Menü schließen




18.07.2022 | 04:44

Der Herbst kommt: BioNTech, Defence Therapeutics, CureVac, Valneva – Welche Biotech-Aktie prescht wieder nach vorne?

  • Biotech
  • Pharma
  • Impfstoffe
  • Covid-19
Bildquelle: pixabay.com

Der Sommer der steigenden Inzidenzen macht sich auf den Weg, das Publikum hat die Pandemie-Maßnahmen aber bereits ad acta gelegt und die Krankenhäuser füllen sich wieder. Auch wenn keiner dieses Thema mehr in den Mund nehmen möchte, die nächste Welle kommt! Weltweit geht also der Wettlauf, um geeignete Impfstoffe oder Behandlungsmethoden weiter. Noch immer ist die Medizin relativ ratlos, was die Behandlung von schweren Verläufen angeht, die Thematik um Post COVID gilt als gänzlich unerforscht. Wir blicken noch einmal kritisch in die Landschaft der Biotech-Werte.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , DEFENCE THERAPEUTICS INC | CA24463V1013 , CUREVAC N.V. O.N. | NL0015436031 , VALNEVA SE EO -_15 | FR0004056851

Inhaltsverzeichnis:


    BioNTech – Einige Pfeile im Köcher, aber CureVac klagt

    Mehr als 10 Mrd. EUR Nettogewinn erwirtschaftete BioNTech im Geschäftsjahr 2021, nach einem Fehlbetrag von rund 180 Mio. EUR im Vor-Corona-Jahr 2019. Das hauptsächlich durch die Impfung geflossene Geld soll nun in die weitere Forschung der Mainzer Firma fließen. Um weiter zu wachsen, schließt BioNTech-Chef Ugur Sahin einzelne Zukäufe nicht aus. Dass es dabei langfristig nicht allein um die Bekämpfung von COVID 19 geht, steht bereits seit der letzten Kapitalmarktkonferenz fest. Die Krebsbekämpfung durch die mRNA-Technologie war schon immer das Ziel von Sahin und seiner Ehefrau Özlem Türeci. Die HEXAL-Gründer Thomas und Andreas Strüngmann standen schon damals für ihre Idee Spalier und sind heute noch mit 43% beteiligt.

    Die Corona-Impfung war quasi die Feuertaufe für eine neue Technologie, die nun durch neue, innovative Produktentwicklungen ergänzt wird. Rund 20 Forschungsprojekte befinden sich in den klinischen Phasen I oder II, dazu gesellen sich noch 12 präklinische Forschungsprogramme. Erst kürzlich erhielt das Unternehmen von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA für eine Car-T-Zelltherapie bei Hodenkrebs einen Sonderstatus für vielversprechende Medikamente. Sahin hat eindeutig erklärt, dass BioNTech künftig auch Erfolge mit mRNA abseits von Corona feiern möchte. Aktuell arbeiten die Mainzer an entsprechenden Wirkstoffen bei multiplen soliden Tumoren. Das Thema wird aber auch von anderen Pharmariesen aufgegriffen. Der französische Konzern Sanofi etwa will jährlich 400 Mio. EUR in mRNA-Impfstoffe investieren und kaufte hier zuletzt weiter zu.

    Derweil sieht sich BioNTech mit einer Patentverletzungsklage des Konkurrenten CureVac konfrontiert, die Gerichte dürfte es freuen, wer letztlich Recht bekommt, wird sich zeigen. CureVac ist mit seiner Impfstoff-Entwicklung gescheitert und solche Klagen sind in der Branche üblich. Die Aktie dürfte das nicht retten, sie liegt 90% unter ihrem Allzeit-Hoch. Die BioNTech-Aktie erreichte ihren Spitzenwert bei rund 464 USD im vergangenen August, seitdem hat die Aktie in der Spitze fast 75% an Wert verloren. Ein Wiedereinstieg in den Standardwert sollte sich angesichts der aktuell niedrigen Bewertung aber lohnen, denn das KGV 2023e liegt nur bei niedrigen 9 und der Buchwert summiert sich immerhin auf 112 EUR. In Schwäche zukaufen!

    Defence Therapeutics – Mit vollem Einsatz gegen Krebs

    Der kanadische Biotech-Spezialist Defence Therapeutics (DTC) hat mit der AccumTM-Plattform eine patentierte Technologie entwickelt, welche in der aktuellen Krebsforschung große Hoffnung macht. Als börsennotiertes Forschungs-Unternehmen, arbeitet man unter Einsatz von Accum(TM) daran, einen präzisen Transport von Antigenen oder ADCs in intakter Form zu den Zielzellen zu ermöglichen.

    Das Unternehmen hat jetzt ein Update über seine laufenden ADC-Programme mit weltweiten Kooperationspartnern gegeben. Einer davon ist das weltbekannte Institut Curie, es führt derzeit eine Studie zur therapeutischen Wirksamkeit des AccumTM-T-DM1-Antikörper-Wirkstoff-Konjugats ("ADC") bei einem von Patienten abgeleiteten Xenograft ("PDX") – Brustkrebsmodell durch. Gleich im Anschluss daran folgt eine direkte Vergleichsstudie zum toxikologischen und pharmakokinetischen Profil von T-DM1 gegenüber Accum(TM) T-DM1 bei Mäusen. Die Ergebnisse werden im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres erwartet. T-DM1 (Kadcyla) wird derzeit eingesetzt, um Frauen mit metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs zu behandeln. Durch die laufende Studie soll der Nachweis erbracht werden, dass die aktuelle Therapie unter Einsatz der Accum(TM)-Technologie von Defence optimiert werden kann, um den Transport des Wirkstoffs zu den Tumorzellen zu verbessern.

    Defence setzt seine Zusammenarbeit auch mit dem HUS Comprehensive Cancer Center in Finnland fort. Intensiviert wird die Zusammenarbeit mit dem Institut de Recherche en Cancérologie de Montpellier (IRCM), es führt derzeit in vivo-Studien unter Einsatz von Accum(TM) mit radioimmuntherapeutischen Konjugaten durch. Defence arbeitet außerdem mit WASSC Technologies zusammen, einem Biotech-Unternehmen, das sich auf die Proteinkonjugation, Moleküle und ADCs spezialisiert hat, um ein neues kleines Molekül zur ADC-Anwendung zu entwickeln.

    "Die Accum(TM)-Plattform von Defence wurde in erster Linie entwickelt, um die intranukleäre Wirkstoffverabreichung bei mehreren von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA genehmigten oder neuen Antikörperkonjugaten zu verbessern. Wir sind der festen Überzeugung, dass alle in diesem Jahr hinsichtlich der Accum(TM)-ADCs erwarteten wichtigen Testergebnisse weiterhin die Wirksamkeit unserer Technologie aufzeigen und Defence Therapeutics auf ein neues Level bringen werden", erklärte der CEO Sebastien Plouffe. Die Aktie ist derzeit bei 1,38 EUR zu haben, Anfang des Jahres notierte der Wert noch bei knapp 4 EUR. Der Wert ist hochinteressant, aber genauso spekulativ.

    Valneva – Zu spät, der kurze Hype ist bereits wieder vorbei

    Der französisch-österreichische Impfstoff-Hersteller Valneva entwickelt, produziert und vermarktet Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten. Mit seinem Totimpfstoff VLA 2001 verfügt Valneva über ein Vakzin gegen das Coronavirus, das aktuell eine Standardzulassung in der EU, eine bedingte Zulassung in Großbritannien sowie Notfallzulassungen im Königreich Bahrain und in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat. Mit dem Vertrieb des einzigen Tot-Impfstoffs tut sich das Unternehmen nach wie vor schwer, denn der erhoffte Ankerauftrag der EU-Kommission aus Brüssel kam wegen Verzögerungen in der Genehmigung nie zu Stande.

    Der tiefere Grund könnte mit den derzeit vorherrschenden Omikron-Varianten zu tun haben, denn in der Aufklärung auf der eigenen Internet-Seite wird darauf hingewiesen, dass die Forschungsdaten sich auf die Zeit vor Auftreten der Omikron-Variante beziehen. Entsprechend hat Valneva laut dieser Mitteilung die Marktzulassung für VLA 2001 auch nur „zur Verwendung als Erstimpfung bei Menschen im Alter von 18 bis 50 Jahren in Europa“ erhalten. Das Unternehmen ist selbst davon überzeugt, dass VLA 2001 auch für Booster-Impfungen geeignet ist. Ob das so ist, wird derzeit in Studien untersucht, erste Ergebnisse werden im dritten Quartal 2022 erwartet.

    Die Valneva-Aktie ist nach einem schnellen Verdoppler von 7,50 auf über 15 EUR jetzt wieder bei 10,20 EUR angekommen, die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 1,17 Mrd. EUR. Ende des ersten Quartals befanden sich noch über 300 Mio. EUR in der Kasse, das dürfte noch für einige Studienreihen genügen. Interessant ist auch die große Pipeline des Unternehmens. Aber die Zeit läuft, denn die nächste Corona-Welle für den Herbst ist schon im Anlauf. Die Aktie ist sehr volatil und spekulativ!


    Die Biotech-Branche hat in 2022 einen regelrechten Ausverkauf erlebt. Abstürze von über 70% waren eher die Regel als die Ausnahme. Welche Titel nun im Herbst durchstarten können, hängt an vielen Faktoren. Leider erfolgt die Einwerbung von Geldern jetzt auf niedrigeren Niveaus und verwässert die Altaktionäre. BioNTech und Moderna sind die klaren Platzhirsche, für Defence Therapeutics könnte es mit weiteren Erfolgsmeldungen bis in den Herbst wieder richtig vorangehen.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) derzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen hält bzw. halten und auf deren Kursentwicklungen spekulieren. Sie beabsichtigen insofern Aktien oder andere Finanzinstrumente der Unternehmen zu veräußern bzw. zu erwerben (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
    Es besteht insofern ein konkreter Interessenkonflikt bei der Berichterstattung zu den Unternehmen.

    Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
    Es besteht auch aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
    Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Armin Schulz vom 09.08.2022 | 05:50

    BioNTech, Defence Therapeutics, Valneva – ziehen Biotech Aktien im Herbst weiter an?

    • BioNTech
    • Defence Therapeutics
    • Valneva
    • Covid-19
    • Corona
    • Krebs
    • Brustkrebs
    • Borreliose
    • Chikungunya-Fieber

    Mitte Juni hat der NASDAQ Biotechnology Index einen doppelten Boden gebildet, hat seitdem wieder angezogen und den Abwärtstrend gebrochen. Bis zu den vergangenen Hochs sind aber noch über 32% Potential vorhanden. Die Hochs sind unter anderem auf die Umsätze aus der Corona-Krise zurückzuführen, doch auch wenn aktuell trotz höherer Fallzahlen das Thema nicht mehr so präsent ist, so könnte sich das im Herbst ändern. Das neue Infektionsschutzgesetz sieht Maskentragen und weitere Impfungen vor. Die Gewinne aus diesen Umsätzen werden oftmals in die Entwicklung neuer Therapien investiert, wie beispielsweise die Krebsforschung. Diese Bereiche bergen viel Potential für steigende Kurse. Wir sehen uns drei Biotech-Unternehmen genauer an.

    Zum Kommentar

    Kommentar von André Will-Laudien vom 28.07.2022 | 04:44

    Die nächste BioNTech finden: Morphosys, XPhyto Therapeutics, Formycon – Wer schafft den Durchbruch?

    • Biotech
    • Covid-19
    • Pharma

    Das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech hat es mit Cormirnaty® vorgemacht: Stringente Forschung und Einhaltung der Meilensteine führen letztendlich zum Erfolg. Die Haupt- und Gründungsinvestoren Strüngmann sind auch nach der Kurskorrektur noch mit über 40% als Langfristanleger an Bord. Die mRNA-Technologie mutiert nun zur Basis für eine ganz neue Klasse an Medikamenten, aus BioNTech könnte damit ein neuer deutscher Pharmariese werden. Die Brüder vom Tegernsee wissen, wovon sie reden. Ihr Startkapital stammt aus dem ersten großen Exit, nachdem sie in 2005 ihren 1979 gegründeten Generika-Hersteller Hexal für 5,65 Mrd. EUR an Novartis verkauft hatten. Seither investieren sie über ihr Family Office weiter in die Biotechnologie. Es gilt, die nächste BioNTech zu finden.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Fabian Lorenz vom 07.07.2022 | 05:55

    Überraschung bei BioNTech und was machen Valneva und NervGen?

    • Biotech
    • Analysten
    • Biotechnologie
    • Forschung

    Überraschung bei BioNTech: Konkurrent Curevac verklagt das Mainzer-Biontechunternehmen aufgrund angeblicher Patentverletzungen. Konkret geht es um den Corona-Impfstoff von BioNTech. Dieser basiert auf der mRNA-Technologie. Curevac Gründer Ingmar Hoerr wiederum gilt als Entdecker dieser neuen Impftechnik. Curevac war allerdings mit der Entwicklung des eigenen Corona-Impfstoffs gescheitert. Auch Valneva hatte mit dem eigenen Corona-Impfstoff kein Glück. Doch scheint man über eine attraktive Produkt-Pipeline zu verfügen. Dennoch ist die Euphorie über den Einstieg des US-Pharmakonzerns Pfizer verflogen. Anders bei NervGen: Nach Ansicht von Experten könnte NervGen mit NVG-291 im Kampf gegen Alzheimer der größte Erfolg seit Jahrzehnten gelingen. Morgen soll eine Kapitalerhöhung abgeschlossen werden und der Kurs wieder an Dynamik gewinnen.

    Zum Kommentar