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10.11.2022 | 05:05

Plug Power nach den Horror-Zahlen und was machen Varta und Altech Advanced Materials?

  • Elektromobilität
  • Batterie
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  • Brennstoffzellen
Bildquelle: pixabay.com

Klimawandel, hohe Gas- und Ölpreise und die Abhängigkeit von „schwierigen“ Energielieferanten: Es gibt viele Gründe warum Wasserstoff und Elektromobilität zu den unbestrittenen Zukunftsthemen gehören. Entsprechend beliebt sind Aktien aus diesen Branchen bei Anlegern. Zu den Favoriten gehört Plug Power. Die Amerikaner haben mit ihren aktuellen Quartalszahlen (erneut) enttäuscht, dennoch kann die Aktie zulegen und auch Analysten äußern sich positiv. Positiv läuft es derzeit auch beim Batteriespezialisten Altech Advanced Materials. So nimmt die Kooperation mit Fraunhofer im Bereich der Festkörperbatterien Formen an. Dagegen arbeitet Varta derzeit an einer Bodenbildung, aber Analysten raten zum Verkaufen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: ALTECH ADV.MAT. NA O.N. | DE000A2LQUJ6 , VARTA AG O.N. | DE000A0TGJ55 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power: Analysten weiterhin zuversichtlich

    Plug Power schreibt weiterhin Verluste. Der Wasserstoff-Spezialist hat im dritten Quartal 2022 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 143,9 Mio. USD auf 188,63 Mio. USD gesteigert. Allerdings wurde auch der Verlust deutlich ausgebaut. So entstand in Q3 -170,8 Mio. USD. Im Vorjahresquartal waren es immerhin „nur“ -106,67 Mio. USD. Dies entsprach einem Verlust je Aktie (unverwässert) von 0,30 USD (Vorjahr: 0,19 USD). In den gesamten ersten neun Monaten des Jahres sieht es nicht viel besser aus. Einem Umsatz von 480,7 Mio. USD stand ein Nettoverlust von 500,5 Mio. USD gegenüber. Dem Unternehmen machen weiterhin Lieferkettenprobleme zu schaffen. Entsprechend gab die Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen im nachbörslichen Handel in den USA zunächst deutlich nach. Im regulären Handel hielt sie sich gestern jedoch gut. Anleger glauben weiterhin an die Zukunftsperspektiven.

    So betonte das US-Unternehmen, dass es sich derzeit nicht um ein Nachfrageproblem handelt, sondern dass dies größtenteils auf Verzögerungen aufgrund der Lieferkette und des Timings einiger großer Projekte zurückzuführen sei. Entsprechend optimistisch ist man für das kommende Jahr. In 2023 soll der Umsatz auf 1,4 Mrd. USD steigen und die Marge verbessert werden. In einer ersten Reaktion geben sich die Analysten von RBC Capital zufrieden. Zumindest empfehlen sie die Aktie von Plug Power weiterhin zum Kauf. Das Kursziel wurde allerdings von 24 auf 20 USD reduziert. Derzeit notiert das Wertpapier knapp über 16 USD. Die Marktkapitalisierung liegt bei stolzen 8,3 Mrd. USD.

    Altech: Mit Fraunhofer zum neuen Batteriestandard?

    Von einer Milliardenbewertung ist die Altech Advanced Materials AG zwar noch weit entfernt. Doch sollten man tatsächlich die gesteckten Ziele erreichen, wäre dies in Zukunft nicht unmöglich. Immerhin möchte das Unternehmen mit Sitz in Heidelberg einen neuen Standard bei Lithium-Ionen-Batterien für die Elektromobilität setzen. Mit Hilfe einer neuen Beschichtungstechnologie sollen die bisher üblichen Kapazitätsverluste von Batterien durch das Aufladen verhindert werden. Der Bau der Pilotanlage in Sachsen läuft bereits und auch die Patentanmeldungen für die Silumina AnodeT Technologie sind in den Kernmärkten erfolgt. Künftig will Altech auch im Bereich der Festkörperbatterien für den stationären Batterieeinsatz mitmischen.

    Für die Produktion von Batteriepacks, speziell für die Nutzung im Bereich der Erneuerbaren Energien und Netzinfrastruktur, wurde ein Batterie-Joint-Ventures mit Fraunhofer gegründet. Inzwischen hat Altech Gespräche mit potenziellen Großkunden geführt und ein Anforderungsprofil für seine CERENERGY Natrium-Aluminiumoxid-Festkörperbatterien erstellt. Die Batteriepacks ABS60 (60kWh) werden eine Spannung von 620 Volt und 100 Amperestunden (Ah) haben und somit exakt den Anforderungen eines leistungsstarken industriellen Netzspeichers entsprechen. CERENERGY-Batterien sind feuer- und explosionssicher, haben eine Lebensdauer von mehr als 15 Jahren und funktionieren effizient in extrem kalten und wüstenartigen Klimazonen ohne zusätzliche Kühlung oder Wärmezufuhr. CERENERGY Batterietechnologie verwendet Kochsalz und ist frei von Lithium, Kobalt, Graphit und Kupfer, was die Abhängigkeit von Metallpreisen und Probleme in der Lieferkette kritischer und immer knapper werdender Rohstoffe eliminiert. Altech geht davon aus, dass der Markt für Netzspeicher in den kommenden Jahrzehnten jährlich um ca. 28% wachsen und im Jahr 2027 ein Volumen von 15,1 Mrd. USD erreichen wird – Tendenz weiter steigend. Das Werk in Sachsen soll eine Jahreskapazität von 100 MWh haben und die ABS60-Batteriepacks sollen zum Standardprodukt für den europäischen Markt für Netzspeicher speziell mit Erneuerbaren Energien werden. Fraunhofer schätzt, dass die Kosten für die Herstellung von CERENERGY-Batterien rund 40% niedriger gegenüber den aktuell genutzten Lithium-Ionen-Batterien liegen werden.

    Varta: Kursziel 21 EUR?

    Varta gehört sicher zu den Enttäuschungen des Jahres. Der viel gelobte Batterie-Spezialist kommt bei seiner Expansion in den Bereich Elektromobilität nicht richtig voran und inzwischen schwächelt auch noch das Kerngeschäft mit Micro-Batterien. Entsprechend ist die Aktie von rund 120 EUR zum Jahresanfang auf unter 30 EUR abgestürzt. Derzeit läuft eine Bodenbildung bei knapp unter 30 EUR. Doch die Analysten von Warburg machen wenig Hoffnung auf eine schnelle Erholung. Ganz im Gegenteil. Auch auf dem aktuellen Niveau empfehlen sie die Varta-Aktie zu verkaufen. Ihr Kursziel liegt bei 21 EUR. Das Unternehmen benötige erhebliche liquide Mittel für die notwendigen Investitionen für den Aufbau von Kapazitäten für die Produktion seiner V4Drive-Batterien für Elektroautos. Gleichzeitig sei dieser Bereich mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Es gebe weiterhin weder Neukunden noch einen Partner. Und auch wie profitabel dieser Bereich für Varta sein werde, sei ungewiss. Am 15. November wird Varta die Zwischenmitteilung zum dritten Quartal veröffentlichen. Ob es dann einen konkreteren Ausblick gibt, wäre wünschenswert, aber ist fraglich.


    Bei Aktien im Bereich der Erneuerbaren Energien setzen Anleger auf die Zukunft. Dass man auch bei einer hohen Nachfrage, hohe Verluste erzielen kann, zeigt derzeit Plug Power. Im kommenden Jahr muss das Unternehmen aber endlich die Verluste in den Griff bekommen. Sollte Altech Advanced Materials die Pilotanlage erfolgreich erreichten und Kunden überzeugen, wäre die aktuelle Bewertung von 10 Mio. EUR alles andere als hoch. Bei Varta drängt sich ein Kauf auch auf dem aktuellen Niveau nicht auf. Dafür hat das Unternehmen zu oft enttäuscht.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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