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07.10.2021 | 04:44

Alibaba, Aspermont, Facebook – Cyberangriffe oder Datenlecks?

  • Big Data
  • Technologie
Bildquelle: pixabay.com

Die Börsen wackeln und die Datenflut nimmt täglich zu. Damit steigt auch der Traffic auf allen Social-Media-Kanälen. Manche von ihnen bekommen Performance-Schwierigkeiten oder müssen wegen Server-Problemen abschalten. Im Facebook-Imperium gab es jetzt in kurzer Abfolge einige Ausfälle von mehreren Stunden. Das kostete Anleger über 50 Mrd. USD Marktwert in der Facebook Aktie. Informationen sind heute das A und O an der Börse und soziale Plattformen wie etwa Reddit haben einen großen Anteil am Marktgeschehen. Wenn mal etwas nicht funktioniert, reagieren Anleger oftmals panisch und Börsen schlagen wild aus. Wir blicken auf einige Protagonisten.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: ASPERMONT LTD | AU000000ASP3 , ALIBABA GR.HLDG SP.ADR 8 | US01609W1027 , FACEBOOK INC.A DL-_000006 | US30303M1027

Inhaltsverzeichnis:


    Alibaba – Völlig aus dem Tritt gekommen

    Auch der Oktober beginnt für den Kurs der Alibaba-Aktie, wie der September aufgehört hat: mit einem neuen Tief. Der Hang Seng China Enterprises Index ist sogar auf ein neues Fünf-Jahres-Tief gefallen. Der aktuelle Abwärtstrend bleibt bärenstark bei den China-Aktien – und Hoffnung auf Besserung gibt es derzeit wenig, denn auch die großen Märkte in den USA stottern. Warum ist die Alibaba-Aktie völlig aus dem Tritt gekommen?

    Ein politisches Thema ist greifbar: Chinesische Kampflieger verletzten jüngst die neutrale Zone zu Taiwan. Wahrscheinlich wieder mal eine Provokation. Dazu all die anderen negativen oder zumindest von Anlegern negativ interpretierten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem übermächtigen Regulator. Die chinesische Führung verlangt von Alibaba & Co. mehr Transparenz und den Willen, das enorm gestiegene Aktionärsvermögen auch dem Volk zugänglich zu machen. Typisches Gedankengut, welches wir seit Jahren aus dem Reich der Mitte hören.

    Derzeit hat niemand mehr Lust, sich in diese Situation einzukaufen. Die Charts der Internetriesen zeigen nach unten und keiner erwartet eine kurzfristige Änderung. Bald jährt es sich zum ersten Mal, dass der Börsengang des Fintechs Ant vonseiten der chinesischen Regierung auf den letzten Metern gestoppt worden ist. Damit wiederum begann ein Kapitel, das für viele Tech-Akteure alles andere als positiv gewesen ist. Mit Blick auf die Alibaba-Aktie und Ant Financial können wir inzwischen sagen: Es geht um mehr als bloß die Tochtergesellschaft. Es geht um die Wurst!

    Die relative Schwäche der Aktie zum gesamten US-Techsektor ist dennoch frappierend. Der Abwärtstrend ist nicht zuletzt in seiner Ausdauer mittlerweile brutal. Das neue tief im Oktober lautet 119 EUR, das Alltime-High bei 270 EUR ist somit schon 56% entfernt. Unser Rat: Kaufen Sie den Ausbruch aus dem Abwärtstrend erst, wenn er mit 5-10% signifikant wird.

    Aspermont Ltd. – Kapitalmarktdienstleistungen Made in Australia

    Um ein ausgefeiltes Medien-Service-Modell zu entdecken, lohnt der Blick nach Australien. Dort gibt es das Unternehmen Aspermont Ltd., Medien- und Fintech-Unternehmen in einem. Das Stammgeschäft ist schon sehr alt und umfasst die Herausgabe der beiden dienstältesten, regelmäßig erscheinenden Publikationen für den Bergbau-Sektor, das Mining Journal und das Mining Magazine. Beide Druck-Publikationen gehen in ihrer Gründung auf das letzte Jahrtausend zurück und bedienen eine sehr große Leserschaft.

    Ab 2015 wandelte sich das Geschäftsmodell sehr stark in Richtung Digitalisierung und Börse. Teil dieser Strategie ist der jüngste Einstieg in den FinTech-Sektor. Die Australier verkündeten die Gründung einer Plattform zur Kapitalbeschaffung für versierte Investoren in Kooperation mit den Unternehmen Spark Plus Ltd., einer Unternehmensberatung und Spezialist für Roadshows für asiatische Unternehmen mit Büros in Singapur und Tokio, sowie International Pacific Capital, einem seit 1987 etablierten Wertpapierhändler in Sydney.

    Vor dem Einstieg ins Kapitalvermittlungsgeschäft arbeitete Aspermont am Aufbau einer 7,5 Mio. User-starken Datenbank und dem Modell XaaS (Anything-as-a-Service). Der Service richtete sich an Entscheider v.a. aus der Rohstoffwirtschaft. 2020 wurde zudem die neue Sparte Virtual Event & Exhibition (VEE) ins Leben gerufen. Zu deren Start gelang es Aspermont, über 100 neue Geschäftskunden zu akquirieren, darunter hochkarätige Unternehmen wie Dassault, Hexagon, S&P, Olympus, SAP und Honeywell. Die Strategie bestand darin, diese Unternehmen nicht nur für ein oder mehrere virtuelle Events zu gewinnen, sondern durch Bundling und Cross-Selling langfristig zu binden.

    Nach den Jahren der großen Investitionen kommt Aspermont nun langsam in die Erntephase. Aktuell arbeitet man mit einer Bruttomarge von über 60% und hatte im letzten Quartal bereits mehr als 2 Mio. AUD Gewinn erzielen können. Die Cashflows steigen kontinuierlich, weil nach langen Coronapausen auch ein gewisser Nachholeffekt in Öffentlichkeitsarbeit zu spüren ist. Hinzu kommen nun auch die Erträge aus den Finanzgeschäften mit den kapitalsuchenden Unternehmen. Mit einer ständig wachsenden Nutzerbasis steigt die Relevanz der angebotenen Informationsdienste und die Anzahl der Transaktionen. Das Ertragspotenzial dynamisiert sich mit jedem neuen Kunden, da die Kostenbasis nicht entsprechend mitsteigt.

    Der Aktienkurs hat sich in den letzten Wochen im Bereich 0,024 und 0,028 AUD seitwärts bewegt. In Deutschland gehen pro Tag teilweise bis zu 10 Mio. Aktien um. Die Story wird immer bekannter und viele neue Anleger springen auf den Zug.

    Facebook – Ausfälle kosten nicht nur Geld, sondern viele Kunden

    Schon wieder macht Facebook mit groben IT-Problemen von sich reden. Der massive Ausfall aller Facebook-Dienste Anfang dieser Woche ist verstörend und zeigt die Anfälligkeit von öffentlichen Plattformen. Was war passiert? Ein Techniker hatte mit einem simplen Befehl das Backbone-Netz abgeschaltet, eine zuständige Gate-Software hat es letztlich nicht verhindert. Wie man hört, waren Facebooks Techniker von der Nutzung spezieller Tools, die den Fehler an sich hätten beheben können, ausgeschlossen und ein Remote-Zugriff war ebenfalls nicht mehr möglich.

    Dieser erneute Blackout im Zuckerberg-Konzern sollte nicht so einfach abgetan werden, denn zum einen verlieren Facebook-Kunden wegen der vielen Offline-Zeiten immer mehr Vertrauen in den Konzern, zum anderen ist Facebook mit seinen Diensten nicht mehr allein unterwegs. Nach Markterhebungen hat der Konzern wegen der Androhung von Gebühren und der Nichteinhaltung europäischer DSGVO-Standards vor allem bei Messengerdiensten massive Einbußen auf der Mitgliederseite. Zwar steigen bei Facebook immer noch die Werbeumsätze, das Kundenwachstum hat sich aber dramatisch verringert. In der ersten Welle Mitte 2021 sind über 25 Mio. WhatsApp-Nutzer in einer Woche zu Telegram gewechselt. Das kann sich wiederholen.

    Die Facebook-Aktie hatte nach dem Vorfall knapp 6% oder rund 55 Mrd. USD an Marktkapitalisierung verloren. Trotzdem ist die Aktie nicht mal „teuer“, denn Facebook wächst mit 30% p.a. und ist mit einem KGV von 24 bewertet. Dennoch: Der Kurs sollte im aktuellen Chart nicht unter 315 USD fallen, sonst beschleunigt sich der Abverkauf. Vorsicht ist für Haussiers also geboten.


    Unternehmen, die ihr Geschäft mit Kundendaten machen, sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Facebook und Alibaba sind zwei typische Big Data-Konzerne, die wenig transparent, aber für ihre Anleger sehr erfolgreich wirtschaften. Aspermont Ltd. ist in einer Nische für Investoren und Unternehmen gleichermaßen tätig. Die Krux liegt an der Verknüpfung der medialen Dienste mit den Finanzierungs-Möglichkeiten der Kapitalmärkte.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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