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15.10.2021 | 04:44

Newmont Corp, Triumph Gold, Lufthansa, TUI – Dramatische Wende im Kurs!

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Bildquelle: pixabay.com

Gold und Silber drehen signifikant ein, Lufthansa und TUI haben ihre großen Kapitalerhöhungen durchgezogen – wie geht es hier weiter? Wenn auch die großen Indizes im Oktober eine starke Korrektur erlebten, gestern gab es in mehrfacher Hinsicht eine dramatische Wende. Die Volatilität als Schwankungsindikator kam in den letzten Tagen sogar so stark zurück, dass sie wieder unter den Schwellenwert von 20 fiel. Dieser Indikator zeigt, dass der Absicherungsbedarf wohl schwindet, d.h. das Interesse der Anlegergemeinde eher wieder nach oben gerichtet ist. Doch die Inflation kann der Party noch einen Strich durch die Rechnung machen – das wäre aber wiederum ein Kaufargument für die Edelmetalle! Wir richten unseren Blick auf einige Turnaround-Kandidaten.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: TRIUMPH GOLD CORP. | CA8968121043 , NEWMONT CORP. DL 1_60 | US6516391066 , TUI AG NA O.N. | DE000TUAG000 , LUFTHANSA AG VNA O.N. | DE0008232125

Inhaltsverzeichnis:


    Newmont Corporation – Nach 25% Korrektur wieder nach oben

    Von allen großen Goldwerten hat der Branchenprimus Newmont Corporation am wenigsten korrigiert. Denn das Produktionsportfolio ist weltweit gestreut und wirft rund 8 Mio. Unzen Gold pro Jahr ab. Dieser natürliche Hedge über den Globus ist sehr wichtig, denn in manchen Jurisdiktionen führen politische Veränderungen zu Stimmungsumschwüngen oder sogar neuen Abgaben, die so in der Planung nicht vorgesehen waren.

    Bislang galten die USA und vor allem der Bundesstaat Nevada, in dem auch Bergbau-Riesen wie Newmont Mining und Barrick Gold tätig sind, als eine der bergbaufreundlichsten Regionen. Ein neues Gesetz des US-Repräsentantenhauses könnte dies nun ändern, denn seit dem Jahr 1872 hat sich am Bergbaugesetz wenig geändert. So zahlen Hartgestein-Minen, im Gegensatz zu Öl-, Gas- und Kohleunternehmen, keine Lizenzgebühren an den Staat und vermeiden damit oft auch die Haftung für Umweltrisiken.

    Ähnlich wie in Chile soll der US-Bergbau, welcher durch die stark gestiegenen Rohstoffpreise profitiert, enger in die Mangel genommen werden. Frühere Anläufe der Demokraten blieben wegen fehlender Kongressunterstützung ergebnislos. Die jetzt erstmals in den USA zu erhebenden Lizenzgebühren auf inländische Hartgestein-Minen würden eine Abgabe von 8% auf neue Minen und 4% auf bestehende Minen vorsehen. Diese sollen jeweils auf die Bruttoeinnahmen erhoben werden.
    Besonders der Goldbergbau wäre stark negativ betroffen, wenn das Gesetz in seiner dilettantisch ausgearbeiteten Form vom Kongress verabschiedet würde. Immerhin sind die USA der viertgrößte Goldproduzent der Welt mit einem Marktanteil von rund 10%. Die größte Produktion kommt aus dem „Goldstaat" Nevada, in dem sich auch alle Kerngebiete von Newmont und Barrick befinden. Diese würden eine Belastung von 20-40% auf ihrer Nettomarge verkraften müssen, käme das Gesetz durch den Kongress.

    Es ist also nicht nur der schwache Goldpreis, der auf die Stimmung drückt. Auch das Begehren der Politiker, ihre grüne Politik über Steuern zu finanzieren, könnte die Minenbetreibe belasten. Wer also darauf setzt, dass so etwas niemals verabschiedet wird, kauft die analytisch günstige Newmont in sein Standard-Portfolio. Der Hebel zum Goldmarkt liegt bei dieser Aktie bei etwa 5.

    Triumph Gold – Ein Vorzeigeprojekt im Yukon-Gebiet

    Wer neben den Standardwerten auch besondere Gelegenheiten für den Edelmetallsektor sucht, blickt auf die Aktie der Triumph Gold Corp., einem aus Kanada stammenden Explorer, der sich auf einige Liegenschaften im Yukon-Territorium konzentriert. Das Vorzeigeprojekt beherbergt drei erstklassige Mineralvorkommen im ausgedehnten Abschnitt der Big Creek-Verwerfungszone. Die aktuellen Bohrungen laufen seit Ende Juni und insgesamt ist eine Länge von 8.000m in vier verschiedenen Zonen vorgesehen. Zusätzlich sollen auf 100km Bodenvermessungen und Bodenproben sowie Oberflächenschürfungen vorgenommen werden. Die Such-Algorithmen werden seit Mitte des Jahres auch mittels künstlicher Intelligenz unterstützt, dies verbessert die datengestützte Treffergenauigkeit im Zielgebiet erheblich.

    Newmont ist schon ein wohlbekannter Aktionär von Triumph Gold und betreibt in unmittelbarer Nachbarschaft sein Coffee-Creek-Projekt. Auch die vorhandene Infrastruktur kommt beiden Unternehmen zu gute. In 2021 sicherte sich Triumph zusätzlich das Grundstück Big Creek, welches Gold und industriell förderbares Kupfer beherbergen soll. Historisch konnten bereits viele Erfolge innerhalb der Dawson Range nachgewiesen werden, vor allem in Gold und Kupfer.

    Aktuell werden die Ressourcen mit 2 Mio. Unzen Gold und Kupfer beziffert. Als der Goldpreis in 2020 Jahr auf über 2.000 USD schoss, notierte die TIG-Aktie im Hoch bei 0,48 CAD. Aktuell hat der Junior-Explorer eine niedrige Kapitalisierung von 18,5 Mio. CAD. Angesichts hoher Inflationszahlen ist der Goldwert im Bereich 0,12-0,15 CAD eine interessante Beimischung mit gutem Hebel.

    Lufthansa und TUI – Viel neues Geld in die Kassen

    Lufthansa und TUI haben es geschafft, noch einmal kräftig Geld bei ihren Anlegern einzusammeln. Im Falle von Lufthansa zahlt die Kranichlinie mehr als 50% der staatlichen Krisenhilfe im Jahr 2021 zurück. Mehrere Staaten in der EU hatten der Lufthansa Überbrückungskredite in Milliardenhöhe während der Hochzeit der Corona-Pandemie gewährt. Diese sind nun froh, durch das zufließende Eigenkapital ausgelöst zu werden.

    Lufthansa hat durch die Platzierung neuer Aktien 2,16 Mrd. EUR eingenommen. Beim Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ging eine sofortige Überweisung von 1,5 Mrd. EUR ein. Den verbleibenden Kredit i.H.v. 1,0 Mrd. EUR will die Airline noch vor dem Jahreswechsel tilgen. Der WSF hat seit August seine Aktienbeteiligung an der Lufthansa von 20 auf aktuell noch 14,1 % reduziert, die Kapitalerhöhung ging der Fonds nur zum Teil mit.

    Auch die TUI hat ihre 1,1 Mrd. EUR-Kapitalerhöhung erfolgreich am Markt platzieren können. Da dies aber nicht ausreicht, um die Bilanz ausreichend zu stabilisieren, versilberte der Reisekonzern erneut eine Hotelbeteiligung. Konkret verkaufte der Reiseveranstalter seine 100-Prozent-Tochter Nordotel an das Joint Venture Grupotel, an der die Hannoveraner mit der spanischen Hoteliers-Familie Ramis mit jeweils 50%-Anteil beteiligt sind. Mit diesem Schritt will TUI seinen Verschlankungs-Prozess fortsetzen und die Komplexität im Konzern weiter senken.

    Sowohl die Lufthansa als auch die TUI stehen bei den Analysten derzeit nicht hoch im Kurs. Meist sind genau diese Zeiten schlechter Stimmung markante Wendepunkte in der Kursentwicklung. Wer also die Risiken nicht scheut und spekulativ orientiert ist, kann sich bei beiden Charts nahe den 3-Jahres Tiefststände engagieren. Ob der Deal aufgeht oder nicht, liegt wohl vor allem am weiteren Pandemie-Verlauf und den zukünftigen politischen Weichenstellungen im Umgang mit der neuen Volksgrippe.


    Schwierige politische oder wirtschaftliche Situationen drücken die Preise für die betroffenen Branchen. Während die Rohstoff- und Energiepreise weltweit explodieren, gibt es Reiseveranstalter, Fluglinien und Edelmetall-Werte im 12 Monats-Vergleich wieder deutlich billiger. Die hier besprochenen Titel sind chancenreich, verfügen aber über ein hohes Risiko-Profil. Triumph Gold kann sich mit entsprechenden Funden vervielfachen, das wird man mit dem Standardwert Newmont Corp. vermutlich nicht schaffen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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