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23.11.2021 | 06:20

Rivian Automotive, BrainChip, Infineon, Nvidia – Das sind Sprünge à la Tesla!

  • Technologie
  • E-Mobilität
  • Künstliche Intelligenz
Bildquelle: pixabay.com

Es sieht so aus, als dass die Technologie-Anleger in die All-In-Phase übergehen. Bei gewissen Branchen wird wohl mit unendlichem Wachstum gerechnet, das betrifft insbesondere E-Mobilität, Lithium, Wasserstoff und zuletzt auch die Chip-Branche. Bei allem Verständnis für die verbesserten Aussichten aufgrund des allgegenwärtigen Mangels und dem politischen Schulterschluss zu Gunsten klimafreundlicher Technologien - muss man deswegen an der Börse Kurs-Umsatz-Verhältnisse von 100 oder gar 1.000 bezahlen? Der neue Automotive-Wert Rivian hatte gleich zu Börsenbeginn eine Bewertung von über 150 Mrd. US-Dollar und noch kein einziges Auto verkauft. Im Jahr 2000 hatte man auch schon mal gedacht, dass Umsatz und Gewinn kein Maßstab für die Kursentwicklung sein können.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: BRAINCHIP HOLDINGS LTD | AU000000BRN8 , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004 , NVIDIA CORP. DL-_001 | US67066G1040 , Rivian Automotive | US76954A1034

Inhaltsverzeichnis:


    Rivian Automotive – Nicht mal Fliegen ist schöner!

    Einer der sensationellsten Börsengänge aller Zeiten war in 2021 sicherlich Rivian Automotive. Der Hersteller von Elektro-Vans erreichte zum Börsenstart eine Bewertung, die in etwa der von Volkswagen entspricht, einem deutschen Flagschiff und Weltunternehmen mit über 9,3 Mio. ausgelieferten Fahrzeugen im Jahr 2020. Die US-Investoren an der NASDAQ sind so begeistert über schillernde Innovationen, sie peitschen jede Neuerscheinung in Sachen E-Mobilität unreflektiert durch den Orbit.

    So spendierten sie für Rivian zum Börsenstart eine Bewertung von 153 Mrd. USD für eine geplante Produktion von ca. 10.000 Fahrzeugen in 2022. Rivian will mit seinen elektrisch angetriebenen Pick-ups und Vans die Branche aufmischen. Als Tesla im Jahr 2010 an die Börse ging, hatte die Firma am zweiten Tag nach ihrem Debüt einen Börsenwert von „lediglich 2 Mrd. USD“ - und das war damals ein Hit. Denn Tesla war ein kleines Start-up, das in einen alten Lotus einfach einen Elektromotor und ein paar Laptop-Batterien gepackt hat. "Faszinierend", würde Mr. Spock resümieren.

    Rund elf Jahre später ist der Run auf neue Aktien aus dem E-Mobilitäts-Sektor so groß, dass schon allein der 1,1-prozentige Anteil von RJ Scaringe, Vorstand und Gründer von Rivian, nach dem zweiten Handelstag an der Börse einen Wert von 2 Mrd. USD hat. So schnell werden Milliardäre geboren. Nun tauchen Gerüchte auf, die die Batterieleistung von Rivian in Frage stellen, wenn Heizung oder Kühlung benötigt wird. Das ist sicherlich keine wirkliche Neuigkeit, was die Leistungskriterien im Bereich E-Mobilität angeht. Die Aktie könnte aber durch solche Neuigkeiten in schweres Gewässer geraten. Daher ist Rivian rein aus Bewertungssicht kein Kandidat für ein ernsthaftes Long-Investment. Aber ein Spekulieren ist grundsätzlich in jede Richtung erlaubt – zu Wochenbeginn fiel Rivian schon mal weitere 10%.

    BrainChip Holdings – Innovationen für die Hightech-Industrie

    Ein Flaschenhals für die Hightech-Branche ist momentan die Verfügbarkeit an Hochleistungs-Chips. Durch die weltweit angespannte Situation bei den industriellen Lieferketten kommt es ausgehend von China zu extremen Verzögerungen in der Anlieferung von wichtigen Bauteilen. Auch in den Entwicklungsabteilungen geht es hoch her, um leistungsstarke Innovationen auf den Markt zu bringen. Für die Zielrichtung autonomes Fahren werden z.B. Chips benötigt, die einen Lernprozess erlauben und mit einer leistungsfähigen KI ausgestattet sind.

    BrainChip Holdings ist ein australisches Halbleiterunternehmen, das einen revolutionären neuromorphen Prozessor mit dem Namen „Akida“ herstellt. Dieser Chip ist der erste, voll digitale Computerchip, der auf die gleiche Weise funktioniert wie das menschliche Gehirn, d.h. er verarbeitet sogenannte Spikes anstelle von herkömmlichen Computerdaten. Aktuell wartet Brainchip mit einer sensationellen Kooperation auf. Es wurde bekannt, dass man mit MegaChips, einem Pionier in der ASIC-Branche (Application Specific Integrated Circuit), einen vierjährigen Lizenzvertrag für die BrainChip Akida™ IP abgeschlossen hat, um seine Technologieposition für Edge-basierte KI-Lösungen der nächsten Generation weiter auszubauen.

    MegaChips ist ein global agierendes, milliardenschweres Halbleiterunternehmen mit Sitz in Japan. Die gemeinsamen Lösungen in der revolutionären Akida-Technologie finden in Zukunft in Wachstumsmärkten wie Automotive, IoT, Kameras, Spiele und Industrierobotik Anwendung. Im Gegenzug für das geistige Eigentum und die Bereitstellung bestimmter technischer Dienstleistungen erhält BrainChip eine Lizenzgebühr und zusätzliche Zahlungen während der Vertragslaufzeit. Aufgrund ihrer Flexibilität und Skalierbarkeit kann die Akida-Technologie in modernen Systemen wie Smart Home, Smart Health, Smart City und Smart Transportation eingesetzt werden. Das vielfältige Spektrum für solche Anwendungen ist unter anderem die Hausautomatisierung, industrielles IoT, Robotik, Sicherheitslösungen, Sensoren, unbemannte Mobilitätslösungen, medizinische Instrumente sowie die Objekt-, Geräusch-, Geruchs- und Geschmackserkennung.

    Die Aktie von Brainchip wird an der NASDAQ und in Deutschland aktiv gehandelt. Mit der Meldung ging es gestern um 24% nach oben, die Aktie hat sich somit um 80% in nur fünf Wochen verteuert. Die Marktkapitalisierung beträgt nun rund 713 Mio. EUR. Dieser Zug steht eindeutig unter Volldampf.

    Infineon versus Nvidia – Wer macht in 2022 das Rennen?

    Auch mit den Aktien von Infineon ging es in 2021 durch die Decke. Der größte deutsche Chip-Produzent gilt hierzulande als direkter Profiteur des weltweiten Chipmangels. Nach einem starken Verlauf im Geschäftsjahr 2020/21 wird Infineon-Vorstand Reinhard Ploss für das neue Fiskaljahr noch optimistischer. Er sieht den Konzern gut gerüstet, um den Wachstumskurs dynamisch fortzusetzen. Umsatz und Profitabilität des Halbleiterkonzerns dürften erwartungsgemäß kräftig steigen.

    Vor diesem Hintergrund haben die Analysten zuletzt ihre Schätzungen und Kursziele für den DAX-Konzern hochgesetzt. 25 der 30 Experten, die eine Prognose erstellt haben, empfehlen den Titel zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel der Experten ist nach dem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) von 42,2 auf 46,7 EUR gestiegen. Das Top-Kursziel kommt mit 51 EUR von Goldman Sachs. Das Haus sieht angesichts des weltweiten Dekarbonisierungs-Trends und solider Profitabilitätsverbesserung das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken als günstig an.

    Kann da eine Nvidia-Aktie mithalten? Nvidia ist einer der am besten gelaufenen Chipwerte, denn der Trend zu Home-Schooling, digitalen Spieleplattformen und die hohe Nachfrage aus dem CoinMining-Bereich haben die Umsätze der Kalifornier explodieren lassen. Nvidia-Chips werden für Hochleistungs-Grafikkarten und Autonomes Fahren verwendet. Der Bedarf dieser Komponenten ist riesig.

    Mit 170% Kursanstieg in nur 12 Monaten liegt man aktuell gute 100% vor der Infineon-Aktie. Allerdings liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis der Deutschen nur bei 4 und das der Amerikaner bei schlappen 24. Der Technologietrend wird allerdings ganz klar an der NASDAQ gemacht und nicht an der deutschen Börse. Wir schicken die Aktien mit 43 bzw. 300 EUR ins Rennen und schauen einfach regelmäßig nach, wie die Geschichten sich entwickeln. Die technischen Trends sind bei beiden Werten voll intakt.


    Der Hochtechnologie-Sektor ist von einer Euphoriewelle getragen, wo sie endet, weiß der Investor immer erst im Nachhinein. Viele technische Trends sind bereits sehr heiß gelaufen, von den Bewertungen kaum zu sprechen. Gehen Sie daher limitiert vor und investieren sie unbedingt nach ihrer persönlichen Risiko-Mentalität. Mit einem mitlaufenden Trailing-Stop nach oben kann mittelfristig eigentlich nichts schief gehen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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