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09.03.2022 | 05:45

BP, Saturn Oil + Gas, Shell – Öl als Gewinner der Krise

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Bildquelle: pixabay.com

Die Anzeichen verdichten sich, dass sich die EU schnellstmöglich von russischen Öl- und Gaslieferungen freimachen will. Bloomberg schreibt, dass man die Lieferungen innerhalb eines Jahres um 80% zurückfahren will. Andere Quellen berichten von über 66%. Sollte Russland mit einem Öl- und Gas-Embargo belegt werden, besteht die Gefahr, dass die Rohstoffpreise in diesen Bereichen weiterhin deutlich steigen. Selbst die USA prüfen momentan ein Importverbot für russisches Öl. Der Ölpreis kennt seitdem kein Halten mehr. Hauptprofiteure sind die Öl- und Gas-Produzenten, von denen wir heute drei näher beleuchten.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , Shell PLC | GB00BP6MXD84 , Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832

Inhaltsverzeichnis:


    BP – Rosneft-Verkauf trifft das Unternehmen

    Der Öl-Riese BP hat seine Beteiligung an Rosneft aufgrund der Ukraine Krise aufgeben müssen. Der Konzern hielt 19,5% des russischen Unternehmens und verkaufte all seine Anteile unter dem Druck den zusätzlich auch die Regierung von Großbritannien ausübte. Dem Vernehmen nach kostet der Ausstieg bis zu 25 Mrd. USD. Somit leidet das Unternehmen am Ukraine-Konflikt und die Aktie kam unter Druck. Ob es am Ende eine Entschädigung für die Aufgabe der Anteile gibt, ist noch nicht absehbar.

    Will man es positiv betrachten, ist der Konzern einen großen Schritt weiter, was seine Klimaneutralität angeht. Und trotz der aktuellen Schwierigkeiten, konnte der Konzern 2021 in die Gewinnzone zurückkehren. Der Gewinn lag bei 12,8 Mrd. USD. Die Dividende wurde nach 2020 wieder erhöht und ein Aktienrückkaufprogramm über 4,15 Mrd. USD wurde beschlossen. Man darf trotz all der guten Zahlen nicht vergessen, dass der Konzern mitten in einer Transformation steckt. CEO Bernard Lonney sagte: „Wir haben große Fortschritte bei unserer Umwandlung in ein integriertes Energieunternehmen gemacht: Wir haben unser Kohlenwasserstoffgeschäft fokussiert und hoch bewertet, wir wachsen in den Bereichen Komfort und Mobilität und bauen diszipliniert ein kohlenstoffarmes Energiegeschäft auf - jetzt mit über 5 GW an Offshore-Windprojekten - und mit bedeutenden Möglichkeiten im Bereich Wasserstoff.“

    Wie sehr die Ukraine-Krise das Unternehmen wirklich trifft, wird man vermutlich erst an den Zahlen zum ersten Quartal sehen. Im vergangenen Jahr steuerte die Rosneft-Beteiligung 2,4 Mrd. USD Gewinn und 640 Mio. USD an Dividenden zum Konzernertrag bei. Die Quartalszahlen sind für den 3. Mai angekündigt. Goldman Sachs hat die Aktie auf seiner Conviction-Buy-List gelassen, aber das Kursziel auf 7,09 EUR gesenkt. Seit dem Zwischentief am 4. März bei 4,12 EUR konnte der Wert auf aktuell 4,42 EUR klettern. Dafür, dass knapp 25% des Jahresgewinns ausradiert wurden, hält sich die Aktie noch sehr gut.

    Saturn Oil & Gas – Newsflow steht an

    Der kanadische Öl-Produzent konnte im vergangenen Jahr eine Produktion von 6.700 Barrel Leichtöl übernehmen und zahlte dafür lediglich 93 Mio. Kanadische Dollar (CAD). Mit diesen Produktionskapazitäten erreichte man im dritten Quartal 2021 ein EBITDA von 17,2 Mio. CAD. Es gibt 400 aktuell nicht produzierende Bohrlöcher, die das Unternehmen wieder in Betrieb bringen kann und dies zu einem Zehntel der Kosten eines neuen Bohrlochs. Auf dem International Investment Forum stellte CEO John Jeffrey seine weitere Strategie vor. Je nach Ölpreis versucht das Unternehmen die Produktion hochzufahren. Bei einem Ölpreis über 75 USD soll die Produktion auf 8.200 Barrel hochgefahren werden.

    Doch nun liegen die Ölpreise bei über 100 USD und das Unternehmen hat bereits am 17. Februar die Übernahme einer 240 Barrel Leichtöl Produktion für 7,9 Mio. CAD bekannt gegeben. Die Liegenschaft befindet sich im Kerngeschäftsbereich der Viking Produktion und weist somit Synergieeffekte auf. Im gleichen Atemzug wurde eine Umschuldung vorgenommen. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um die Tilgung der Prudential Kredite handelte. Damit spart man sich in der Zukunft hohe Zinszahlungen. Um die Umschuldung und Übernahme zu stemmen, wurden 18,2 Mio. CAD gegen Ausgabe von rund 6 Mio. Aktien zu 3 CAD ausgegeben. Zusätzlich gab es einen Warrant zu 4 CAD. Damit ist man finanziell gut ausgestattet und kann die Produktion schneller hochfahren.

    Für die Altaktionäre war die Kapitalerhöhung eine Kröte, die man schlucken musste. Einerseits gab es eine Verwässerung, andererseits profitiert man nun vom steigenden Ölpreis doppelt. Die Übernahme der 240 Barrel basierte auf der Annahme eines Ölpreises von 75 USD und sollte einen annualisierten Nettobetriebsertrag von 4,5 Mio. CAD bringen. Damit spült die Übernahme momentan jeden Tag extra Gewinn in die Kassen, da die neuen Produktionen nicht über Optionen abgesichert sind. Die Aktie kam mit der Kapitalerhöhung unter Druck und wurde bis auf 2,70 CAD nach unten gedrückt. Aktuell liegt der Kurs bei 3,03 CAD und dürfte mit den Unternehmensupdates, die ab dem 10. März avisiert wurden, wieder nach oben klettern.

    Shell kauft kein russisches Öl mehr

    Auch Shell hat seine Aktivitäten in Russland eingestellt. Allerdings ist der Schaden längst nicht so groß wie bei BP. Der Konzern wollte geschäftstüchtig sein und kaufte billig Öl und Gas aus Russland auf dem SPOT-Markt. Am 8. März legte das Unternehmen dann doch den Rückwärtsgang ein und gab bekannt, dort kein russisches Öl mehr kaufen zu wollen und auch bestehende Verträge sollen nicht erneuert werden. Die Shell Tankstellen in Russland bleiben geschlossen und auch weitere Geschäftstätigkeiten innerhalb Russlands werden auf Eis gelegt.

    Die Zahlen zum vierten Quartal wurden Anfang Februar bekanntgegeben und wiesen einen bereinigten Gewinn in Höhe von 6,4 Mrd. USD aus. Die Dividende soll um 4% steigen und auch hier wurde ein 8,5 Mrd. USD großes Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Aufgrund der hohen Energiepreise wird das erste Quartal sehr stark ausfallen. Das ermöglicht dem Unternehmen, die Umstrukturierung hin zu einem klimaneutralen Unternehmen voranzutreiben, wie beispielsweise dem Offshore Windpark in der New Yorker Bucht.

    Die jüngsten Kaufempfehlungen kamen im März von Jeffries und RBC Capital Markets, die das Kursziel bei der Aktie zwischen 28,83 EUR und 33,03 EUR sehen. Die Aktie verläuft seit Anfang Februar seitwärts und notiert aktuell bei 24,21 EUR. Die Dividendenrendite liegt also bei fast 4%. Als interessierter Investor sollte man aber auch die Schulden des Konzerns im Blick haben, die aktuell bei über 52 Mrd. USD netto liegt. Im Vorjahresvergleich wurden allerdings schon rund 23 Mrd. USD abgebaut.


    Alle drei Unternehmen profitieren stark von den hohen Öl- und Gaspreisen. Während BP und Shell mit ihren Geschäften in Russland aktiv waren und dort nun Abschreibungen anstehen sieht es bei Saturn Oil & Gas anders aus. Das Unternehmen ist nur in Kanada aktiv und kann somit von der Ukraine-Krise profitieren.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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