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17.03.2021 | 04:50

Lufthansa, H+M, Metro, RYU – Kurz vor dem Abheben!

  • Bekleidung
Bildquelle: pixabay.com

Nun verzögert sich die Impf-Strategie erneut, weil der Astra Zeneca-Wirkstoff wieder in den Fokus der Experten des Paul-Ehrlich-Instituts geraten ist. Sollten tatsächlich Blutgerinnungsstörungen nachgewiesen werden, könnte das die deutsche Impf-Strategie noch weiter ins Hintertreffen geraten lassen. Derzeit sind gerademal 7,9% der Deutschen einmal geimpft, über den Vollschutz verfügen erst rund 3% der Bevölkerung. Die Hoffnungen des deutschen Einzelhandels – und Touristikgewerbes liegen in einer schnellen Flächenimpfung, um das wirtschaftliche Leben wieder normalisieren zu können. Wir blicken auf einige Protagonisten.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: André Will-Laudien
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Lufthansa – Mallorca Buchungen gehen durch die Decke

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Das war eine Bombenmeldung vor Ostern: Mallorca ist kein Risikogebiet mehr! Dank einer progressiven Vorgehensweise des RKI darf nach Mallorca wieder ohne Einschränkungen gereist werden, wenn die Urlauber sich testen lassen. Die Lufthansa verzeichnete innerhalb von 48 Stunden einen sprunghaften Anstieg der Buchungen, innerhalb der letzten 2 Wochen sind 80% mehr Buchungen für Mallorca eingegangen. Bei den Kanarischen Inseln beträgt das Plus 20% Prozent, auch hier ist die Risikosituation scheinbar im Griff.

Insgesamt sind nun vor allem Flugziele in Spanien sehr gefragt. Die Lufthansa erhöhte vor diesem Hintergrund zahlreiche Kapazitäten, für Mallorca bedeutet dies anstatt zwei wöchentlicher Flüge ab München, dass künftig bis zu elf Verbindungen angeboten werden. Die Lufthansa-Tochter Eurowings spricht von Buchungen in einer bisher nicht gekannten Dynamik, unter dem Strich ist Mallorca damit doppelt so beliebt wie im Jahr 2019. Man kann nur hoffen, hier nicht den nächsten Hotspot alla Ischgl heranzuziehen. Warum vor diesem Hintergrund die deutschen Hotels mit Sperre dotiert werden, ist wohl allen unverständlich, aber in Mallorca ist es vermutlich viel einfacher die Sicherheitsregeln einzuhalten – den deutschen Hoteliers wird dieses Zugeständnis aberkannt. So ist die Politik!

Auf den Kurs schlägt das Plus bei der Lufthansa in einem Monat mit 11,8% Prozent zu Buche. Bei Ständen über 12 EUR wird die Luft allerdings dünn, denn hier werden wohl schon die Gewinne der Jahre 2023 bis 2026 bewertet.

H&M – Temporäre Filialöffnungen lassen hoffen

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Das hätte bei H&M besser laufen können! Aufgrund der vielen Filialschließungen hat H&M wieder einmal ein hartes Quartal hinter sich. Dennoch sah der schwedische Bekleidungsriese in der ersten Märzhälfte kleinere Zeichen der Erholung. Im ersten Quartal des gebrochenen Geschäftsjahres (vom 1. Dezember bis 28. Februar) sank der Umsatz von H&M um spürbare 27% auf 40,1 Mrd. SEK (entspricht rund 3,94 Mrd. EUR). Mit diesen Ergebnissen schnitt der Konzern etwas besser ab, als von Analysten erwartet, dennoch verblieb ein Zeichen der Verzweiflung denn das Umsatzniveau von 2019 rückt in weite Ferne und die Läger sind entsprechend voll. H&M braucht wie alle anderen Retailer ein Wiederaufleben der Konsumlaune vor Ort wie auch im Onlinegeschäft.

In der Spitze waren mehr als 1.800 Filialen wegen der Covid-19-Situation geschlossen, mittlerweile sind es immer noch 1.300 Standorte, die nicht öffnen können. Der Bereich E-Commerce entwickelt sich weiterhin sehr gut, allerdings auch nur im Rahmen des Möglichen. Unterdessen haben Deutschland, der Hauptmarkt von H&M, und einige andere Länder die Covid-Beschränkungen gelockert, so dass bis 13. März noch rund 900 H&M-Filialen geschlossen waren. Nach Angaben des Modeunternehmens wirkte sich der kleine Öffnungsschritt unmittelbar auf den Umsatz aus, der zwischen dem 1. und 13. März um 10% im Vergleich zum Vorjahr stieg. Das ist beachtlich.

Die H&M-Aktie hat in der Zone 11-12 EUR nun 3-mal nach oben gedreht, aktuell steht der Wert bei 22 EUR – damit ist der Absturz vom März komplett egalisiert.

Metro – Bessere Aufstellung stabilisiert die Bilanz

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Von H&M noch kurz zur Metro. Im Gegensatz zu den meisten Einzelhandelsgeschäften hat Metro das Glück, einer ausgeprägten Flächenversorgung mit Lebensmittel, obwohl 60% der Waren ein reines Nonfood-Angebot darstellen. Auf der letzten Hauptversammlung konnte man aus diesem Blickwinkel auch hoffnungsvoll nach vorne blicken. 2020 war ein besonderes Jahr aber Metro hat sich mit seiner Kundschaft weiterentwickelt. Spezielle Waren für Gastronomen, die ein Take-Away-Angebot anbieten wurden eingeführt. So konnte Metro leichte Marktanteilsgewinne verbuchen und sich zügig von den Folgen der 1.Lockdown-Welle erholen. Mit der Aufhebung des 2.Lockdowns rechnet man mit einer baldigen und substanziellen Erholung der gebeutelten Gastronomiekunden.

Mit dieser Hoffnung bekräftigte der Lebensmittelgroßhändler seine Ziele für das Gesamtjahr, das am 30.September endet und erwartet für 2021/22 eine substanzielle Verbesserung der Zahlen. Investitionen und Ressourcen sollen in den Ausbau des Belieferungsgeschäfts und in die Digitalisierung gehen sowie einen stärkeren Fokus auf Convenience- und regionale Produkte im Sortiment haben. Die Metro-Aktie hat die Ausverkaufszone von 7 bis 9 EUR überwunden und liegt stabil im Markt.

RYU Apparel – Expansion nach Europa angekündigt

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Der kanadische Modeanbieter RYU Apparel hat offensichtlich ein krisensicheres Konzept, denn vieles ist auf der Webseite bereits ausverkauft und das obwohl die Flagship-Stores noch bis Mitte April geschlossen sind. Bemerkenswert ist es, wie RYU sich in kurzer Zeit eine komplette Fangemeinde im Segment der 14 bis 40-Jährigen aufgebaut hat. Dies ist die konsumbegeisterte Schicht, die über gute Budgets verfügt und auch über alle Marketingkanäle zugänglich ist.

RYU hat nach seiner Restrukturierung moderne Unternehmens-Strukturen etabliert und setzt auf trendige und einzigartige Designs. Der kürzlich ernannte Chief Operational Officer Rob Blair bringt fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Aufbau wachstumsstarker, ikonischer Bekleidungs- und Sportbekleidungsmarken in das RYU-Team ein. Als Branchenexperte in den Bereichen Design, Merchandising und Markenstrategie hat er mit Sportbekleidungsmarken wie Red Bull, Lululemon, GAP Body und Nike gearbeitet. Teil seines Konzepts ist auch der Ansatz „digital first"- er dokumentiert die Vorrangstellung der Online-Strategie gegenüber dem stationären Vertrieb. Das Kundenerlebnis über alle Kanäle hinweg steht dabei im Mittelpunkt, RYU ist heute drauf und dran eine Schlüsselmarke in Nordamerika zu werden.

Aber nicht nur Nordamerika steht im Fokus: Die ersten Regionen in Übersee, in die RYU expandiert, sind die schnell wachsenden Märkte Europas und Großbritanniens. Laut aktueller Marktforschung wird der Umsatz im Sportbekleidungsmarkt bis 2025 auf rund 208 Mrd. USD geschätzt, wobei 2,3 Mrd. USD auf Deutschland und 1,9 Mrd. USD auf das restliche Europa entfallen sollen. Innerhalb der Pandemie mit den entsprechenden Einschränkungen im stationären Geschäft und den verbesserten Chancen im E-Commerce. Die RYU-Aktie hat sich seit Oktober 2020 von 0,05 bis 0,25 CAD hinaufgeschwungen und ist jetzt wieder zu 0,14 CAD zu haben.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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Weitere Kommentare zum Thema:

Kommentar von Carsten Mainitz vom 16.11.2020 | 05:15

Adidas, RYU Apparel, Puma: Anziehende Renditen

  • Sport
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Es müssen nicht immer High Tech Aktien oder hochspekulative Investments sein, mit denen man als Anleger hohe Renditen einfahren kann. Wer Geduld und Weitblick mitbringt, der konnte sich in den letzten Jahren bei vielen Sportartikelherstellern über Kursvervielfachungen freuen. Dennoch gibt es keine allgemeingültige Erfolgsformel der Akteure wie Nike, Adidas, Under Armour oder Puma. Die Entwicklungen verliefen auch nicht ohne Rückschläge. Zudem sollten Anleger Newcomern in der Branche mit innovativen Ansätzen Aufmerksamkeit schenken.

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