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02.10.2023 | 06:30

First Phosphate, Volkswagen, Varta – Kampf um Batterierohstoffe nimmt Fahrt auf

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Bildquelle: pixabay.com

Die globale Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt unaufhaltsam an und treibt den Bedarf an Batterierohstoffen wie beispielsweise Phosphat in die Höhe. Der Kampf um diese begehrten Rohstoffe hat jedoch auch politische Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf die angespannten Beziehungen zwischen den USA und China. Die USA haben erkannt, dass sie in Bezug auf den Zugang zu wichtigen Batterierohstoffen stark von China abhängig sind, was zu Spannungen zwischen den beiden Ländern geführt hat. Die USA versuchen die Abhängigkeiten zu verringern. Grund genug sich drei Unternehmen anzusehen, die auf Batterierohstoffe angewiesen sind.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: FIRST PHOSPHATE CORP | CA33611D1033 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039 , VARTA AG O.N. | DE000A0TGJ55

Inhaltsverzeichnis:


    First Phosphate – Letter of Intent über 170 Mio. USD

    Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LFP) erfreuen sich dank ihrer hohen Sicherheit und Langlebigkeit immer größerer Beliebtheit. Das gilt sowohl für Elektroautos, aber auch den Frachtverkehr und den Stromspeichermarkt. China ist bei der Produktion von LFP-Zellen führend und dominiert auch die vorgelagerte Lieferkette. Will man für mehr Unabhängigkeit von China sorgen, muss man investieren. Dabei sollte man auf Hersteller wie First Phosphate setzen, deren Phosphat aus Anorthosit-Eruptivphosphatgestein stammt, was als hochrein und damit batteriefähig gilt. Diese Phosphatvorkommen machen nur 1 % des weltweiten Phosphats aus. Das ist auch der Export-Import Bank of the United States (EXIM) nicht entgangen.

    Am 29. September gab First Phosphate bekannt, dass es eine Interessensbekundung (LOI) seitens EXIM gegeben habe, Finanzierungshilfen bis zu 170 Mio. USD zu gewähren. EXIM hat dabei das Ziel, amerikanische Arbeitsplätze zu sichern und Projekte zu unterstützen, die es im aktuellen Umfeld schwer haben Kredite zu bekommen. EXIM wird eine Due-Dilligence-Prüfung vor der endgültigen Zusage durchführen. Kommt es zu einem positiven Entscheid wären über 30 % der Investitionskosten vor Produktionsbeginn bereits finanziert. Schon am 13. September unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit der American Battery Factory (ABF) über die Produktion von bis zu 40.000 t LFP-Kathodenmaterial im Jahr.

    Der President von ABF, Major General John S. Kem sagte: „Rohstoffengpässe, nicht die Technologie, werden das größte Hindernis für die Einführung von vollständig lokalisierten LFP-Batterien in Nordamerika sein“. Damit dürfte er Recht haben, wenn man die Phosphorsäureproduktion in den Vereinigten Staaten der letzten Jahre ansieht. Die ist stetig rückläufig. Dabei steigt der Bedarf durch die Elektrifizierung auch in den kommenden Jahren weiter deutlich an. Der Kampf um die Batterieressourcen hat längst begonnen, auch wenn es noch nicht überall sichtbar ist. Die Aktie ist nach der Meldung vom Freitag erst einmal nach oben geschossen und ging mit 0,33 CAD aus dem Handel.

    Volkswagen – kämpft mit vielen Problemen

    Autobauer wie Volkswagen gehörten zu den ersten die erfahren mussten, was es heißt, abhängig von China zu sein. Als die Zufuhr von Halbleiter-Chips aus Asien versiegte, standen die Bänder teilweise still. Mittlerweile ist die Chip-Krise überwunden, aber bei Volkswagen läuft es noch immer nicht rund. Am 27. September kam es aufgrund einer IT-Panne erneut zum Produktionsstillstand an mehreren Standorten. Als Grund wurde ein fehlerhaftes Datenpaket angegeben, das aus der Konzernzentrale stammt. Das Problem wurde noch am selben Tag beseitigt. Zuletzt wurde ebenfalls öffentlich, dass das Trinity Werk in Wolfsburg, das 2 Mrd. EUR gekostet hätte, nicht gebaut wird. In Zukunft soll das Trinity Werk nun wohl in Zwickau gefertigt werden.

    Ohnehin wird derzeit die gesamte Produktionsinfrastruktur auf Herz und Nieren geprüft. Der Wechsel hin zu den Elektrofahrzeugen erfordert ein Neudenken. Die Nachfrage nach den Elektrofahrzeugen in Europa war zuletzt rückläufig, was auf die hohe Inflation, gestiegene Zinsen, Ladeinfrastruktur, fehlende Reichweite und schlechte Wiederverkaufspreise zurückzuführen ist. Dementsprechend wird die Produktion in Zwickau und der Gläsernen Manufaktur in Dresden vorläufig heruntergefahren. Da man auch in China zuletzt Marktanteile verloren hat und auch aus Nordamerika Alarmzeichen kommen, müssen die Absatzziele möglicherweise erneut angepasst werden.

    Laut dem Handelsblatt sind in Nordamerika aber nicht Rohstoffe das Problem, sondern fehlende Eisenbahnwaggons und Lokführer. Das VW-Werk in Mexiko hat lange Wege in die USA und einige Eisenbahngesellschaften haben Volkswagen offenbar im Stich gelassen. Ein Insider berichtet von ca. 30.000 nicht ausgelieferten Fahrzeugen. Bitter für den Konzern, denn die Absatzzahlen in den USA kletterten zuletzt deutlich. Im September gab es für die Aktie 4 Kaufempfehlungen, 2 Analysten rieten zum Halten und die UBS vergab sogar eine Verkaufsempfehlung. Die Kursziele lagen zwischen 100 und 193 EUR. Zuletzt kostete ein Anteilsschein 108,94 EUR im Xetrahandel.

    Varta – agiert unglücklich

    Die Varta AG war der deutsche Hoffnungsträger für die Zukunft der Batteriebranche. In den letzten Jahren hat das Unternehmen jedoch einen Niedergang erlebt, der von einer Reihe von Faktoren ausgelöst wurde. Dazu gehören der steigende Wettbewerb in der Branche, die Kaufzurückhaltung der Kunden aufgrund von Corona und später der steigenden Inflation, sowie deutlich gestiegene Energiekosten in Deutschland. Dazu konnte der Hoffnungsträger, die V4Drive Zelle, die Erwartungen nicht erfüllen und so fiel die Aktie seit 2021 in der Spitze um mehr als 90 %. Wie schon im letzten Jahr musste das Management auch in diesem Jahr eine Prognoseanpassung nach unten vornehmen.

    Auch sonst gibt Varta derzeit kein gutes Bild ab. Am 27. September verkündete das Unternehmen, dass der Aufsichtsrat Martin Ohneberg Aktien im Wert von 160.362,27 EUR gekauft hat. Grundsätzlich ist es positiv zu werten, wenn Organe Aktien kaufen, da es Vertrauen in das eigene Unternehmen widerspiegelt. Das Problem an der Sache ist, dass Herr Ohneberg die Aktien verkauft hat. Bis die Korrekturmeldung draußen war hatte die Börse bereits geschlossen. In Kapitalmarktkreisen wird spekuliert ob vor den nächsten Quartalszahlen noch eine weitere Gewinnwarnung kommt und ob eine weitere Kapitalerhöhung notwendig sein wird.

    Am 28. September gab das Unternehmen bekannt, dass man an 2 Forschungsprojekten arbeitet, um die Speicherung der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Der Stromspeichermarkt ist durchaus lukrativ, aktuell kauft der Konzern die Speicher allerdings zu und setzt lediglich seinen Namen darauf. Die Forschungsprojekte sollen bis zum 31. Januar 2026 abgeschlossen sein. Bis zur Serienreife dauert es sogar bis zum Jahr 2030. Dass das eine Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird schont zumindest den Geldbeutel von Varta, hilft dem Unternehmen aber kurzfristig nicht weiter. Die Aktie reagierte trotzdem positiv und ging mit 18,145 EUR am Freitag aus dem Xetrahandel.


    Als Produzent von Batterierohstoffen wartet eine goldene Zukunft. Die Nachfrage steigt und will man die Abhängigkeit von China verringern, braucht man Alternativen. Hochreines Phosphat könnte in Zukunft First Phosphate liefern. Es gibt von mehreren US Institutionen Bestrebungen mit den Kanadiern zusammenzuarbeiten. Für Volkswagen hat mit der Elektromobilität ein neues Zeitalter begonnen und die alten Strukturen müssen angepasst werden. Hier sind die Rohstoffprobleme der Zukunft nur ein Teil der großen Gesamtaufgabe. Auch bei Varta sind nicht die fehlenden Rohstoffe das Problem, sondern die stark gestiegenen Kosten und die gesunkene Nachfrage.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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