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16.12.2021 | 04:44

Clean Logistics, PlugPower, Nel, Fuelcell Energy – 2022, jetzt aber los Wasserstoff!

  • Wasserstoff
  • Technologie
  • Energie
Bildquelle: pixabay.com

Deutschland setzt wegen des Klimaschutzes vor allem auf grünen Strom aus Wind und Sonne. Dieser lässt sich etwa in E-Autos bereits vergleichsweise effektiv einsetzen. Weit schwieriger ist dies in der Industrie: Brennstoffe wie Öl, Koks oder Gas sollen in der Stahl-, Chemie- oder Zementproduktion durch Wasserstoff ersetzt werden? Ähnliches gilt für den Schiffs-, Flug- und Schwerlastverkehr, der nur schwer elektrisch betrieben werden kann. Der Preisanstieg bei fossilen Brennstoffen verstärkt den Druck auf alternative Energien und neue Antriebskonzepte umzusteigen. Das Jahr 2022 könnte einen wichtigen Startpunkt setzen…

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: Clean Logistics SE | DE000A1YDAZ7 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , FUELCELL ENERGY DL-_0001 | US35952H6018

Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power – Externes Wachstum schürt Phantasie

    Plug Power ist nicht nur das größte reinrassige Wasserstoff-Unternehmen, sondern auch das Wachstum ist im Vergleich zur Branche deutlich höher. Das liegt an der guten Kapitalausstattung, denn mit der Hereinnahme der koreanischen SK Group kamen Anfang 2021 über 1 Mrd. USD in die Kasse. Davon kann das Unternehmen noch lange zehren.

    Übernahmen sind ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie vom Wasserstoff-Spezialisten Plug Power. Denn damit sichern sich die Amerikaner das noch in Teilen fehlende Know-how entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette, die das Management rund um Andy Marsh mittelfristig aufbauen will. Im Dezember konnte ein interessanter Deal finalisiert werden, denn Plug Power hat die Übernahme der Frames Group erfolgreich abgeschlossen. Die Frames Group beschäftigt sich mit der Systemintegration für den Energiesektor speziell im Bereich schlüsselfertiger Elektrolyseur-Lösungen. Bei diesem Zukauf handelt es sich für Plug um einen nötigen Kompetenzaufbau in den Bereichen Engineering, Prozess- und Systemintegration – damit soll die Bereitstellung von kundengerechten H2-Technologien beschleunigt werden.

    Die PlugPower-Aktie hatte sich zuletzt recht dynamisch von 25 auf über 40 USD aufgeschwungen. Die starke Korrektur bei Wachstumswerten führte allerdings zu einer Korrektur um 25% auf 30 USD. Nun wird es spannend um den Chart: Die Aktie muss wieder schnell den Weg Richtung 40 USD einschlagen, sonst droht ein weiterer Absturz auf das Jahrestief von unter 20 USD. Dazu müssen aber erst das Momentum und der MACD auf Grün drehen. Abwarten!

    Clean Logistics – Die Transportbranche könnte ein Beispiel geben

    Eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit dem Titel „Erneuerbare Energien im Verkehr-Potenziale und Entwicklungsperspektiven verschiedener erneuerbarer Energieträger und Energieverbrauch der Verkehrsträger“ gibt folgendes Ziel vor: „Die Bundesregierung hat sich mit dem Energiekonzept und dem Ausstieg aus der Kernenergie ambitionierte Ziele für die zukünftige Energieversorgung in Deutschland gesetzt. Die Umsetzung dieser Ziele wird auch als „Energiewende“ bezeichnet und stellt ein langfristiges politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Großprojekt für Deutschland dar. Die Zielerreichung wird dabei vor allem an der Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen und dem Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch gemessen.“ Bis 2030 soll der Straßengüterverkehr in Deutschland um ca. 20% ansteigen, die BMVI-Studie sieht im Güterverkehr daher großes Umsetzungs-Potenzial.

    Die aktuellen Beschlüsse der Ampel-Koalition geben vor, dass der CO2-Ausstoß bis 2030 um fast die Hälfte reduziert werden muss. Die Clean Logistics SE aus Hamburg konvertiert LKW und Busse des ÖPNV mit Dieselantrieb zu Fahrzeugen mit emissionsfreien Wasserstoffantrieb. Das Konzept der Konversion bestehender Diesel-Lkw zu sogenannten HyBatt-Trucks wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ausdrücklich gefördert. Im August 2021 wurde eine Förderrichtlinie des BMVI mit einem Budget von über einer 1 Mrd. EUR zur Beschaffung emissionsfreier Lkw veröffentlicht. Mit einer Förderquote von bis zu 80% der Mehrkosteninvestition und die Aussicht, bewährte Fahrzeuge weiter nutzen zu können, erklären das starke Interesse von Spediteuren und Logistikern für diesen umweltverträglichen Umbau. Das macht Sinn, denn gerade bei den 40-Tonnern muss gehandelt werden. Diese Fahrzeuge machen zwar nur 7% der LKW-Fahrzeugflotte über 3,5 Tonnen auf Europas Straßen aus, sie sind aber gleichzeitig für rund 45% der Gesamtemissionen des Güterlastverkehrs verantwortlich.

    Die Clean Logistics SE verstärkt im Zuge ihres deutlichen Wachstums das Management um renommierte Experten aus dem Bereich Fahrzeugtechnik. Ab Januar 2022 werden insgesamt drei neue Chief Officer (Operations, Technology und Business Development) das derzeitige Management um CEO Dirk Graszt beim weiteren Ausbau der Geschäftsaktivitäten von Clean Logistics unterstützen. Es sind dies Tom George, Florian Brandau und Dr. Jörn Seebode. Die operative Schlagkraft sollte sich durch diese Verstärkung im nächsten Jahr deutlich entfalten.

    Die Aktie notierte in den letzten 3 Monaten zwischen 6 und 9 EUR, aktuell befindet sich der Kurs am unteren Rand dieser Zone. Mit rund 13,7 Mio. Aktien sind die Hamburger derzeit mit etwa 92 Mio. EUR. Verglichen mit vielen anderen Titeln der Wasserstoffbranche besitzt Clean Logistics eine sehr gut vermarktbare Technologie, welche bei entsprechender Subvention auch sicherlich Käufer findet. Im Hinblick auf die Umsetzung der EU-Klimaziele ist die Aktie daher mittelfristig hochinteressant.

    Nel ASA vs Fuelcell Energy – Wo steckt das größere Potenzial?

    In der technischen Betrachtung der beiden Wasserstofftitel Nel ASA und FuelCell Energy gibt es deutliche Parallelen. Beide Werte profitierten von der Kaufwelle im ersten Quartal 2021 und konnten dort ihre Bewertung vervielfachen. Nel ASA stieg gute 50% von 2,3 auf 3,4 EUR und markierte dort das vorläufige Jahreshoch. Bei FuelCell explodierte der Kurs sogar um 300% von 8 auf 24 EUR. In der Spitze brillierten die Titel mit bis zu 2000% im Plus – so einen Hype werden wir wohl so schnell nicht mehr sehen. Anfang 2021 gab es eine regelrechte „Konzeptevielfalt“ mit welchen Bausteinen man die Klimaverbesserung schnellstmöglich umsetzen könnte. Jedes Unternehmen, das nur eine Idee an den Markt kommunizierte, war über Nacht 50% teurer. Dieser recht dumpfe Mega-Hype ist wohl endgültig zu Ende, denn alle H2-Titel verloren im Schnitt mehr als 60% von ihren Topkursen, bei FuelCell Energy waren es sogar 80%.

    Nebeneinandergelegt hat Nel ASA mit 25 in etwa das gleiche Kurs-Umsatz-Verhältnis wie sein Peergroup-Wert FuelCell Energy. Das Unternehmen verfügt aber offensichtlich über mehr marktfähige Produkte als FuelCell und wächst im Umsatz deutlich dynamischer als die Amerikaner. In 2024/25 soll die Gewinnschwelle bei beiden Unternehmen erreicht werden. Charttechnisch befinden sich die Titel in einer engen Tradingzone von 1,5 bis 2,0 EUR bzw. 5 bis 10 EUR. Aktuell gibt es beide Titel wieder eher am unteren Rand dieser Bandbreite. Wenn jetzt zum Jahresende noch Verlustwerte bereinigt werden, könnten sich tatsächlich versöhnliche Einstiegskurse zeigen. Bei aufkommendem Momentum in 2022 kann für einige Wochen sogar eine spekulative Positionierung durchaus Sinn machen. Eine Voraussetzung wäre, dass man bei äußerst schwachen Kursen auch beherzt zugreift. Legen sie sich bei Nel mit 1,35 EUR auf die Lauer, FuelCell Energy sollte kurzeitig unter 5 EUR zu haben sein.


    Der Wasserstoff-Sektor hat ein herausragendes Börsenjahr hinter sich gebracht. Wer weiterhin in diese Branche investiert, kann zum Jahresende nochmal in einen steuerinduzierten Verkaufsstrudel geraten. Dies sind aber Sondereffekte, die zum Einstieg genutzt werden könnten. Die Hamburger Clean Logistics hat klare strategische Ziele definiert, wenn hier die Unternehmensumsätze demnächst nach oben gehen, wird der Kurs auch deutlich beschleunigen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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