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27.01.2021 | 06:10

RYU Apparel, Plug Power, Netflix – Stärke und Schwäche!

  • Investments
Bildquelle: RYU Apparel Inc.

Die Börse lebt und schlägt Kapriolen. Mit einer neuen App namens Reddit klicken sich derzeit 2,4 Mio. aktienaffine User durch diverse Diskussionskanäle und kaufen mit selbstauferlegtem Herdentrieb immer wieder neue Werte auf dem Kurszettel. Ehemals unscheinbare Titel wie AMC Entertainment, BlackBerry oder Nokia gehen dann mit irren Umsätzen einfach mal durch so die Decke, oftmals folgt ein demütiges Statement des Managements nach: „Wir können uns die Aufmerksamkeit in unserer Aktie nicht erklären!“ – aber auch nach Verkündung solcher Worte gehen die Umsätze nur spärlich zurück, die Kursgewinne bauen sich teilweise sogar noch aus. Hartgesottene Hedgefonds-Manager lernen das Fürchten, wenn sie völlig überteuerte Titel leer verkaufen und von der Bullen-Community anschließend überrollt werden. Mit der Bewegung von GameStop gestern erwischte es Melvin Capital, die Short-Gemeinde um Tesla hat vermutlich längst aufgegeben.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: André Will-Laudien


RYU Apparel – Strategie ausgerollt, Shops leergekauft

WKN: A2P9Z6 ISIN: CA74979J4072 Symbol: RYAA
RYU Apparel oder „Respect Your Universe“ macht als neue Marke für die Generation Z auf sich aufmerksam. Der Vorstand Cesare Fazari (CEO) nützt den Jahreswechsel, den viele Menschen von zu Hause aus erlebten, für ein Fazit seiner Restrukturierungsarbeit. Durch eine komplette Neuaufstellung hat der Marken-Relaunch in 2020 hervorragend funktioniert, auch die Investoren standen wieder auf der Matte und zahlten insgesamt 6 Mio. CAD frisches Kapital ein. Fazari will auch 2021 weiter aufs Gaspedal drücken, denn das Langfristziel 2030 soll eine Markenetablierung im Milliardenbereich sein.

Blickt man auf andere Newcomer aus der Vergangenheit wie Abercrombie, Hollister oder Under Armour, so ist die Wiederholung eines solchen Markenaufbaus auch in kurzer Zeit möglich. Ist erst mal der Hipp-Faktor gezündet und die Online-Gemeinde entsprechend infiziert, geht es richtig los. Manchmal ist es einfach auch das richtige Testimonial, wie damals z.B. David Beckham für Calvin Klein. In heutigen Kategorien spricht man natürlich von Influencern.

Neu bei RYU ist konsequenterweise nun auch der amerikanische Großhandel, der aufgrund des Online-Booms extreme Wachstumsraten vorweisen kann. Zum Team gehört neuerdings Grant Matzen, ein erfahrener Vertriebs- und Marketingprofi mit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung in der Arbeit mit ikonischen Marken in der Sport- und Lifestyle-Bekleidungsbranche wie Under Armour, Vans, Quiksilver und Roxy. Nach dem Aufbau der kanadischen Homebase richtet RYU seine Aufmerksamkeit nun auf den Aufbau der Verkaufs- und Vertriebsteams in den USA und Mexiko.

Neu im Programm ist die Golfsparte: Das Golfbekleidungs-Designteam wird von Branchentalent James Chapman geleitet, einem Experten in Sachen Innovation, Trend, Passform mit Unterstützung durch modernste digitaler 3-D-Designtechnologie. Zu Herrn Chapman gesellt sich Andrew Parr, denn er hat einen vielfältigen Hintergrund im Bereich der Athletik. Als Golfer hat Herr Parr selbst während seiner achtjährigen Karriere als Profi in über 40 Ländern gespielt. Herr Parr ist derzeit Assistenztrainer der kanadischen Nationalmannschaft.

Aus der Distanz betrachtet, läuft es bei RYU richtig rund – die Zeiten sprechen einfach für das Geschäftsmodell, denn auch mit eingeschränkten Bewegungsradien will die Generation Z bestens eingekleidet sein. In den letzten Wochen waren bereits viele hippe Artikel auf der Seite gar nicht mehr verfügbar. Also bitte Regale auffüllen! Die RYU-Aktie gehört bei 0,15 CAD auch in den Warenkorb!

Plug Power – Shorties geht es an den Kragen

WKN: A1JA81 ISIN: US72919P2020 Symbol: PLUN
In einem Brief an die Aktionäre äußert sich Plug Power zum laufenden Jahr. Anscheinend fühlt man sich angesichts einer massiven Aktienrally von 1500% in 6 Monaten verpflichtet, ein bisschen Klarheit über die operativen Erwartungen zu schaffen. Zum einen hebt Plug Power die Umsatzprognose für 2021 an nämlich von 450 auf 475 Mio. USD, gleichzeitig verlautbarte man auch, dass das Jahr 2020 besser als erwartet gelaufen ist. Das Unternehmen erhöht sein Ziel für 2024 um mehr als 40% auf 1,7 Mrd. USD Gesamtleistung. Damit ist ein Wachstumspfad über 4 Jahre an die Wand gemalt.

Analysten könnten nun das Rechnen anfangen und kämen bei der Umsatzprognose, die freilich ohne Gewinnaussagen gemacht wird, zu dem Schluss: Plug Power wächst mit einer gewogenen Umsatzrate von knapp 38% (CAGR). Soweit so gut. Ebenfalls mit spitzem Bleistift weitergerechnet, beträgt das 2024er Kurs-Umsatz-Verhältnis bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 33,4 Mrd. USD also schlappe 20. Das Unternehmen ist also mit dem 20-fachen Umsatz in 4 Jahren bewertet, bezogen auf den heutigen Tag sogar mit Faktor 72, wenn man die erhöhte Prognose wohlwollend heranzieht.

Eigentlich hatte man im Jahr 2000 geglaubt, solche Übertreibungen könnten nie wieder passieren, aber solche Ratios gab es selbst damals nicht. Notenbankgeld, Robin Hood-Anleger und Momentum-Käufer treiben Modeaktien wie Plug Power also in den Orbit und zwingen sogar rationale Short-Seller zur Kapitulation. Fazit: Die Börse ist eine reine Long-Veranstaltung geworden – die Dampfwalze macht jedwede andere Meinung platt und deren Vertreter sukzessive pleite. Man sollte sich das Schauspiel aber dennoch genau anschauen, wohin das noch hinführt. Unken ist jedoch verboten!

Netflix Inc – Wachstum zurück in die Normalität

WKN: 552484 ISIN: US64110L1061 Symbol: NFC
Ein weiterer Vertreter des Online-Geschäfts ist der Medienkonzern und Streaming-Experte Netflix Inc. Netflix schlägt mit den Zahlen zum 4.Quartal zwar die Erwartungen in den Gesamtzahlen, aber insgesamt scheint das Wachstum etwas an Dampf zu verlieren. War auch zu erwarten, denn die Vielzahl neuer Streaming-Anbieter nimmt dem Platzhirsch natürlich ein wenig Potenzial aus dem Köcher.
Weltweit haben sich in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 rund 8,5 Mio. Haushalte für ein neues Netflix-Konto angemeldet. Das übertraf bei weitem die Erwartungen der Wall Street-Analysten und die eigene Prognose des Unternehmens für das Quartal. Genau diese 8,5 Mio. Netto-Abonnenten-Zugänge entsprechen aber in etwa der gleichen Anzahl, die Netflix in Q4 der Jahre 2018 und 2019 schon hinzugefügt hat. Mit anderen Worten: Das Unternehmen ist nach einigen volatilen Vorquartalen schlichtweg zur Normalität zurückgekehrt.

Unter Partygängern gesprochen, hat Netflix derzeit einen kleinen Hangover, denn die Rückkehr zu historischen Wachstumsniveaus deutet darauf hin, dass Netflix den Vorzieheffekt des pandemiebedingten Abonnentenwachstums bereits hinter sich gelassen hat. Heißt im Klartext, das Niveau wird sich wohl noch gut halten können, sich aber ohne neue Impulse auf der Strategieseite eher seitwärts entwickeln. Die Prognose des Managements sieht für das erste Quartal wiederum einen Nettozuwachs von 6 Millionen Abonnenten vor. Das ist ebenso einen Tick tiefer als in den Jahren 2018 und 2019, der kleine Abschlag im Kurs nach Bekanntgabe der Zahlen von 7% scheint also derzeit gerechtfertigt. Immerhin besitzt auch Netflix mit einem Umsatz von 25 Mrd. USD eine Marktkapitalisierung von 250 Mrd. USD.

Das ist einfach zu rechnen, ein Faktor 10 und damit schon mal 7-mal günstiger als Plug Power. Ist analytisch auch einfach zu begründen: Netflix hat eben noch keine Wasserstoff-TV-Technologie entwickelt. Auffällig ist allerdings, die breite Top-Formation der Aktie zwischen 480 und 580 USD seit Juli 2020. Eine Enttäuschung darf Netflix nicht verkünden – sonst fehlen wohl mindestens 25% im Kurs. Vielleicht geht es aber vorher nochmal in eine Robin Hood-Runde?


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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Kommentar von André Will-Laudien vom 08.02.2021 | 05:10

UPCO International, Square, IBM – Wie Robin Hood einkaufen und mobil zahlen!

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Statt dem Geldbeutel zücken immer mehr Deutsche an der Supermarktkasse lieber das Smartphone oder die Smartwatch - aus gutem Grund: Es geht einfach schneller. Die Suche nach dem Kleingeld entfällt, und aufs Rückgeld muss auch niemand mehr warten. Der Quick-Checkout im Supermarkt, Hotel oder Schwimmbad hat sich als Umgehung der Anstellschlange schon bestens bewährt. Mobil bezahlen lässt sich überall dort, wo Kassen NFC-fähig sind: Solche Kassen erkennt man am Wellensymbol, das wie ein auf der Seite liegendes WLAN-Symbol aussieht. Allerdings eignet sich nicht jeder Mobile-Payment-Dienst für jeden Nutzer. UPCO ist ein kleiner, aber sehr flexibler Anbieter, der Zahlungslösungen via Chat-App zur Verfügung stellt und auch Krypto-Anbindungen zulässt.

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