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27.08.2021 | 05:08

Orocobre, Kodiak Copper, Infineon Technologies – Gut fürs Klima, noch besser fürs Depot

  • Kupfer
  • Elektromobilität
  • Rohstoffe
  • Wasserstoff
Bildquelle: pixabay.com

Auf der einen Seite Hitzerekorde und Dürren, auf der anderen Seite Starkregen und Überschwemmungen – der Klimawandel ist keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern Realität. Über die Ursachen zu spekulieren ist müßig. Wichtiger ist, das Problem anzugehen. Ein Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038? Viel zu spät, kritisieren Experten. Und auch in der Politik setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass es bereits fünf vor zwölf ist. Aus diesem Grund drückt man mächtig auf die Tube: Abschied vom Verbrennungsmotor, Dekarbonisierung der Industrieproduktion, Ausbau regenerativer Energiequellen. Doch dafür benötigt es bestimmte Rohstoffe. Hier drei Unternehmen, denen eine glänzende Zukunft ins Haus steht.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Carsten Mainitz
ISIN: KODIAK COPPER CORP. | CA50012K1066 , OROCOBRE LTD | AU000000ORE0 , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004


Orocobre – Unter den TOP 5

Zwar machen aktuell neue Akkumulator-Technologien wie beispielsweise Feststoffzellen von sich reden, massentauglich ist die Technologie laut Experten jedoch erst in einigen Jahren. Und bis sie den klassischen Lithium-Akku verdrängt hat, wird noch viel Wasser den Rhein hinabfließen. Damit bleibt Lithium einer der wichtigsten Rohstoffe für die Energiewende. Orocobre ist einer der weltweit wichtigsten Lieferanten. Angesichts des immer größer werdenden Bedarfs an Stromspeichern, gehen Experten aktuell von einem anhaltenden Versorgungsengpass in nächster Zeit aus. Um sich in diesem Markt bestmöglich zu positionieren, hat Orocobre mit seinem ähnlich aufgestellten Hauptwettbewerber Galaxy Resources fusioniert.

Die Transaktion, bei der Galaxy-Aktionäre für jede Aktie 0,569 Anteilsscheine von Orocobre erhielten, ist mittlerweile abgeschlossen. Das neue Unternehmen soll den Namen Allkem tragen. Im Zuge der abgeschlossenen Fusion gab Orocobre auch die Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2020/2021 bekannt. Trotz einer Ausweitung der Lithiumproduktion um 6% und einer Reduktion der Produktionskosten je Tonne um 12%, stand am Ende ein Verlust von 80 Mio. CAD. Gründe waren zum einen ein niedrigerer Lithium-Kontraktpreis in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres sowie – hauptsächlich – Steuererhöhungen in Argentinien und Wechselkurseffekte. Aufgrund eines hohen Cash-Bestands von rund 258 Mio. CAD und der starken Lithiumpreisentwicklung (bis zu +130% gegenüber dem Vorjahr) rechnet das Unternehmen aber mit einem sehr starken Geschäftsjahr 2021/2022.

Kodiak Copper – Waldbrandgefahr unterbricht Bohrprogramm

Der zweite wichtige Rohstoff der Energiewende ist Kupfer. Allein die Automobilindustrie, die aktuell etwa 8 bis 9% der gesamten Kupferproduktion verschlingt, benötigt für die Herstellung eines reinen E-Autos rund viermal so viel Kupfer wie für die Herstellung eines Verbrenners. Auch der Aufbau neuer Stromnetze und Smart-Grids für die dezentralisierte, nachhaltige Stromproduktion benötigt riesige Mengen des rötlich schimmernden Metalls. Dies dürfte der Hauptgrund für die seit längerer Zeit anhaltende Preisrallye sein. Zwar hat der Preis seit seinem Allzeithoch im Mai etwas korrigiert, auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von rund 40%. Beste Voraussetzungen also für Mining-Unternehmen, die sich das Thema Kupfer auf die Fahnen geschrieben haben. Wie beispielsweise das kanadische Unternehmen Kodiak Copper.

Der Explorer verfügt über zwei, zu 100% im Eigenbesitz befindliche Kupferprojekte: Man-Prime-Dillard (MPD, im Süden British Columbias) sowie Mohave (in Arizona, USA). Der Einstieg des größten kanadischen Kupferproduzenten Teck Resources im vergangenen Jahr sicherte die Komplettfinanzierung des aktuellen, 30.000m umfassenden Bohrprogramms im MPD-Projekt, das bereits außerordentlich gute Ergebnisse zutage fördern konnte. Das Projekt befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den bereits produzierenden Minen von Copper Mountain, Highland Valley und New Afton. Aktuell musste das Bohrprojekt allerdings wegen einer durch Rekordhitze und Dürre ausgelösten erhöhten Waldbrandgefahr pausiert sowie die Liegenschaft geräumt werden. Das Unternehmen geht aber nicht von einer nachhaltigen Störung des für das laufende Jahr geplanten Programms aus.

Für uns bleibt Kodiak eines der spannendsten Explorationsunternehmen am Markt. Wir gehen davon aus, dass sich der Kupferpreis nach einer kurzen Erholungsphase wieder aufwärts bewegen wird. Auch wenn Recycling einen nicht unerheblichen Teil des weltweiten Bedarfs decken kann, so ist eine Angebotsknappheit angesichts der zukünftig benötigten Mengen des Rohstoffes praktisch unausweichlich.

Infineon Technologies AG – Vom Halbleiterhersteller zum Wasserstoffproduzenten

Was der Halbleiterhersteller Infineon Technologies in unserer Auflistung von Rohstoffunternehmen für die Klimawende zu suchen hat? Während die beiden zuerst genannten Gesellschaften Rohstoffe finden bzw. fördern, ist der Technologiekonzern in der Regel eher Abnehmer. So benötigt Infineon im Rahmen der Halbleiterfertigung beispielsweise hochreinen Wasserstoff als Prozessgas. Dieser wurde bisher per LKW aus Deutschland an den österreichischen Produktionsstandort Villach geliefert. Weil dies aber nicht unbedingt nachhaltig und auf Dauer teuer ist, hat sich Infineon in Kooperation mit Linde sowie dem österreichischen Stromanbieter VERBUND dazu entschlossen, am Standort Villach im Rahmen des Forschungsprojekts „H2Pioneer“ eine eigene Wasserstoffproduktion mittels regenerativ erzeugten Stroms aufzubauen.

Linde liefert die schlüsselfertige PEM-Elektrolyseanlage sowie ein Flüssiggasversorgungssystem und kümmert sich um den Betrieb sowie um die Aufbereitung des produzierten Wasserstoffs; der regenerativ erzeugte Strom kommt von VERBUND. Mit der Anlage können so pro Tag bis zu 800kg grünen Wasserstoffs erzeugt werden. Wird diese Produktion unmittelbar Einfluss auf den Aktienkurs haben? Isoliert betrachtet sicherlich nicht. Es unterstreicht aber den generellen Wandel der Industrie. Sollte sich das Projekt als erfolgreich erweisen, kann sich Infineon mit den gesammelten Erfahrungen zukünftig sicherlich Kostenvorteile vor anderen Wettbewerbern verschaffen.


Das interessanteste der vorgestellten Unternehmen ist unserer Meinung nach Kodiak Copper. Hier liegen die größten Chancen. Die Kanadier sind angesichts der bisher präsentierten Ergebnisse mit rund 66 Mio. CAD sicherlich nicht zu teuer. Auch Allkem, ehemals Orocobre, dürfte zu den großen Gewinnern des Klimawandels zählen. Das sicherste Investment ist derzeit wohl der DAX-Wert Infineon. Die aktuelle Chip-Krise dürfte die Nachfrage nach den Produkten des deutschen Halbleiterherstellers weiterhin hochhalten.


Der Autor

Carsten Mainitz

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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