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07.07.2021 | 06:00

Mineworx Technologies, Nel ASA, Nordex – Ist 'Recycling-Kapitalismus' der kommende Supertrend?

  • Palladium
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Bildquelle: pixabay.com

Es fing an mit dem Recycling von Flaschen und ging über die erneuerbaren Energien bis hin zu aktuellen ESG-Kriterien und dem Nachhaltigkeitsdenken. Diese Denkweise setzt sich mehr und mehr durch. Die Zahl an Vegetariern bzw. Veganern wächst stetig. Jüngst wurden Einweg-Kunststoffprodukte verboten und dürfen in der EU nicht mehr hergestellt werden. Es sollen weniger Rohstoffe verbraucht, die Produkte möglichst oft genutzt werden – man denke an das Car-Sharing – und am Ende der Lebensdauer sollen die verwendeten Rohstoffe recycelt werden. So könnte die Welt mit ihren vorhandenen Ressourcen auskommen. Und kommende Generationen würden davon profitieren. Dieser neue Ansatz findet auch bei einigen börsennotierten Unternehmen Platz, von denen wir uns heute drei anschauen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: MINEWORX TECHNOLOGIES LTD | CA6034652041 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554

Inhaltsverzeichnis:


    Mineworx Technologies – Gründung eines neuen Unternehmens

    Der ehemalige Junior-Explorer hat sich dem Recycling von Dieselkatalysatoren verschrieben. Die Sparte wird in den kommenden Jahren einen Boom erfahren, da immer mehr Dieselfahrzeuge durch elektrische oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge ersetzt werden. Im Gegensatz zu dem herkömmlichen Schmelzverfahren, dass unter anderem die Gefahr von Explosionen in den Öfen birgt, gewinnt das Unternehmen die Rohstoffe durch einen chemischen Prozess zurück. Hierzu werden die Kernmaterialien der Katalysatoren gemahlen um im Anschluss über ein patentiertes Verfahren in ein Konzentrat von Platin und Palladium gewandelt zu werden, das dann an Raffinerien verkauft werden kann. Dieses Verfahren verringert die sonst durch das Schmelzen verursachten Emissionen deutlich. Zusätzlich wird mehr als 90% von den Edelmetallen zurückgewonnen, anders als beim Schmelzvorgang mit nur 30%.

    Am 24. Juni verkündete das Unternehmen die Gründung von PGM Renewal LLC, ein Joint-Venture mit dem Partner Davis Recycling Inc.. Die Tochtergesellschaft Mineworx USA hält dann 55% der Anteile, Davis Recycling 45%. Mineworx stellt die Pilotanlage, die bereits vollständig finanziert ist und die Technologie zur Verfügung. Der Partner sorgt für ausreichend Katalysatoren und bereitet diese entsprechend auf, damit die Rückgewinnung reibungslos verläuft. Die Anlage soll im 3. Quartal in Betrieb genommen werden und ab kommendem Jahr voll ausgelastet sein. Bei einem Umsatz von 100 Mio. kanadischen Dollar (CAD) soll die Anlage bei einer Bruttomarge von 20% erwirtschaften. Sollte dieses Ziel erreicht werden, ergibt dies allein einen Bruttogewinn von 11 Mio. CAD für Mineworx in 2022.

    Als Anleger sollte man auch die Mining-Assets in Spanien im Blick haben. Das Unternehmen besitzt eine Wollastonit Mine und eine Eisenmine, wo aktuell noch das Bohrprogramm läuft. Werden die historischen Ergebnisse bestätigt, kann man von 60-100 Mio. Tonnen Eisenerz ausgehen. Bei einem Verkauf wird allein die Mine voraussichtlich mehr bringen, als die aktuelle Marktkapitalisierung von Mineworx ausmacht. Die Aktie ist also nicht nur aufgrund des Recycling-Ansatzes interessant. Da das jedoch der Hauptfokus ist, kann man sich auf eine positive Entwicklung in den kommenden Jahren freuen. Voraussetzung dafür sind ausreichend Diesel-Katalysatoren. Die Annahme, dass die Zahl steigen wird, ist sicher nicht verkehrt.

    Nel ASA erfährt Unterstützung durch die EU

    Der Twitter-Account Nel Hydrogen verwies am 5. Juli auf die Initiative Renewable Hydrogen Coalition der Europäischen Union, die Empfehlungen für das Fit-for-55 Paket gibt. Dort ist die Rede von dem ersten klimaneutralen Kontinent Europa, auf dem der Wasserstoff-Markt eine Größe von 150 Mrd. EUR habe und jährlich um 20 Mrd. EUR wächst. Die Technologie soll aus Europa kommen und die Kosten für Wasserstoff sollen zwischen 40 und 55% sinken. Als Märkte sieht die Initiative die Schwerindustrie, das Transportwesen sowie die Luft- und Seefahrt. Bis 2030 soll Wasserstoff günstiger sein als fossile Brennstoffe.

    Für Nel ASA sind das hervorragende Neuigkeiten, denn die aufgelisteten Märkte beackert das Unternehmen. Made in Europe kann man als Protektionismus für die europäischen Wasserstoff-Player verstehen. Das würde Nel ASA sicherlich helfen. Aber nicht nur die EU ist Unterstützer, sondern auch Norwegen selbst wo das Unternehmen gegründet wurde. Norwegen will bis spätestens 2050 klimaneutral werden, unter bestimmten Voraussetzungen auch schon 2030. Das Unternehmen ist in Europa führend, was seine Wasserstoff-Produkte angeht. Das Produktportfolio reicht von Produktionstechnologien (grüner Wasserstoff) über Wasserstofftankstellen bis hin zu Wasserstofffahrzeugen.

    Die Aktie hatte zwischen Mai und Juni einen Doppelboden bei 16 norwegischen Kronen (NOK) ausgebildet und ist von dort Ende Juni bis auf 21,45 NOK gestiegen. Seitdem hat es einen fast 10%-igen Rücksetzer gegeben. Der erste Support liegt bei etwa 18,68 NOK. Sollte der Kurs noch einmal darunter fallen, sollten die Tiefststände aus Mai nicht mehr unterschritten werden, um den eingesetzten Aufwärtstrend zu bestätigen. Wer auf Wasserstoff aus Europa setzen möchte, kauft Nel ASA.

    Nordex – Kapitalerhöhung sorgt für Kursrutsch

    Nordex sorgt für erneuerbare Energie in Form von Windrädern. Am 6. Juli wurden bereits Zahlen für das 2. Quartal vorgelegt. Der Auftragseingang hat sich auf Halbjahressicht gegenüber dem Vorjahr von 2.531 auf 2.781 Gigawatt erhöht. Ein Vergleich der Quartale ist aufgrund der startenden Coronakrise vor einem Jahr schwierig. Den Hauptumsatz macht Nordex derzeit noch in Europa mit 54%, aber Südamerika liegt zumindest im 2. Quartal mit 46% fast gleichauf. Das Unternehmen konnte in den letzten Wochen immer wieder neue Aufträge vermelden, wie am 30. Juni 399 Megawatt (MW) aus Brasilien oder 45 MW aus Polen am 5. Juli. Es gibt noch einen kolportierten Megaauftrag aus Australien, aber der Abschluss steht noch aus.

    Das Hauptproblem des Unternehmens ist nach wie vor die Rentabilität. Trotz gutem Auftragseingang schreibt das Unternehmen bisher rote Zahlen. Für das kommende Jahr prognostiziert Nordex positive Zahlen und eine EBITDA-Marge von 8%. Dieses Jahr rechnet das Unternehmen nur mit 2%. Die Steigerung soll durch die neue Turbine Delta 4000 gelingen. Da die gesamte Branche der erneuerbaren Energien von dem immer besseren Umfeld profitiert, man denke nur mal die Projekte von Joe Biden, stehen alle Zeichen für diese Aktie auf Grün.

    Schaut man allerdings auf den Chart, so ist der Aufwärtstrend, der die Aktie bis auf 19,87 EUR brachte, abrupt abgerissen. Grund ist die überraschende Kapitalerhöhung, die am 2. Juli bekannt gegeben wurde. Es werden 42,67 Mio. Aktien zu 13,70 EUR ausgegeben. Die bisherige Aktienanzahl liegt bei 107 Mio. Somit werden die Anteile der Aktionäre deutlich verwässert, wenn sie sich nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen. Man sollte aktuell abwarten, wie weit sich die Aktie noch dem Kapitalerhöhungskurs von 13,70 EUR annähert.


    Jedes Unternehmen arbeitet auf seine eigene Weise am Ziel der Nachhaltigkeit für unseren Planeten. Eines haben aber alle gemeinsam, sie setzen sich für eine bessere Klimabilanz ein und es bleibt zu wünschen, dass diese Ziele in absehbarer Zukunft auch erreicht werden. Nur so werden uns die Ressourcen in den kommenden Jahrzehnten nicht ausgehen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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