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09.09.2021 | 04:24

Royal Dutch Shell, Saturn Oil + Gas, Steinhoff: Von 17 auf 51 – Verdreifacher gesucht!

  • Öl
  • Gas
Bildquelle: pixabay.com

Die Aktienanlage besteht in einem Streben nach Rendite für das eingesetzte Kapital. In den letzten Monaten gab es sehr viele Titel, die sich im Kurs verzehnfachen konnten. Nur wenige Anleger hatten aber ausdauernd daran geglaubt. Schraubt man seine Ziele etwas herunter und bleibt immer noch bei einer ordentlichen Gewinnerwartung, könnte auch ein Verdreifacher große Freude bereiten. Wir blicken auf drei Werte, die heute bei knapp 17 stehen und überlegen in Ruhe, ob auch eine 51 möglich sein kann. Unmöglich sagen Sie? Möglich sagen wir!

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: SATURN OIL+GAS O.N. | CA80412L1076 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , ROYAL DUTCH SHELL B EO-07 | GB00B03MM408 , STEINHOFF INT.HLDG.EO-_50 | NL0011375019

Inhaltsverzeichnis:


    Royal Dutch Shell – Bei 17 Euro gerade mal am Buchwert

    Einer der größten privaten Ölgesellschaften ist die britisch-niederländische Royal Dutch Shell (RDS). In der ersten Pandemie-Abwärtsbewegung in Q2-2020 fiel der Aktienkurs auf etwa 10 EUR, denn durch die weltweiten Lockdowns wurde ein starker Einbruch in der Konjunktur erwartet. In diesem Quartal produzierte RDS einen Verlust von 18 Mrd. USD. Mit dem deutlichen Anstieg der Preise für Öl und Gas schreibt Shell inzwischen wieder deutlich schwarze Zahlen, wenngleich die seit der Pandemie gestörten Lieferketten noch immer nicht die alten Absatzniveaus ermöglichen. Der Nettogewinn drehte aber schon mal wieder auf ein Plus von 3,4 Mrd. USD, damit kann Shell auch wieder höher ausschütten und an die Schuldentilgung denken.

    Die US-Bank JPMorgan hat ihre Einstufung für Shell auf "Overweight" mit einem Kursziel von 2.200 Pence, umgerechnet 25,60 EUR, belassen. Anleger sollten im europäischen Ölsektor optimistisch auf das dritte Quartal blicken, schreibt Analyst Christyan Malek in einer jüngsten Branchenstudie. Die A-Aktie des Ölriesen konnte vom Oktobertief bereits 70% zulegen und konsolidiert nun schon seit vier Monaten an der 17 EUR-Marke. Einen Verdreifacher wird es bei RDS vermutlich nicht geben, aber mit einer Kurs-Buch-Ratio von 1, einem KGV von 8 und einer Dividendenrendite von 4% stehen die Karten gut für eine mittelfristige Aufwertung.

    Saturn Oil & Gas – Bei 0,17 CAD sind plus 200% kein Hexenwerk

    Wer sich auf die Suche nach Unterbewertung begibt, wird im Fall der Saturn Oil & Gas aus Calgary eher fündig. Die noch zu Beginn 2021 relativ kleine Gesellschaft hat zur Jahresmitte einen Megadeal geschafft und übernahm die mit 6.700 Barrel Tagesproduktion 20-mal so große Oxbow-Liegenschaft.

    Wegbereitend für diese Übernahme war natürlich der in 2020 fortwährend tiefe WTI-Preis zwischen 30 und 50 USD je Barrel. Damit haben die Diskontierungsmodelle einen moderaten Kaufpreis ermöglicht, die vollzogene Akquisition hat aus Saturn Oil & Gas nun ein völlig neues Unternehmen gemacht, mit hohen Cashflows und einer dauerhaften Möglichkeit der Eigenfinanzierung von Projekten. Der Deal kostete Saturn Oil & Gas zwar 93 Mio. CAD, bringt aber riesige Ölvorräte und ein gewaltiges Fördervolumen vom Start weg mit. Durch die noch nicht erschlossenen Bohrfelder bestehen für die nächsten Jahre auch gute Möglichkeiten einer Regenerierung der Förderleistung.

    Saturn Oil & Gas besitzt nun ein Bohrgebiet von 30 qkm. Dort befinden sich 350 Bohrlöcher, davon zählen wir 260 gebuchte Standorte mit zertifizierten Reserven. Die nachgewiesenen oder wahrscheinlichen Reserven in diesem Gebiet liegen bei 43 Millionen Barrel. Das entspricht in heutigen Preisen einem undiskontierten Wert von 2,8 Mrd. USD.

    Aus der täglichen Fördermenge, den genannten Reserven und einem derzeitigen Gewinn je Barrel von rund 30 CAD ergibt sich ein gewaltiges Gewinnpotential für die nächsten Jahre, denn schon bis Mitte 2023 sollen die Verbindlichkeiten aus der Übernahme abgebaut sein. Mit der aktuellen Förderrate werden die Schulden bis Ende 2022 schon um 70 Mio. CAD gesenkt sein, das entspricht etwa 60% der bestehenden Ausleihungen. Ein erheblicher Teil der Finanzplanung stützt sich auf getätigte Terminverkäufe, somit ist auch der Eintritt des bilanziellen Quantensprungs bereits gut berechenbar.

    Die Börse hatte in den letzten Wochen die Finanzierungs-Details offenbar erst evaluieren müssen, der wirkliche Wert der neuen Gesellschaft tritt aber nun zu Tage. Mit einem Preis von 0,17 CAD ist die Saturn-Marktkapitalisierung bei 85 Mio. CAD angelangt, sowohl die Sum-of-the-Parts-Bewertung als auch die Diskontierung der zukünftigen Finanzmittelüberschüsse liefern aber einen inneren Wert je Aktie von ca. 0,50 CAD, das entspräche einem Marktwert von 255 Mio. CAD. Wer also mit dem spitzen Bleistift rechnet, bekommt hier den Verdreifacher auf dem Tablett serviert. Die Saturn-Aktie ist in beliebiger Größenordnung äußerst liquide mit Tagesumsätzen von 3-7 Mio. Stück handelbar.

    Steinhoff International – 17 Cent und starke Schwankungen

    Zuletzt noch zu einem hochliquiden Nebenwert, der nun eigentlich seit gut drei Jahren als Insolvenzpapier an der Börse gehandelt wird. Es dreht sich um den Möbel-Retailer Steinhoff International mit Sitz in Südafrika. Noch immer gibt es bei dem deutsch-südafrikanischen Konzern Streit mit den verschiedenen Gläubigergruppen. Das Hin und Her nähert sich nun aber wohl dem Ende und der neblige Schleier, wie und ob es mit dem Unternehmen weiter geht, lichtet sich zunehmend.

    Die im Umlauf befindlichen 4,27 Mrd. Aktien des Unternehmens schwanken derzeit sehr heftig, denn die für den 03.09.2021 geplante Gläubigerversammlung über einen Vergleichsvorschlag, mit denen der Konzern Streitigkeiten aus dem milliardenschweren Bilanzierungsskandal beilegen will, hat sich erneut um ein paar Tage verschoben. Der Vorschlag hat in Sondierungsgesprächen unter einigen Finanzgläubigern bereits Zuspruch erhalten, muss aber nun durch Abstimmung aller geladenen Anspruchsinhaber noch offiziell ratifiziert werden. Doch es gibt ständig neue Vetos verschiedener Interessensgruppen. Falls bei der dritten Versammlung dem Vergleichsvorschlag zugestimmt wird, ist der Fortbestand des operativen Geschäfts mittelfristig erst mal gesichert. So weit, so gut!

    Der Kurs setzte in den letzten Tagen zum Steigflug an und sprang von 0,12 auf über 0,20 EUR, dann wieder runter auf 0,07 und zuletzt pendelte er um 0,17 EUR. Trotz Euphorie ist zu bedenken, dass Steinhoff in den letzten Jahren höchst defizitär gewirtschaftet hat und die Fundamentaldaten immer noch allesamt äußerst schwach sind. Und immerhin liegt die Marktkapitalisierung bei über 700 Mio. EUR. Ob hier ein schneller Verdreifacher auf 0,51 EUR lauert, überlassen wir getrost den vielen Spekulanten, die bei jeder Einladung zur Gläubigerversammlung erneut aus dem Häuschen geraten. Steinhoff ist und bleibt ein Casino-Papier!


    Die hier betrachteten Werte bieten ein differenziertes Spektrum an Möglichkeiten. Royal Dutch Shell ist in solider Dividendenwert. Steinhoff ist ein höchst spekulatives Lotterie-Los auf bessere Zeiten. Bei der Saturn Oil & Gas liegen die Fakten in bester Manier auf dem Tisch und die Story muss nur noch loslaufen. Unter den drei genannten Unternehmen ist es daher der klare Verdreifachungs-Kandidat.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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