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20.01.2022 | 05:08

Evotec, Defence Therapeutics, Formycon – Wer profitiert von Omikron?

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Bildquelle: pixabay.com

Das Corona-Virus hat es gezeigt: Ohne Biotechnologie und andauernde Forschung sind wir den Launen der Natur relativ schutzlos ausgeliefert. Was wäre gewesen, wenn keine neuartige Technologie zur Herstellung potenter Impfstoffe in kürzester Zeit zur Verfügung gestanden hätte? Wären unsere Intensivstationen ebenso überfüllt gewesen, wie in Italien am Anfang der Pandemie? Wäre die Triage im Krankenhaus heute die Norm? Genau kann das niemand sagen, aber der Verlauf der Geschichte hat gezeigt, wie Epidemien – etwa die Spanische Grippe – in der Vergangenheit viele Todesopfer forderten.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Carsten Mainitz
ISIN: DEFENCE THERAPEUTICS INC | CA24463V1013 , EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809 , FORMYCON AG | DE000A1EWVY8

Inhaltsverzeichnis:


    Evotec – Weitere Geißeln der Menschheit im Visier

    Mit dem Aufkommen des SARS-CoV2 Virus rückte auch der deutsche Biotech-Konzern Evotec in den Fokus. Würde das Unternehmen in das weltweite Rennen um die Entwicklung eines Impfstoffes mit einsteigen? Die Hamburger haben sich zwar an allerlei Initiativen zur Förderung und Grundlagenforschung, wie etwa der Initiative ACTIV, die unter anderem zur Beschleunigung klinischer Studien gegründet wurde, beteiligt, jedoch wurde keine direkte Impfstoffforschung innerhalb des Partnernetzwerks betrieben. Stattdessen hat sich das Unternehmen in der Zwischenzeit weiterhin alternativen Therapiefeldern mit hohem, ungedeckten medizinischen Bedarf, wie etwa der Neurologie, Onkologie sowie infektions- und Stoffwechselkrankheiten, verschrieben.

    In diesem Feld konnte das Unternehmen vor kurzem eine interessante Allianz verkünden. Zukünftig werde man sich gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Eli Lilly auf die Suche nach Wirkstoffen gegen Stoffwechsel- und chronische Nierenkrankheiten sowie gegen Diabetes begeben. Das Projekt mit einem Gesamtwert von bis zu 1 Mrd.USD ist zunächst für die Dauer von drei Jahren angesetzt. So erhalten die Hanseaten Abschlagszahlungen für von Eli Lilly ausgewählte Forschungsprogramme sowie Meilensteinzahlungen. Bei der Sicherung des Auftrags kam Evotec die eigene gute Vorarbeit zugute: bereits über Jahre hinweg hatte der Biotech-Spezialist mittels Multi-Omics-Analysen von Biodatenbankproben eine proprietäre Patientendatenbank für Stoffwechsel- und Nierenkrankheiten aufgebaut. Sollte einer oder mehrere der entwickelten Wirkstoffkandidaten kommerzialisiert werden, winken außerdem gestaffelte Umsatzbeteiligungen.

    Für die Evotec-Anleger kommt diese Ankündigung genau zur richtigen Zeit, hatte der Kurs in den letzten Wochen doch etwas geschwächelt. Nach Bekanntgabe des Deals drehte die Aktie nordwärts. Auch Analysten sehen die Ankündigung positiv. So beließ RBC seine Einschätzung nach Bekanntgabe auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 50 EUR. Sie sind damit etwas optimistischer als ihre Kollegen, die das Kursziel im Schnitt bei rund 44 EUR sehen. Dies entspricht aber immer noch einem ansehnlichen Kurspotenzial von mehr als 25%.

    Defence Therapeutics – Vor Beginn der Phase I-Studie zu Brustkrebspräparat AccuTOX

    Mit einer großartigen Ankündigung eröffnete ADC-Spezialist Defence Therapeutics (ADC = Antibody Drug Conjugates, also die Antikörper-Wirkstoff-Kombination im „Huckepack“-Verfahren) das Jahr 2022. Wie das Unternehmen vermelden konnte, wurde der letzte Schritt der präklinischen Phase für den Brustkrebs-Wirkstoffkandidaten AccuTOX eingeleitet. Dazu wurde Eurofins Advinus Limited, ein führendes Auftragsforschungsinstitut, mit der Durchführung einer GLP (Good Laboratory Practice) -Studie beauftragt. Nach erfolgreichem Abschluss wird Defence Therapeutics einen Antrag auf Zulassung eines neuen Prüfarzneimittels (IND) bei der FDA und Health Canada einreichen, um mit einer klinischen Phase I-Studie beginnen zu können.

    Das auf der Accum-Plattformtechnologie (Hintergrund in einer Analyse bei researchanalyst.com) entwickelte Leitmolekül hat bisher sehr zufriedenstellende Ergebnisse in Versuchen mit mehr als neun verschiedenen Tumorzellenlinien murinen und humanen Ursprungs (Lymphome, Melanome, Brust-, Darm- und nicht kleinzellige Lungenkarzinome) gezeigt. Das nun ermittelte Leitmolekül hatte sich dabei in Tests gegen mehr als 50 Varianten als das effektivste manifestiert.

    Der globale Markt für Brustkrebspräparate wird nach Ansicht von Fortune Business Insights bis Ende 2026 einen Wert von 38,5 Mrd. USD erreichen, dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate seit 2018 von rund 10,2%. Bisher hat der Aktienkurs nicht groß auf die Ankündigungen aus Kanada reagiert. Offensichtlich sind die Anleger aktuell bei Biotech-Aktien etwas vorsichtig und warten lieber auf die endgültige Zulassung von AccuTOX als neues Prüfarzneimittel. Dies sollte bis Mitte 2022 erfolgen. Aktuell ist das an den Börsen in Toronto, Frankfurt und Stuttgart gelistete Unternehmen mit rund 180 Mio. CAD bewertet.

    Formycon – Wann endet der Dornröschenschlaf?

    Wie wichtig ein positiver Newsflow ist, zeigt das Papier des Münchner Biosimilar-Entwicklers Formycon. Kaum hatte dieser Anfang Dezember vermelden können, dass der exklusive Vermarkter seines Wirkstoffs FYB201 (Biosimilar zu Genentechs Augenmedikament Lucentis) Bioeq seinerseits einen Vermarkter für die MENA-Region (Middle East – North Africa) gefunden hatte und außerdem mitgeteilt, dass eine Studie zum COVID-19 Medikament FYB207 mit der TU München eine hohe Wirksamkeit gegen alle Erregervarianten inklusive Omikron impliziert hatte, schoss das Papier binnen einer Woche um mehr als 50% in die Höhe.

    Doch seitdem gab es von dem Unternehmen keine weiteren News mehr und der Kurs sackte der Kurs wieder auf sein altes Niveau hinab. Auf Jahressicht bedeutet dies einen Verlust von rund 22%. Doch Anleger sollten im Hinterkopf behalten, dass das Unternehmen nur nach außen schläft. Im Hintergrund passiert sogar eine Menge. So liegt der Zulassungsantrag für FYB201 bereits seit geraumer Zeit bei der FDA. Mit einer Zulassungsentscheidung ist bis Mitte des Jahres zu rechnen. Spätestens dann wird sich der Kurs von Formycon wieder bewegen.


    Biotechnologie ist durch die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft, stärker werdende äußere Einflüsse und auch durch die immer weniger von Selektion geprägte Evolution des Menschen für unser heutiges und insbesondere auch zukünftiges Leben nicht wegzudenken. mRNA, ADC und Biologika sind wichtige Technologien. Jedes der vorgestellten Unternehmen hat Blockbusterpotenzial. Mit zunehmendem Projektfortschritt nimmt das Risiko, aber auch die Chance für Investoren ab. In diesem Sinne ist das relativ am Anfang stehende Unternehmen Defence Therapeutics das Unternehmen mit dem größten Kurspotenzial.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Carsten Mainitz

    Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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