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10.05.2023 | 05:05

Panik bei Plug Power Aktie: Wasserstoffspezialisten Nel und First Hydrogen überzeugen

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Bildquelle: pixabay.com

Trennt sich im Wasserstoffsektor die Spreu vom Weizen? Den Eindruck konnte man in den letzten Wochen gewinnen. Zunächst überzeugte Nel mit seinen Quartalszahlen. Die Norweger bekommen ihre Margen endlich in den Griff und bauen in den USA die nächste Gigawatt-Fabrik. Auch First Hydrogen investiert in Nordamerika. In Kanada soll ein neuer Standort für die Produktion von Wasserstoff und Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen entstehen. Dagegen brennt bei Plug Power die Hütte. Die US-Amerikaner haben mit ihren Quartalszahlen am Montagabend enttäuscht. Zudem wurden Kapitalmaßnahmen angekündigt. Die Aktie brach gestern im deutschen Handel um fast 10 % ein.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042

Inhaltsverzeichnis:


    First Hydrogen baut in Kanada

    Kürzlich hatten die Experten von researchanalyst.com darauf hingewiesen, dass der Kursrutsch der vergangenen Wochen bei First Hydrogen eine Chance ist, beim Wasserstoff-Highflyer der vergangenen Monate einzusteigen Link zur Studie. Und sie scheinen recht zu behalten. Getrieben von positiven Nachrichten aus der Branche und vom Unternehmen selber, läuft der Rebound.

    Das wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeug der 1. Generation von Hydrogen mit einer Reichweite von über 500 km wird derzeit von Rivus getestet. Zur Einordnung: Als Flottenmanager verwaltet Rivus in England rund 85.000 leichte Nutzfahrzeuge. Allein durch die Briten könnte First Hydrogen das Ziel, bis 2025/2026 zwischen 10.000 und 20.000 Einheiten des Utility Vans abzusetzen, locker erreichen. Dabei wird das Brennstoffzellenfahrzeug von weiteren internationalen Kunden getestet.

    Gleichzeitig legt das Unternehmen die Basis für den Aufbau eines Öko-Systems rund um Wasserstoff. So hat das First Hydrogen in der kanadischen Stadt Shawinigan zwei Grundstücke gekauft. Dort soll zum einen die eigene Produktionsanlage für bis zu 35 MW grünem Wasserstoff errichtet werden. Dieser soll dann nicht nur für die Versorgung der von First Hydrogen angebotenen leichten Nutzfahrzeuge (LCV) dienen, sondern auch an andere Wasserstofffahrzeuge verkauft werden. First Hydrogen wird also künftig Fahrzeughersteller und Kraftstoffanbieter in einem sein. Am neuen Standort Shawinigan sollen auch die leichten Nutzfahrzeuge von First Hydrogen für den nordamerikanischen Markt produziert werden, in Kombination mit dem Hydrogen-as-a-Service-Produktangebot des Unternehmens. Das Montagewerk wird bei voller Auslastung für eine Jahresproduktion von 25.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt sein.

    First Hydrogen CEO Balraj Mann: "Shawinigan ist für uns der ideale Ort, um ein Wasserstoff-Ökosystem aufzubauen. Die Stadt und die Region sind sehr gut positioniert und verfügen über reiche, erneuerbare Energieressourcen, sich entwickelnde Industriegemeinden und eine wachsende grüne Energiewirtschaft. Es wird auch sehr wichtig sein, eng mit dem regionalen Bildungsnetzwerk zusammenzuarbeiten, um die für die Zukunft erforderlichen Kompetenzen zu schaffen. Wir sind sehr froh, dass Investissement Québec uns Shawinigan empfohlen hat, und wir gehen davon aus, dass unsere gemeinsamen Projekte letztlich hunderte von Arbeitsplätzen in der Region schaffen werden."

    Nel: Margen im Griff und Expansion in den USA

    Bei Nel läuft es operativ wieder besser. Zunächst hatten die Quartalszahlen positiv überrascht. Im Anschluss bestätigte unter anderem Goldman Sachs die Kaufempfehlung und hob das Kursziel leicht auf 21 NOK an. Die norwegischen Wasserstoffspezialisten hätten die Erwartungen übertroffen. Die Margen würden sich spürbar verbessern und der Auftragsbestand sei auf Rekordniveau.

    Und die Norweger investieren weiter kräftig. Im US-Bundesstaat Michigan will das Unternehmen eine automatisierte Gigawatt-Elektrolyseur-Fabrik errichten. Dies kündigte Nel auf dem SelectUSA-Investitionsgipfel in der US-Hauptstadt Washington an. Im Endausbau solle die Anlage in Michigan eine Produktionskapazität von bis zu 4 GW an alkalischen und PEM-Elektrolyseuren haben. In Zukunft wird Nel auf seinem vollautomatischen Konzept zur Herstellung alkalischer Elektrolyseure aufbauen, das auf Heroya in Norwegen entwickelt wurde. Vor Ort wollen die Norweger rund 400 Mio. EUR investieren. Zuvor seien eine Vielzahl von möglichen Standorten geprüft worden.

    "Die Entscheidung für Michigan basiert auf einer Gesamtbewertung dessen, was der Staat in Bezug auf finanzielle Anreize, Zugang zu hochqualifizierten Arbeitskräften und Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und strategischen Partnern bieten kann. Hervorzuheben ist auch das persönliche Engagement von Gouverneurin Whitmer und ihrem kompetenten und serviceorientierten Team", so Hakon Volldal, CEO von Nel.

    Volldal betonte, dass auch die kurze Entfernung zu General Motors mit Hauptsitz in Detroit eine wichtige Rolle bei der Wahl des Bundesstaates gespielt habe. Die beiden Unternehmen arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung und Verbesserung der PEM-Elektrolyseur-Technologie von Nel.

    "Die neue Anlage von Nel in der Nähe unseres HYDROTEC-Entwicklungsstandortes im Südosten Michigans wird uns helfen, unsere Zusammenarbeit im Bereich der Elektrolyseure schneller voranzutreiben", sagt Charlie Freese, Geschäftsführer von HYDROTEC bei GM. "Diese Technologie ist entscheidend, um die Kosten zu senken und gleichzeitig eine nachhaltigere Wasserstoffversorgung zu schaffen."

    Plug Power: Nach hohem Verlust mit Kapitalbedarf

    Plug Power hat am Montagabend Zahlen für das erste Quartal 2023 veröffentlicht und enttäuscht. Der Verlust ist höher als erwartet und auch die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2023 erreicht nicht die Erwartungen der Analysten.

    Plug Power hat im ersten Quartal 2023 den Umsatz von 141 Mio. USD auf 210 Mio. USD gesteigert. Leider legte auch der Verlust deutlich zu. Und zwar von 156,5 Mio. USD bzw. 0,27 USD je Aktie auf 206,6 Mio. USD bzw. 0,35 USD je Aktie. Für das Gesamtjahr 2023 prognostizierte Plug Power einen Umsatz von 1,2 Mrd. USD bis 1,4 Mrd. USD. Laut Bloomberg liegt dies deutlich unter den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 2,04 Mrd. USD. Plug Power führt den hohen Verlust auf erhöhte Wasserstoffmolekülkosten in Verbindung mit historisch höheren Erdgaspreisen und anhaltenden Lieferunterbrechungen zurück.

    Bei dem Verlust nicht überraschend – Plug Power braucht frisches Kapital. Man prüfe derzeit mehrere Quellen für kostengünstiges und nicht verwässerndes Kapital und die zweite Phase der Due Diligence mit dem Büro für Kreditprogramme des US-Energieministeriums laufe. Zudem würde es Gespräche mit Banken für ein Asset-Backed-Darlehen geben.


    Wasserstoff wird ein ganz wichtiger Teil im Energiemix sein. Welche Unternehmen davon profitieren steht jedoch noch nicht fest. Doch es trennt sich die Spreu vom Weizen. Während Nel die Marge in den Griff zu bekommen scheint, brennt bei Plug Power die Hütte. Die Verluste steigen deutlich. Man hat die Lieferketten weiterhin nicht unter Kontrolle und braucht auch noch frisches Kapital. Dagegen läuft es bei First Hydrogen rund. Die Fahrzeuge der 1. Generation werden getestet und hoffentlich bald bestellt. Die 2. Generation ist bereits in der Entwicklung und man will künftig auch selber Wasserstoff produzieren. Dabei sind die Kanadier deutlich günstiger bewertet als Nel und Plug Power.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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