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10.12.2020 | 05:50

AdTiger, Formycon, CureVac – Genial ins Ziel!

  • Investments
Bildquelle: pixabay.com

Es mutet schon befremdlich an, wenn ein einziges Unternehmen soviel wert sein soll wie alle seine Branchenkollegen zusammen. Gibt´s nicht – gibt´s doch! Tesla hatte gestern zu Börsenbeginn eine Bewertung von 625 Mrd. USD – das ist mehr als alle anderen Automobilhersteller zusammen auf die Waage bringen. Freilich ist das Geschöpf von Elon Musk schon lange kein reiner Autoproduzent mehr. Tesla ist ein Hochtechnologie-Konzern, geführt von einem Visionär, der alle paar Wochen eine neue super Idee aus seinem inneren Designstudio ans Tageslicht befördert. Mit seinen Visionen über wichtige Tatbestände der menschlichen Zukunft ist er mindestens so kreativ wie Karl Lagerfeld und ähnlich verrückt wie Jean-Paul Gaultier. Aber alle zusammen suchen die Gunst ihrer Kunden und gerade Genialität ist das, was wir im Umfeld einer Pandemie dringend brauchen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: KYG009701064 , DE000A1EWVY8 , NL0015436031

Inhaltsverzeichnis:


    AdTiger – Geniales Marketing

    AdTiger ist eine Online-Werbeplattform aus China. In Europa bislang kaum bekannt, beschäftigt sich die Agentur mit Werbeinhalten von Inserenten, sowie den vielfältigen Interessen der zugehören Verleger. Es geht um effiziente Werbewege, Gestaltung und Inhalte. Während sich Covid-19 immer weiter auf dem Planeten ausbreitete, gelang es Adtiger, sein Geschäftsmodell auf die zusätzliche Nachfrage von App-Entwicklern und pädagogischen Instituten einzustellen. Die anfangs erwartete Delle im Wachstum drehte sich schnell in öffentliche relevante Projekte und behördlichen Aufträgen im Dienste der Aufklärung und Information der Gesellschaft.

    Wichtig in diesem Zusammenhang ist die gute Zusammenarbeit und starke Präsenz von AdTiger mit sozialen Plattformen wie z.B. Snapchat, Facebook, Twitter oder Yahoo. Deren Wachstum birgt auch für AdTiger entsprechende Nachfrage und Potenziale im Online-Business. Rund um den Globus sind seit Ausbruch der Pandemie Online-Aktivitäten im Schnitt um 46% angewachsen. Neben den Kontaktplattformen ist vor allem der Bedarf an Online-Bildung und Schulung mit plus 27% unvergleichlich stärker im Vergleich zu den Vorjahren.

    Summa summarum gelingt es AdTiger, die niedrigere Auflagenstärke der Offline-Medien in eine höhrere Durchdringung ihrer Online-Werbeinhalte zu transportieren. Auch wenn die Pandemie eines Tages verschwinden sollte, hat AdTiger den eigenen Digitalisierungs-Transfer komplett erledigt und nutzt die geänderten Gewohnheiten der Auftraggeber zur Steigerung von Umsatz und Gewinn. Geniales Marketing heißt in Pandemiezeiten eben kontaktlose Präsenz und inhaltliche Exzellenz. AdTiger kostet an der Börse derzeit 78 Mio. EUR und notiert in Frankfurt mit 0,13 EUR je Aktie. Es lohnt sich hier genauer hinzusehen.

    Formycon – Geniale Antikörper

    Eine weitere Meldung im Bereiche Covid-19-Bekämpfung erhielten wir gestern von dem Münchener Biosimilar-Experten Formycon. Spätestens seit heute wissen wir, dass Formycon nicht nur an den Biosimilars arbeitet, sondern mit der Hilfe von bayerischem Forschungsgeld auch an der Entwicklung von Antikörpern gegen das Corona-Virus. Basierend auf Formycons klinisch validierter Erfahrung mit Antikörpern und Antikörper-Fusionsproteinen startete das Unternehmen im März 2020 – kurz nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Europa – die Entwicklung eines ACE2-Antikörper-Fusionsproteins mit dem internen Kürzel FYB207.

    SARS-CoV-2 und andere Corona-Viren nutzen ACE2 auf der Oberfläche menschlicher Zellen als Eintrittspforte für die Infektion der Atemwege. Formycon hat daher das menschliche ACE2-Protein mittels computergestütztem Strukturdesign mit dem konstanten Teil menschlicher Antikörper verknüpft und damit einen sehr wirksamen SARS-CoV-2 Blocker geschaffen. Verschiedene Varianten des Virusblockers wurden im Labormaßstab auf Herstellbarkeit, Stabilität und Virusinhibition untersucht. In vitro Tests mit Isolaten von SARS-CoV-2 sowie dem ursprünglichen SARS-CoV aus dem Jahr 2003 zeigen, dass Formycons ACE2-Antikörper-Fusionsprotein effektiv an SARS-Corona-Viren bindet und die Infektion der Zellen vollständig verhindert. Das klingt genial!

    Im Vergleich zu Impfstoffen und therapeutischen Antikörpern ist das ACE2-Antikörper-Fusionsprotein maximal gegen ein Ausweichen des Virus durch Mutation geschützt. Das für Corona-Viren beschriebene Risiko einer Infektionsverstärkung durch Impfstoffe und IgG1 Antikörper wird durch die Verwendung des IgG4 Anteils in der Fusion minimiert. FYB207 besitzt zudem eine inhärente enzymatische Aktivität, die möglicherweise zusätzlichen Schutz für die Lunge und das Herz-Kreislauf-System bei symptomatischen Patienten bietet. Darüber hinaus kann FYB207 potenziell bei allen Corona-Viren eingesetzt werden, die ACE2 als Eintrittspforte benutzen.

    Formycon erhält, zusammen mit ihren Forschungspartnern, von der Bayerischen Forschungsstiftung Fördermittel in Höhe von 290.000 Euro für dieses Projekt. Der Kurs der Aktie ging gestern mit Plus 75% durch die Decke und brachte die Marktkapitalisierung in einem Zug auf knapp 600 Mio. EUR.

    CureVac – Genial platziert

    CureVac ist ein biopharmazeutisches Unternehmen und seit Jahren im Besitz der Familie Hopp (bekannt durch die Erfolgsstory SAP). Das erklärte Ziel war von Beginn an, Forschung genau in den Bereichen zu betreiben, welche gerade die höchstkommerziellen Pharmakonzerne aus verschiedensten Gründen links liegen lassen. Das ist ein ehernes Ziel, auch typisch Deutsch sich um Dinge zu kümmern, die augenscheinlich wenig Profit versprechen, aber am Ende eine nützliche Errungenschaft darstellen. Ich denke hierbei wieder an die Kuckucks-Uhr!

    CureVac ist ein Forschungsunternehmen auf dem Gebiet der mRNA-Technologie, einem wichtigen Teilgebiet der menschlichen Protein- bzw. Immunforschung. Mit seiner Expertise arbeitet CureVac daran, möglichst vielseitige Moleküle für den medizinischen Einsatz zu entwickeln und zu optimieren. Das Prinzip der proprietären CureVac-Technologie basiert auf der Nutzung von mRNA als Informationsträger, um den Körper zur Produktion von entsprechend kodierten Proteinen anzuleiten, mit welchen eine Vielzahl von Erkrankungen bekämpft werden können. Das Unternehmen setzt seine Technologien zur Entwicklung von prophylaktischen Impfstoffen, Krebstherapien, Antikörpertherapien und zur Behandlung mit Proteintherapien ein.

    Mit heute ca. 500 Mitarbeitern forscht Curevac seit dem Jahr 2000 an schwierigen Fragestellungen und hat dabei bis Anfang 2020 wenig Essentielles zu Tage gebracht. Curevac wurde von 2006 bis 2014 alleine von der Dievini Hopp BioTech Holding, einer Biotech-Venture Capital-Gesellschaft von Dietmar Hopp, finanziert. Das Kapital von Curevac wuchs durch dieses Investment auf insgesamt 145 Mio. EUR. Dann kam COVID-19 und man brachte das Unternehmen, welches 2 Dekaden nur Geld verbrannt hat, an die Börse zu einer Startbewertung von 2,3 Mrd. USD. Der Auftrag lautet nun einen brauchbaren Impfstoff gegen Corona zu produzieren und glaubt man der Börse, dann trägt die Verzehnfachung des Kurses von 14 auf 140 USD wohl die eine wichtige Mitteilung: Die schaffen das!

    Egal wie die Story nun ausgeht: Genial platziert war sie 100%-ig, denn Menschen wie Dietmar Hopp sind einfach genial, auch wenn es manchmal 20 Jahre dauert, bis die Früchte geerntet werden können. Mit einer aktuellen Börsenbewertung von 24 Mrd. EUR ohne Produkt wird man eh in die Geschichte eingehen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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