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17.08.2022 | 04:44

Wasserstoff drückt aufs Gaspedal: Plug Power, First Hydrogen, Nel, Ballard Power – 100%-Rallye ist real!

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Bildquelle: pixabay.com

Premierminister Justin Trudeau und Bundeskanzler Olaf Scholz werden ein Abkommen unterzeichnen, um gemeinsam die Produktion von Wasserstoffkraftstoff in Kanada für den Export nach Deutschland zu unterstützen, teilte die deutsche Regierung am Freitag mit. Der Regierungschef wird in Begleitung von Wirtschaftsminister Robert Habeck vom 21. bis 23. August nach Kanada reisen, um dieses wichtige Abkommen in Sachen Klimaschutz zu begründen. Noch sind die Verfahren sehr teuer und nur bedingt konkurrenzfähig, wenn die fossilen Energieträger aber dauerhaft teuer bleiben, wird es spannend. Wer hat bei den H2-Aktien die Nase vorn?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , BALLARD PWR SYS | CA0585861085 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power – Nach Zahlen mit ordentlicher Rallye

    Seit Joe Bidens Ankündigung eines 430 Mrd. USD starken Förderungspakets für den Klimaschutz und die Gesundheitsversorgung, sind Greentech-Aktien nicht mehr zu halten. Plug Power ist sicherlich einer der prominentesten Werte, wenn Anleger in die H2-Technologie investieren wollen. Zwar macht das Unternehmen aus Latham, New York noch keine Gewinne, dennoch ist es langfristig einer der Hauptprofiteure der aktuellen Investitionsbereitschaft westlicher Regierungen.

    Es geht um wichtige Themen, wie z.B. die Reduzierung der Treibhausgase und die Sicherung der zukünftigen Mobilität. Hierfür gibt es schon viele Konzepte, welche gerade in der regionalen Anwendung bei Bussen, Gabelstaplern oder autarken, dezentralen Energiezellen großen Sinn machen. Wichtig in der ökologischen Gesamtrechnung bleibt die „grüne Erzeugung“ des Wasserstoffs, d.h. der Einsatz von alternativ gewonnener Energie zur Erzeugung von H2.

    Aktuelle Quartalszahlen gab es bei Plug letzte Woche. Sie waren im Rahmen der Erwartungen, wie bereits vor der Finanzkonferenz von Analysten geschätzt. Der Nettoverlust je Aktie hat sich aufgrund hoher Investitionen von 0,18 auf 0,30 USD ausgedehnt, immerhin legte aber der Umsatz um 21,4% auf 151,3 Mio. USD zu. Für das Gesamtjahr sollen es 915 Mio. USD werden, gefolgt von 1,38 Mrd. USD in 2023. Damit ist die Aktie aktuell mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 18 bewertet. Das stört aber niemanden, denn es wird in die Zukunft geblickt und da stehen die Ampeln auf Grün. Der Plug-Kurs verdoppelte sich seit Ende Juni, die Optimisten feiern und die Pessimisten sind ganz still geworden.

    First Hydrogen – Deutsch-kanadische Zusammenarbeit beflügelt

    Unmittelbarer Profiteur von der deutsch-kanadischen Zusammenarbeit könnte First Hydrogen aus Kanada sein. Frühzeitig hat das Unternehmen erkannt, dass ein Batterieantrieb in der Logistikbranche nicht zielführend ist. Zu lange Ladezyklen und wenig Reichweite sind Determinanten, die ein Netz aus Lieferfahrzeugen bislang nicht rentabel erscheinen lassen. Mit dem nun avisierten Rahmenvertrag ist Kanada eines der ersten Länder, welches durch die grüne Erzeugung von Wasserstoff die Energieklemme in Deutschland lösen könnte.

    Wie bei solchen Rahmenverträgen üblich, gewährt man dem Kontraktpartner mit seinen zukunftsträchtigen Technologien natürlich auch Zugang zu den relevanten Märkten. Mit der ersten kommerziellen Entwicklung eines serienreifen Transporters (LCV) auf Basis eines MAN Chassis hat man bereits auf deutsche Technologie zurückgegriffen. Ballard Power und AVL Powertrain sind verantwortlich für den H2-Antriebsstrang, das sind bekannte und gut diversifizierte Fahrzeug-Technologiepartner, die eine internationale Vermarktung nach dem Launch möglich machen. Aktuell läuft der Test mit ersten Prototypen.

    Balraj Mann, CEO von First Hydrogen, sagte: "Grüner Wasserstoff bietet Kanada die Möglichkeit, bei der Dekarbonisierung der G7-Staaten eine Führungsrolle zu übernehmen. Unsere reichhaltigen erneuerbaren Energieressourcen können in Verbindung mit grünem Wasserstoff die Kohlenstoffemissionen erheblich reduzieren und dazu beitragen, dass unser Land das Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050 erreicht. Mit unserem starken Team sind wir in der Lage, unseren Beitrag zu Netto-Null zu leisten."

    Mit der britischen Regierung läuft bereits die erste Finanzierungsrunde als Teil eines politischen 10 GW-Wasserstoff-Ziels sowie weitere Partnerschaften zur Implementierung einer regionalen Wasserstoff- und Brennstoffzellenstrategie im Distrikt Manchester. Übergeordnetes Ziel ist die Erreichung eines klimaneutralen Netto-Null-Ziels bis 2038, klingt ehrgeizig – aber die Weichen sind schon mal gestellt. Bekannte Namen wie Hyundai, Toyota und Anglo American sind auch Teil der britischen H2-Planungen im Bereich Logistik. Noch vor einem Monat war die FHYD-Aktie für 2,25 CAD oder rund 1,70 EUR zu haben. Wir hatten zum Einstieg geblasen, nun steht der Wert 50% höher, nicht weit weg vom Allzeit-Hoch bei 3,57 CAD.

    Nel ASA und Ballard Power – Hoch bewertet, aber gute Produkte sind auf dem Weg

    Eigentlich sollten Aktien fallen, wenn schlechte Zahlen berichtet werden. Das ist nicht immer so, vor allem wenn sie erwartet wurden und gleichzeitig wichtige gesetzliche Weichenstellungen im Raum stehen. So verwundert es nicht, dass sowohl Nel ASA als auch Ballard Power nach ihren eher verhaltenen Halbjahresberichten zur Rallye ansetzten. Auch die Performance von Branchen-Primus Plug Power hat dem Anstieg den nötigen Vorschub verliehen.

    Auffällig an den Halbjahresberichten ist der große Ordereingang bei Nel sowie der deutliche Umsatzrückgang bei Ballard Power. Randy MacEwen, Präsident und CEO von Ballard Power sieht auch für 2022 weiter schwierige Zeiten mit sinkenden Bruttomargen, glaubt aber, dass der Übergang zur kommerziellen Produktion nicht mehr lange dauern wird, da weltweit alle Regierungen auf das Thema einlenken. Mit 1 Mrd. USD in der Kasse sind noch einige Forschungsrunden möglich. Auch bei Nel lag der Umsatz unter den Erwartungen, der Auftragsbestand erreicht mit 1,44 Mrd. NOK aber eine neue Höchstmarke. Eine Kapitalerhöhung erhöhte auch hier die Kasse auf 3,6 Mrd. NOK.

    Die Analysten sehen bei Nel im Schnitt einen fairen Wert von etwa 1,95 EUR, bei Ballard überwiegen die Neutral- und Verkaufs-Empfehlungen gegenüber positiven Voten. Technisch sollte Nel nicht unter 1,50 EUR rutschen, die positive 12-Monatsperformance von +20% kann sich aber sehen lassen. Nach den Zahlen ging es erst mal abwärts, doch die Börse blickt wohl weit nach vorn, wenn man das Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 20 in Betracht zieht. Auszahlbare Gewinne wird es vor 2025 nicht geben. Ballard Power konnte zwar vor den Zahlen 25% zulegen, geht aber seit dem Event an der Marke 8,55 EUR seitwärts. Auch hier ist die Bewertung jenseits von Gut und Böse und hinzu kommt ein skeptischer Ausblick des CEOs. Sie sollten beide Werte mit Stop 1,50 EUR bzw. 8,25 EUR ausstatten und einfach warten, was passiert.


    Die Wasserstoff-Branche nimmt derzeit wieder Fahrt auf. Man könnte denken, die große Korrektur ist vorbei! Tatsächlich ist die Euphorie nach Joe Bidens Climate Bill wieder da, nun muss das Gesetz nur noch final bestätigt werden. Aktuell können H2-Titel viel Momentum auf sich vereinen. Eine enge Ballführung ist nun nötig – würde Franz Beckenbauer sagen!


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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    • mobilität
    • klimawende
    • Turnaround

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