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28.03.2025 | 05:50

ProSiebenSat.1, naoo, Alibaba – unterschiedliche Geschäftsmodelle aber ein Ziel: Profit trotz Wandel

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Bildquelle: pixabay.com

Die Weltwirtschaft durchlebt einen rastlosen Transformationsprozess. Technologischer Fortschritt, gesellschaftliche Umbrüche und globale Vernetzung fordern Unternehmen heraus, ihre Strategien neu zu denken. Digitale Plattformen dominieren Märkte, während Nachhaltigkeit und Resilienz zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen werden. In diesem Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition kämpfen etablierte Branchen ums Überleben, während neue Player disruptiv auftrumpfen. Wie gelingt es Firmen, sich in einer hybriden Welt aus lokalen Werten und globaler Reichweite zu behaupten? Drei Beispiele – der Medienriese ProSiebenSat.1, das Tech-Startup naoo, das die digitale Welt mit dem lokalen Handel verbindet, und der E-Commerce-Gigant Alibaba – zeigen, wie unterschiedlich Zukunft gestaltet werden kann.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: PROSIEBENSAT.1 NA O.N. | DE000PSM7770 , NAOO AG | CH1323306329 , ALIBABA GROUP HLDG LTD | KYG017191142

Inhaltsverzeichnis:


    ProSiebenSat.1 – mitten in der Restrukturierung kommt das Übernahmeangebot

    Die ProSiebenSat.1 Group steigerte 2024 den Konzernumsatz um 2 % auf 3,92 Mrd. EUR, trotz eines schwachen Werbemarktes. Der Treiber war dabei das digitale Geschäft. Die Streaming-Plattform Joyn legte bei monatlichen Nutzern mit einem Plus von 44 % und 36 % längerer Verweildauer deutlich zu, während das Commerce-&-Ventures-Segment erstmals über 1 Mrd. EUR Umsatz erzielte. Für 2025 rechnet der Konzern mit moderatem Umsatzwachstum auf rund 4,0 Mrd. EUR, getragen von digitaler Werbung (+5 %) und stabilen Commerce-Erlösen. Das bereinigte EBITDA soll trotz höherer Programminvestitionen bei etwa 550 Mio. EUR verharren.

    MediaForEurope (MFE), größter Einzelaktionär von ProSiebenSat.1, strebt mit einem Übernahmeangebot die Kontrolle an. Doch statt einem Prämienaufschlag bietet MFE lediglich den gesetzlichen Mindestpreis – voraussichtlich rund 5,75 EUR je Aktie, zu 78 % in Barzahlung und dem Rest in MFE-Aktien. Die Ankündigung ließ die Aktie zeitweise sogar unter den Gebotspreis einbrechen, da Investoren auf höhere Aufschläge hofften. Analysten kritisieren die Strategie als „schleichende Kontrollübernahme“. Schon vorher sicherte sich MFE bereits die Zustimmung für mindestens 30 % der Anteile, doch kartellrechtliche Bedenken und unklare Synergien zwischen den TV-Netzwerken bleiben Risikofaktoren für Aktionäre.

    ProSiebenSat.1 verschlankt sein Portfolio konsequent. Der Verkauf von Vergleichsportal Verivox für 232 Mio. EUR und der Beteiligung an Urban Sports Club reduziert die Nettoverschuldung um über 250 Mio. EUR. Gleichzeitig übernimmt der Konzern die Anteile von General Atlantic an NuCom und ParshipMeet, um strategische Flexibilität zu wahren. Mit dem geplanten Verkauf von Beauty-Händler flaconi rückt das Kerngeschäft Entertainment weiter in den Mittelpunkt. Die Anpassung des 2025-Ausblicks auf 3,85 Mrd. EUR Umsatz und einem EBITDA von 520 Mio. EUR unterstreicht die vorsichtige Wachstumsstrategie. Aktuell kostet ein Anteilsschein 5,90 EUR.

    naoo - lokale Vernetzung trifft digitale Innovation

    Die Schweizer naoo AG hat sich mit ihrer Social-Media-Plattform im hart umkämpften Markt positioniert, indem sie digitale Interaktionen mit realen Erlebnissen verknüpft. Kern des Konzepts ist eine App, die Nutzer über standortbasierte Angebote, Gamification-Elemente wie beispielsweise die „Golden Egg Challenge“ und ein Belohnungssystem an lokale Unternehmen bindet. KI-gestützte Empfehlungen steigern die Relevanz von Inhalten um das Achtfache, was die Nutzerbindung in Zukunft deutlich stärkt. Mit Umsatzquellen aus Werbung, Premium-Diensten und Partnerschaften setzt naoo auf Diversifizierung – unterstützt von einer cloudbasierten Infrastruktur, die eine internationale Skalierung ermöglicht.

    Mit der Akquisition von einem 87 % Anteil an Kingfluencers, der führenden Influencer-Agentur der Schweiz, baut naoo sein Ökosystem strategisch aus. Die Übernahme im Tausch gegen 81.092 naoo Aktien, was rund 2 % aller ausstehenden Aktien entspricht, bringt Zugang zu über 3.000 Influencern und Kunden wie Nestlé oder Samsung. Die Kombination von Influencern und der interaktiven Social-Media-Plattform von naoo ermöglicht geolokalisierte Kampagnen, wodurch Brands über Challenges und exklusive Angebote näher an ihre Kunden rücken. Kingfluencers steigerte zuletzt seine Umsätze jährlich um 30 % und ergänzt naoos Portfolio um eine automatisierte Marketingplattform. Diese Kombination verspricht höhere ROI-Transparenz für Werbetreibende und stärkere Nutzerbindung durch personalisierte Erlebnisse. Die ausstehenden 13 % an Kingfluencers kann das naoo später übernehmen.

    Neben der Akquisition treibt das Unternehmen seine Wachstumsagenda konsequent voran. Seit dem 25. Februar ist die Android Verison der App auf dem Markt, die neue Märkte erschließt. Das gilt vor allem für die geplante Deutschland-Expansion, wo Android mit 70 % Marktanteil dominiert. Bei prognostizierten 10 Mio. CHF Umsatz in 2025 nach der Übernahme und steigender Profitabilität durch Synergien bietet naoo Anlegern eine interessante Anlagemöglichkeit. Durch die technologisch agile Plattform mit einem skalierbaren Modell können die Lücken zwischen digitalem und lokalen Handel geschlossen werden. Langfristig könnte die Mischung aus KI, Gamification und Influencer-Marketing zum Blueprint für modernen Digital Commerce werden. Die Aktie, die ausschließlich in Düsseldorf gehandelt wird, notiert aktuell bei 15,60 EUR.

    Alibaba – setzt auf Künstliche Intelligenz

    Chinas Technologiesektor macht derzeit bemerkenswerte Fortschritte im Feld der Künstlichen Intelligenz (KI). Ein Beispiel ist ein neuartiges Vorgehen von der Alibaba Tochter Ant Group, das mithilfe inländischer KI-Chips zu einer deutlichen Senkung der Trainingskosten führt. Dieser Ansatz setzt auf das Verfahren Mixture of Experts, das umfangreiche Aufgaben in kleinere Datensätze aufteilt. Parallel dazu gewinnen chinesische Unternehmen zunehmend an Dynamik, seitdem einheimische Alternativen zu US-Chips an Bedeutung gewinnen. Marktbeobachter vergleichen diese Entwicklung bereits mit anderen effizient trainierten KI-Initiativen wie dem R1-Modell von DeepSeek, das eine kostengünstigere AI-Entwicklung ermöglicht.

    Auch Alibaba mischt kräftig in der KI-Szene mit, unter anderem durch eine jüngst ausgeweitete Partnerschaft mit dem Automobilhersteller BMW. Gemeinsam soll das hauseigene Large-Language-Modell Qwen in die neue Generation der BMW-Fahrzeuge integriert werden, um dort intelligente Cockpit-Funktionen bereitzustellen. Darüber hinaus legt der Konzern ein klares Bekenntnis zu massiven Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur ab und will mit dieser Strategie seine Marktposition festigen. Sogar komplexe KI-Modelle wie Qwen 2.5-Max wurden bereits erfolgreich in zahlreichen Anwendungsfeldern weltweit implementiert.

    Doch trotz dieser Fortschritte bleiben wichtige Herausforderungen bestehen. Chinesische Unternehmen sehen sich weiterhin mit geopolitischen Beschränkungen und Exportkontrollen für fortschrittliche Halbleiter konfrontiert. Zugleich stellen eine teilweise schwache Binnennachfrage und Unsicherheiten im Immobiliensektor potenzielle Wachstumshemmnisse dar. Seit Jahresanfang konnte die Aktie in der Spitze gut 75 % zulegen. Momentan läuft der Wert eher seitwärts und notiert derzeit bei 133,52 USD.


    ProSiebenSat.1 zeigt, wie ein Medienkonzern durch Portfoliokonzentration, Digitalisierung und strategische Verkäufe, wie z. B. Verivox, trotz Übernahmeturbulenzen durch MFE Stabilität sucht. naoo verbindet KI, Gamification und Influencer-Marketing via Kingfluencers zu einem lokal-digitalen Brückenmodell und expandiert nun nach Deutschland. Alibaba setzt mit Partnerschaften wie BMW und Investitionen in KI-Modelle wie Qwen auf Technologieführerschaft, kämpft aber mit geopolitischen Chip-Restriktionen. Gemeinsam ist allen: Die Balance zwischen Spezialisierung und Agilität entscheidet, wer im Umbruch der hybriden Ökonomie profitiert, egal ob durch Streaming, lokale Vernetzung oder KI-getriebene Cloud-Strategien.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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