma Oasis Petroleum, zu einem Zeitpunkt wo viele Branchen-Experten nur schwarzsahen und vollgeladene Öltanker vor den Küsten Nordamerikas als schwimmende Öllager verwendet wurden.

Die Anteile an Oasis haben sich seither sehr gut entwickelt und wurden wieder komplett abgestoßen. Der jetzt realisierte durchschnittliche Verkaufskurs bedeutet mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem Einstandskurs. Im noch laufenden ersten Quartal 2021 beliefen sich die realisierten Portfoliogewinne bereits auf 8,2 Mio. EUR, unrealisierte Gewinne bestehen derzeit noch in Höhe von 3,8 Mio. EUR. Gut zu hören, dass auch deutsche Firmen in den USA Erfolg haben können.

Der zuletzt auf knapp 60 USD gestiegene US-Ölpreis WTI stellt eine wichtige Basis für den Ausbau und die Wiederaufnahme der Öl-Produktion dar und erhöht die Planbarkeit der weiteren Entwicklung der US-Tochterunternehmen deutlich. Daneben blicken die Anleger natürlich auf die Fortschritte bei der Wolfram- und Molybdän-Tochter Almonty. Nach erfolgter Projektfinanzierung mit der KfW-IPEX Bank kann Almonty seine Produktion ab 2022 deutlich steigern. Auch die Almonty-Aktie zieht großes Interesse auf sich und notiert in der Nähe ihrer Höchststände. Die DRAG ist hier mit 12,8% mit von der Partie. Auch ein Beispiel für eine weitsichtige Beteiligungspolitik, denn Wolfram ist ein sehr seltenes und wichtiges technisches Metall.

Die DRAG-Aktie konnte in 2021 bis auf 12,85 EUR klettern und konsolidiert derzeit auf hohem Niveau. Mit den aktuellen Aussichten dürften die Tiefs aus 2020 in weite Ferne rücken. Wir erwarten eine baldige Neubewertung der DRAG, denn auch die Ertragslage sollte durch umsichtiges Öl-Hedging in 2021 wieder positive Überraschungen liefern, trotz derzeit konsolidierender Ölpreise.

Royal Dutch Shell plc – Die Dekarbonisierung in Europa schreitet fort

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In Europa hat man die Zeichen der Zeit erkannt – Dekarbonisierung ist das Schlagwort. Wer langfristige Klimaziele politisch umsetzen möchte, kommt um ein Alternativprogramm bei der Energieversorgung insbesondere des Mobilitäts-Sektors kaum herum. Gazprom und Royal Dutch Shell (RDS) arbeiten schon seit längerer Zeit am Ausbau der wesentlich saubereren Gasproduktion im Vergleich zu Öl. Dazu unterzeichneten sie ein weiteres strategisches Abkommen für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Die neue Zusammenarbeit erweitert die Interaktion zwischen den beiden Unternehmen. Besonderes Augenmerk wird auf solche Bereiche wie die Erforschung der Energiemärkte, die Umsetzung von Projekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die Zusammenarbeit bei der Digitalisierung von Technologien und die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen gelegt.

Die beiden Konzern-Chefs Alexey Miller (Gazprom) und Ben van Beurden (RDS) gaben einen Überblick über die aktuellen Errungenschaften, die die Zusammenarbeit zwischen Gazprom und Shell mit sich bringt. Dabei wurde insbesondere das Projekt Sachalin II, die erste LNG-Anlage Russlands besprochen. Im vergangenen Jahr wurde dort eine Rekordmenge an verflüssigtem Erdgas, nämlich über 11,6 Mio. Tonnen, produziert und an Kunden in Europa ausgeliefert. Besondere Erwähnung fand dabei die Dekarbonisierung des europäischen Energiesektors, denn Erdgas kann aufgrund seiner Umweltfreundlichkeit eine bedeutende Rolle bei der Erfüllung der europäischen Klimaziele spielen.

Die RDS-Aktie konsolidiert derzeit mit dem Ölpreis auf hohem Niveau. Seit den Tiefstständen unter 10 Euro hat der Wert gute 70% zulegen können. Hier ist noch mehr drin.

Nel ASA – Die Jahrhundert-Rallye scheint beendet

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Das Management von Nel hatte eine gute Entscheidung getroffen, Ende Februar das Kapital des norwegischen Wasserstoff-Konzerns kurzfristig zu erhöhen. 49,5 Mio. neue Aktien wurden im Rahmen eines Private Placements im Schnellverfahren verkauft, gut 110 Mio. EUR für zukünftige Investitionen konnten so über Nacht in die Kasse gespült werden. Nel beweist damit ein gutes Timing und versteht es, positive Börsen-Zyklen für sich umzusetzen.

Die Projekte im Bereich Wasserstoff-Betankung sind derzeit noch zu dünn gesät, um damit florierendes Geschäft machen zu können. Wie von uns erwartet, enttäuschten die Zahlen für 2020 auf ganzer Linie. Das technologische Rennen gegen die e-Mobilität scheint auch vorerst verloren, denn internationale Großkonzerne der Automobilindustrie lassen vermehrt keinen Zweifel daran, in Zukunft auf intelligente Batterielösungen zu setzen. Keine gute Nachricht für den gesamten H2-Sektor, die Kurse brachen folgerichtig auch auf breiter Front ein. Allein in den letzten 4 Wochen verloren Wasserstoff-Aktien rund 40 Mrd. EUR an Börsenwert, der größte Verlierer war die US-Firma PlugPower mit über 20 Mrd. USD Kursrückgang, bei Nel waren es knapp 1,8 Mrd. EUR.

Als wäre das noch nicht genug! Der US-Vermögensverwalter Arrowstreet erwartet offenbar weitere Kursverluste bei der Nel-Aktie. Wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg meldet, hat der hauseigene Hedgefonds mit Sitz in Boston eine größere Short-Position bei Nel Asa aufgebaut. Laut öffentlich verfügbarer Daten umfasst diese Position allerdings nur 7,43 Millionen Nel-Aktien, das entspricht 0,5% des umlaufenden Kapitals. Das ist alles noch kein Drama – aber ein Zeichen, dass die historische Hausse in diesem Sektor beendet ist. Erwarten Sie daher weitere Kursrückgänge.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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