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29.09.2021 | 04:44

Allianz, MAS Gold, Alibaba, Tencent – Die Schäfchen lieber ins Trockene bringen!

  • Gold
  • Immobilien
Bildquelle: pixabay.com

Der Goldpreis schwankt mit jeder politischen Meldung wie selten zuvor. Nach einem guten Jahresende 2020 und einem versöhnlichen Mai geht es seit Sommer schon wieder abwärts. Nach 2.074 USD im letzten Jahr sind wir heute schon bereits 340 USD tiefer, obwohl die politische und ökonomische Stabilität sich verschlechtert hat. Denn seit Beginn der Pandemie haben die öffentlichen Haushalte eine wahre Schuldenexplosion vollzogen. Inflation ist nun spürbar und das wäre der Nährboden für ein werterhaltendes Edelmetall-Investment. Gibt es neben Gold noch andere sichere Häfen?

Lesezeit: ca. 5 Minuten. Autor: André Will-Laudien
ISIN: MAS Gold Corp. | CA57457A1057 , ALLIANZ SE NA O.N. | DE0008404005 , ALIBABA GR.HLDG SP.ADR 8 | US01609W1027 , TENCENT HLDGS HD-_00002 | KYG875721634


Wetterleuchten am Horizont

Das weltweite Anlegerverhalten folgt einer Abwägung zwischen Gier und Risikoscheu. In den letzten drei Jahren war der Risikoappetit sicherlich hoch, so dass im Umfeld niedriger Zinsen jede Investitionsform für eine Vermögensmehrung geeignet erschien. Bei Aktien, Immobilien und sogar Bonds gab es mehrjährige Höchststände, die im aktuellen Umfeld etwas in die Diskussion geraten. Denn der Risikoappetit der Investoren hat sich offensichtlich seit ein paar Wochen etwas eingetrübt.

Ein möglicher Störfaktor ist das Wetterleuchten von der inländischen Immobilienseite. China Evergrande beispielsweise, hat Schulden von über 300 Mrd. USD aufgehäuft und hadert mit den Zinszahlungen. Daneben es gibt noch weitere gut 20 Immobiliengesellschaften, die mit in den Abwärtssog gerissen worden sind. Wir erinnern uns: In den Jahren 2006 und 2007 waren es auch die Signale vom Immobilienmarkt, die man damals noch ignorierte. Dann platzte die US-Subprimeblase und nur zwei Jahre später hatten die Märkte über 50% an Wert eingebüßt. Mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman folgte sogar eine schwere Finanzkrise. Die Frage ist erlaubt: Ist so ein Szenario wieder möglich?

Allianz – Vorsicht an der Bahnsteinkante

Wenn es um Sicherheit geht, geraten die Anleger bei der Allianz-Aktie regelmäßig ins Schwärmen. Ein hoher Substanzwert, solides Wachstum, eine herausragende Rendite und das schon seit Jahren. Die Investmenttochter AGI verwaltet mittlerweile annähernd 2,5 Billionen USD, das liefert dauerhaft stabile Verwaltungs-Vergütungen. So liegen die Schätzungen in 2021 für die Allianz SE bei einem Umsatz von 144 Mrd. EUR und einem EBIT von 12,5 Mrd. EUR, die Dividendenrendite beträgt satte 5,4 %. Wirklich gefährlich könnte für die Allianz ein Ausverkauf auf dem Bondmarkt sein, denn hier ist das Geld der Versicherten investiert. Auch im Immobiliensektor ist der Versicherer stark aktiv.

Nach aktueller Bilanz notiert die Aktie mit 196 EUR direkt am Buchwert. Nun muss sich zeigen, wohin die Reise geht. Charttechnisch droht unter 190 EUR ein Abverkauf Richtung 170 EUR und tiefer. Das wird viele Fans momentan etwas ins Zittern bringen. Fazit: Im aktuellen Umfeld dürfte die 223 EUR-Höchstmarke zwar auf längere Zeit nicht mehr aufleuchten, dennoch lohnte es sich immer bei Abverkäufen in der Allianz-Aktie zuzugreifen. Der Buchwert gibt hier gute Auskunft zu Über- und Unterbewertungsphasen. Leider ist er immer erst nach Quartalsberichten errechenbar.

MAS Gold – Klein aber fein

Die Abgabebereitschaft in den Edelmetall-Märkten macht sich vor allem beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares negativ bemerkbar, dessen gehaltene Goldmenge hat sich seit dem Jahreswechsel von 1.171 auf 990 Tonnen reduziert. Und auch diese Woche standen die Edelmetalle wieder auf der Verkaufsliste. Aus aktueller Sicht macht es mehr Sinn sich auf Projekte zu fokussieren, die nicht am Spotpreis hängen, sondern einen langfristig möglichen Wert implizieren.

Ein solches Investment könnte das noch sehr kleine Unternehmen MAS Gold sein. Der Reiz an diesem kanadischen Explorer liegt an dessen schwierigen Rahmenbedingungen, denn in der Eigentümerstruktur gab es einige Streitigkeiten zu klären. Diese sind nun vom Tisch und das Management rund um den Bergbau-Experten Jim Engdahl geht wieder an die Öffentlichkeit.

Die Liegenschaft von MAS Gold liegt im kanadischen Saskatchewan. Diese Provinz glänzt seit Jahren mit guten juristischen Rahmenbedingungen für Rohstoffunternehmen. MAS Gold hat nun mit der Regierung von Saskatchewan eine Vereinbarung über den Erwerb einer 100-prozentigen Beteiligung an dem etwa 463 Hektar großen Grundstück Contact Lake getroffen, einschließlich der ehemaligen produzierenden Goldmine, die von 1994 bis 1997 von Cameco Corp. im Grünsteingürtel La Ronge betrieben wurde. Das Minengelände Contact Lake liegt nur 10 km von der Lagerstätte North Lake von MAS Gold entfernt und ist eine wichtige neue Ergänzung im Hub-and-Spoke-Bergbaukonzept. Am Standort der alten Mine sind noch beträchtliche unterirdische Erschließungen vorhanden, die wieder aufbereitet werden können, einschließlich einer 6 x 4m großen Rampe bis in eine Tiefe von etwa 340m, sowie sechs Hauptsohlen und verschiedene Untersohlen.

MAS Gold verfügt über eine beträchtliche nicht-digitale Datenbasis für die Goldlagerstätte Contact Lake und wird nach dem Abschluss der Akquisition sofort mit der Digitalisierung der Daten beginnen, um eine vorläufige Modellierung zu ermöglichen, die als Grundlage für neue Explorations- und Bestätigungsbohrungen entlang des Trends der Goldzone Bakus dienen wird. Nach Abschluss der Transaktion wird MAS Gold mit einem Oberflächenbohrprogramm starten.

Mit aktuell 116 Mio. Aktien ist die Gesellschaft auf dem Kurszettel nur mit 13,3 Mio. CAD bewertet. Da der Wert schon sehr tief angesetzt ist, kann man mit MAS Gold sicherlich eine längere Durststrecke an der Börse durchstehen, denn das Team startet mit exzellenten Perspektiven.

Alibaba Group und Tencent – Ist das schon das Ende der Superkorrektur?

Monatelange Ausverkaufsstimmung und keine Wende? Seit Anfang November 2020 fällt die Alibaba-Aktie ohne große Gegenwehr bis auf 124 EUR, ein 10 Monatsverlust von über 50% lastet mittlerweile in den Büchern der Internet-Anleger. Bei Tencent schaut die Lage etwas besser aus, die Aktie hat seit den Höchstständen nur 39% verloren. Was ist los mit den ehemaligen Börsenlieblingen?

Die Alibaba Holding hat seit Monaten Probleme mit dem chinesischen Regulator, der sich bei allen Geschäften mehr Mitsprache und Transparenz wünscht. Der Börsengang der Alibaba Finanzsparte wurde wegen Einwänden der Behörden komplett untersagt und der Firmengründer Jack Ma stand kurzfristig sogar auf der Fahndungsliste. Bei Tencent sind es die Schulungsplattformen, die dem Regulator negativ aufstoßen. Um die Transparenz zu steigern und Marktbeherrschung zu verhindern wurde nun verfügt, dass sich die Konzerne gegenseitig Zugang auf ihre Plattformen gewähren müssen.

Ein Ergebnis wurde bereits vermeldet: Alibaba gewährt seinem Rivalen Tencent immer mehr Rechte auf den eigenen Diensten. Wer letztendlich mehr profitiert, ist noch nicht ganz klar. Unter anderem hat Alibaba Tencents Zahlungsoption WeChat Pay in seine App für Lebensmittellieferungen integriert, außerdem unter anderem beim Ticket-Verkäufer Damai sowie auf der Import-Plattform Kaola. Demnächst wird WeChat voraussichtlich auch auf Alibabas Einkaufsplattform Taobao verfügbar sein. Umgekehrt erlaubt Tencent seit einigen Wochen auf seiner App WeChat das Verlinken zu Inhalten von Konkurrenten.

Die Alibaba-Aktie setzte gestern zum Turnaround an, wurde aber von der allgemein schlechten Stimmung an den Märkten ausgebremst. Früh morgens noch bei knapp 134 EUR, ging es über den Tag verteilt wieder langsam gen Süden. Die Tencent-Aktie hält sich dagegen seit Tagen stabil über der 50 EUR-Marke. Charttechnisch konnte Alibaba zwar bei 123,60 EUR nach oben drehen, für einen nachhaltigen Anstieg müsste aber die Marke von 150 EUR fallen. Beide Aktien sind technisch stark angeschlagen und deshalb nur eine regelmäßige Beobachtung wert.


In schwierigen Zeiten ist guter Rat teuer. Gestern haben die Aktienmärkte starke Verkaufssignale ausgesendet, die auch mittelfristig wirken können. Allianz und Alibaba sind große Standardwerte, die bei niedrigen Kursen eine Einstiegschance offerieren. Bei MAS Gold könnte mit entsprechenden Explorationsergebnissen jederzeit ein erheblicher Ruck durch den niedrigen Kurs gehen.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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