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09.08.2022 | 05:50

BioNTech, Defence Therapeutics, Valneva – ziehen Biotech Aktien im Herbst weiter an?

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Bildquelle: pixabay.com

Mitte Juni hat der NASDAQ Biotechnology Index einen doppelten Boden gebildet, hat seitdem wieder angezogen und den Abwärtstrend gebrochen. Bis zu den vergangenen Hochs sind aber noch über 32% Potential vorhanden. Die Hochs sind unter anderem auf die Umsätze aus der Corona-Krise zurückzuführen, doch auch wenn aktuell trotz höherer Fallzahlen das Thema nicht mehr so präsent ist, so könnte sich das im Herbst ändern. Das neue Infektionsschutzgesetz sieht Maskentragen und weitere Impfungen vor. Die Gewinne aus diesen Umsätzen werden oftmals in die Entwicklung neuer Therapien investiert, wie beispielsweise die Krebsforschung. Diese Bereiche bergen viel Potential für steigende Kurse. Wir sehen uns drei Biotech-Unternehmen genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , DEFENCE THERAPEUTICS INC | CA24463V1013 , VALNEVA SE EO -_15 | FR0004056851

Inhaltsverzeichnis:


    BioNTech – enttäuschende Quartalszahlen

    BioNTech ist der Marktführer bei den Covid19-Impfstoffen. Zusammen mit dem Partner Pfizer wurden über 3,6 Mrd. Impfdosen verkauft. Da die Corona-Zahlen auch in diesem Sommer nicht wirklich sinken, sieht Gesundheitsminister Laut Karl Lauterbach mit Sorge auf den Herbst. Entsprechend wurde das neue Infektionsschutzgesetz aufgesetzt, um den Ländern für die kältere Jahreszeit einen Maßnahmenkatalog an die Hand zu geben. Will man weiterhin ohne Maske leben, benötigt man eine neue Impfung. Für BioNTech sind das gut Nachrichten. Hier kann man also mit weiterem Absatz planen.

    Am 8. August standen die Halbjahreszahlen auf dem Prüfstand. Im Vorjahresvergleich wurde 30% mehr Umsatz, nämlich 9,57 Mrd. EUR, erzielt. Der Gewinn lag bei rund 5,4 Mrd. EUR, ein Plus von 37%. Auf den ersten Blick ordentliche Zahlen. Blickt man jedoch nur auf das 2. Quartal, sieht es düsterer aus. Dort fielen sowohl der Umsatz als auch der Gewinn um rund 40%. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es zu Verschiebungen bei den Aufträgen gekommen ist und diese in den kommenden zwei Quartalen ausgeliefert werden. Dementsprechend bestätigte das Management die Prognose von 13 bis 17 Mrd. EUR Umsatz für das Gesamtjahr.

    Neben den Zahlen hatte das Unternehmen auch gute Nachrichten im Gepäck. Noch im August soll eine klinische Studie zu den Impfstoffen gegen die Corona Varianten BA.4 und BA.5 beginnen. Auch die Tests bei unterschiedlichen Krebs-Therapien liefern laut BioNTech Mitgründerin Özlem Türeci vielversprechende Daten. Das Ziel ist ein Krebs-Impfstoff. Die Produktpipeline in dem Bereich ist groß. Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Präsentation und trennten sich von der Aktie. Aktuell liegt die Aktie mit 162,80 rund 8,8% im Minus. Etwas überraschend, denn die Verschiebung der Impfstoff Lieferungen war zuvor angekündigt worden.

    Defence Therapeutics – neues Patent

    Defence Therapeutics nutzt seine patentierte Accum-Wirkstoffverstärkerplattform um Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) in kranke Zellen zu transportieren. Dadurch erreichen die Medikamente eine bis zu 10-fache Wirkung. Am 8. August erhielt das Unternehmen das US Patent für konjugierte Verbindungen, die den Transport von Antikörpern zum Zellkern mittels Accum möglich machen. Durch die neue Technologie ist es beispielsweise möglich, die intrazelluläre Abgabe chemotherapeutischer Medikamente zu kontrollieren. CEO Sébastien Plouffe kommentierte: „Dieses US-Patent ist ein wichtiger Meilenstein für den Schutz des in direktem Zusammenhang mit unserem ADC-Programm stehenden kommerziellen Potenzials von Accum." Mit wichtigen ADC-in vivo-Ergebnissen sei dabei in wenigen Wochen zu rechnen. "Der Einsatz von Defence für den Schutz der Innovation ist von wesentlicher Bedeutung, da die ADC-Entwicklung rasch voranschreitet und das Interesse an der ADC-Anwendung in der Onkologie schnell zunimmt", so Plouffe abschließend.

    Neben dem ADC-Transport hat das Unternehmen zwei weitere heiße Eisen im Feuer. Da sind zum einem die Impfstoffe gegen unterschiedliche Krebsarten. Hier wurde am 25. Mai eine präklinische Studie erfolgreich abgeschlossen. 70% der Mäuse mit Tumoren konnten geheilt werden. Zum anderen ist da der neue Wirkstoff AccuTOX. Am 2. August gab das Unternehmen die Entdeckung einer neuen Funktion des Wirkstoffs zur DNA Schädigung bekannt. AccuTOX tötet Krebszellen ab indem es fehlgefaltete Proteine sammelt und freie Radikale bildet, was letztlich zu irreversiblen DNA-Schäden in den Tumorzellen führt. Ausführliche Informationen finden Sie auf researchanalyst.com.

    Bis Anfang 2023 will das Unternehmen drei Phase-1 Studien aufgesetzt haben. Der onkologische Bereich ist wirtschaftlich am interessantesten, da die Zahl der Krebserkrankungen stetig steigt. Precedence Research erwartet bis 2029 ein jährliches Wachstum von 8%. Auch der Bereich der ADCs soll laut Grand View Research bis 2030 jährlich um 16,4% wachsen. Das Unternehmen befasst sich zudem mit HPV- und Covid19-Impfstoffen. Das Potential der Technologie ist gewaltig. Trotz der guten Nachrichten ist die Aktie von über 8 CAD auf aktuell 2,12 CAD gefallen. Zuletzt konnte man einen größeren Käufer ausmachen. Schlusskurse über 2,35 CAD hellen das Chartbild deutlich auf.

    Valneva – wie geht es nach dem Covid19-Impfstoff weiter?

    Valneva hat sich auf Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten fokussiert, die einen hohen medizinischen Bedarf haben. Als Anleger denkt man vor allem an den Corona Impfstoff. Doch hier gilt die alte Binsenweisheit: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Die Zulassung des Wirkstoffs VLA2001 dauerte einfach zu lange. Nachdem die Briten schon 2021 den Liefervertrag gekündigt hatten und es Mitte Juni zu einem Vergleich kam, war die letzte Hoffnung die EU-Zulassung. Diese erhielt das Unternehmen am 24. Juni. Doch die Freude hielt nur kurz. Anstelle der ursprünglichen im Liefervertrag vorgesehenen 60 Mio. Impfdosen bestellte die EU lediglich 1,25 Mio.

    Eine Enttäuschung für das Unternehmen. Doch es gibt auch Lichtblicke. Gemeinsam mit dem Partner Pfizer arbeitet man an einem Lyme Borreliose-Impfstoffkandidaten, der im 3. Quartal in die Phase-3 Studie eintritt. Pfizer hat 90,5 Mio. EUR in Valneva investiert. Dafür erhielt Pfizer rund 8,1% der Anteile an Valneva. Das Unternehmen erhält zwischen 14 und 22% an Lizenzgebühren plus etwaige Meilensteinzahlungen. Ein weiteres Medikament bekämpft das Chikungunya-Fieber und hat die Phase-3 bereits erfolgreich abgeschlossen. Durch die Erderwärmung könnte sich der Markt vergrößern, da das Virus durch Mücken übertragen wird.

    Die Zukunft wird zeigen, wieviel Geld das Medikament gegen das Chikungunya-Fieber in die Kassen spült. Vorerst dürfte es bei Valneva ruhiger zugehen. Viel wird davon abhängen, wie erfolgreich die Phase-3 Studie zum Lyme Borreliose-Impfstoff verläuft. Die Aktie bewegt sich seit einem Monat kaum noch und notiert bei 9,90 EUR. Vor einem Einstieg sollte man auf positive Impulse warten.


    Alle drei Unternehmen haben eine breitere Produktpipeline. BioNTech kann die Forschung und Entwicklung durch die Einnahmen aus dem Impfstoffverkauf schnell vorantreiben. Defence Therapeutics hat mehrere spannende Ansätze, die alle Blockbuster Potential haben. Hier darf man auf die ersten Phase-1 Ergebnisse gespannt sein. Valneva hat momentan zwei Eisen im Feuer. Mit Pfizer steht ein namhafter Partner an der Seite des Unternehmens. Trotzdem sollte man hier vorerst abwarten.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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