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12.09.2022 | 05:52

JinkoSolar, TubeSolar, Nel ASA – Die Innovationen der Zukunft

  • Photovoltaik
  • erneuerbare Energien
  • Agrartechnologie
Bildquelle: pixabay.com

Weniger Kohle, mehr Sonne. Damit der Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre reduziert wird, soll der Anteil erneuerbarer Energieträger am deutschen Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 65% anwachsen. Statt fossiler Brennstoffe sollen mehr regenerative Energiequellen als Grundlage für die Stromproduktion dienen. Neben dem Ausbau von Windkraftanlagen auf See und an Land treibt die Bundesregierung auch die Energiegewinnung durch Solaranlagen voran. Durch die Transformation in der Energiewirtschaft entstehen neue Technologieunternehmen, denen aufgrund ihrer Innovation ein erhebliches Potenzial und eine glänzende Zukunft bevorstehen könnte.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Mario Hose
ISIN: TubeSolar AG | DE000A2PXQD4 , JINKOSOLAR ADR/4 DL-00002 | US47759T1007 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

Inhaltsverzeichnis:


    JinkoSolar – Wachstum und rote Zahlen

    Einer der globalen Marktführer ist JinkoSolar. Das Unternehmen hat über 15.000 Mitarbeiter in sieben Produktionswerken und 15 Vertriebsniederlassungen auf der ganzen Welt. Trotz angespannten Marktumfeldes konnte der chinesische Konzern in den Monaten April bis Juni einen Umsatz von rund 2,72 Mrd. USD erzielen, was gegenüber dem Vorjahresquartal einen Anstieg von 138% bedeutet. Die Gründe für die steigende Nachfrage waren neben der Beschleunigung der Energiewende der schnellere Wechsel zu alternativen Energien aufgrund des Ukraine-Konflikts. Dadurch wurde mit 10.532 MW, darunter 10.183 MW für Solarmodule und 349 MW für Zellen und Wafer, im zweiten Quartal rund 100% mehr an Solarleistung ausgeliefert als im zweiten Quartal 2021.

    Trotz des starken Umsatzwachstums rutschte der Solarriese im Berichtszeitraum in die Verlustzone. Die Gründe waren einmal mehr höhere Produktionskosten aufgrund eines stark gestiegenen Preises des dringend benötigten Rohstoffes Polysilizium. Dazu kamen von der lokalen Regierung verhängte Stromrationierungsmaßnahmen in der Provinz Sichuan, die die Kapazität der Produktionsanlagen negativ beeinflussten. Der Nettoverlust belief sich dadurch auf -90,3 Mio. USD gegenüber einem Gewinn von knapp 10 Mio. USD im zweiten Quartal 2021.

    Unsicherheiten in der Geschäftsentwicklung sieht das Management weiterhin für das laufende Geschäftsjahr in Hinblick auf die die Stromrationierungsmaßnahmen in der Provinz Sichuan, da es unklar ist, wie lange diese andauern werden und wann die Anlagen ihre volle Produktion wieder aufnehmen können. Der CEO von JinkoSolar, Xiande Li, geht davon aus, dass nach der angepassten Kapazitätserweiterung die jährliche Produktionskapazität Ende 2022 für Wafer 60 GW, für Zellen 55 GW und für Module 65 GW erreichen wird.

    Die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs sehen im chinesischen Solarzellen- und Solarmodule-Produzenten weiterhin einen „Sell“-Kandidaten. Der Analyst Brian Lee zeigte sich für die kommenden Quartale skeptisch. Probleme bei der Logistik, politische Unsicherheiten sowie steigende Produktionskosten könnten sich negativ auf das Ergebnis niederschlagen. Trotzdem hob der Analyst das Kursziel von 31 USD auf aktuell 35 USD. Der Kurs der Aktie von JinkoSolar liegt aktuell deutlich höher bei 60,82 USD.

    TubeSolar AG – Hochinnovative Technologie

    Neben den etablierten Playern am PV-Markt ist die in Augsburg niedergelassene und mit einem Börsenwert von 52,81 Mio. EUR ausgestattete TubeSolar AG den meisten Anlegern noch gänzlich unbekannt, ihre innovative Agri-Photovoltaik-Technologie könnte bei einem möglichen Eintritt in den Massenmarkt jedoch für ein deutliches Upgrade sorgen. Aktuell gilt beim Ausbau der Sonnenenergie neben der Knappheit an benötigten Rohstoffen der Flächenfraß von Ackerflächen als größtes Problem. Durch den Solar-Boom werden immer mehr Solarparks auf früheres Ackerland gebaut, welches gänzlich aus der landwirtschaftlichen Produktion verschwindet und somit für die Nahrungsmittelversorgung fehlt.

    Dieses Entweder-oder-Prinzip durchbricht das 2019 aus einer erfolgreichen Transformation der früheren Osram/Ledvance entstandene Unternehmen mit seiner patentgeschützten Technologie zur Herstellung von innovativen Photovoltaik-Dünnschicht-Röhren. Diese röhrenförmigen Module hängen bis zu 10m über den Agrarflächen, sind wasser- und lichtdurchlässig und verringern die Bodenerosion. Somit ermöglicht dies die Kombination aus Energiegewinnung durch Sonnenlicht und Erhalt knapper werdender Bodenflächen für den Anbau.

    Neben der Agri-Photovoltaik ist der Aufbau des Geschäftsbereichs der Solarenergie bei Dachbegrünungen ein weiterer Schwerpunkt. Gegenüber den herkömmlichen, flachen Siliziummodulen bieten die leuchtstoffröhrenförmigen Module erhebliche Vorteile. Durch die zylindrische Form und die vorhandenen Zwischenräume gelangen großflächig Wasser und Lichtstrahlung zur darunter liegenden Vegetation, gleichzeitig wird Strom aus der einstrahlenden Sonne gewonnen.

    Im Laufe des Jahres soll der Übergang zur automatisierten Fertigung vollzogen werden und mit der ersten Fertigungslinie gestartet werden. Das Ziel ist in den nächsten Jahren der Ausbau auf bis zu acht Fertigungslinien mit einer jährlichen Produktionskapazität von 250 MW. Mit dem erfolgreichen Abschluss einer Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital Mitte August konnte TubeSolar einen Bruttoemissionserlös von 4,68 Mio. EUR erzielen, der zur Finanzierung des weiteren Wachstums und für Investitionen in den Aufbau der hochautomatisierten Fertigung der Module verwendet werden soll. Der Platzierungspreis lag bei 5,20 EUR je Aktie.

    Damit ergibt sich für Anleger auf einem reduzierten Kursniveau von aktuell 4,28 EUR die Möglichkeit, rund 20% günstiger gegenüber dem Kurs der Kapitalerhöhung zu investieren. Neben der innovativen und zukunftsträchtigen Technologie besitzen die Augsburger ein weiteres Asset im Portfolio. Mit einem Anteil von 15,6% ist man strategisch am US-Unternehmen Ascent Solar Technologies Inc. beteiligt, das eine spezielle Technologie für PV-Dünnschichtfolien fertigt. Allein der Wert des Unternehmensanteils von TubeSolar liegt bei 30,36 Mio. USD.

    Der CFO von TubeSolar, Felix Mantke, präsentiert das Unternehmen anläßlich des 4.IIF - International Investment Forum am 27.09.2022. Die Teilnahme am virtuellen Event ist kostenfrei.

    Nel ASA – Enttäuschte Analysten

    Im Verkehrssektor und speziell bei leichten und schweren Nutzfahrzeugen gilt Wasserstoff als Schlüsselelement zur Erreichung der Klimaziele. Der Wasserstoffspezialist Nel ASA, dessen Geschichte bis ins Jahr 1927 zurückreicht, gilt als eines der führenden Unternehmen bei Lösungen für die Herstellung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien. Die Lösungen der Norweger decken die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Wasserstoffproduktion bis hin zu Wasserstofftankstellen und ermöglicht der Industrie den Übergang zu grünem Wasserstoff.

    Die Zahlen zum zweiten Quartal enttäuschten sowohl Aktionäre als auch Analysten. So ist der Umsatz im zweiten Quartal zwar um 12% von 163,7 auf 183 Mio. NOK gestiegen, jedoch wurden 244 Mio. NOK erwartet. Unter dem Strich beträgt der Verlust 0,18 NOK pro Aktie. Das liegt ebenfalls rund 25% unter den Analystenprognosen. Im Anschluss an die Quartalszahlen nahm die US-Investmentbank Bank of America das Coverage mit dem Urteil „Underperform“ und einem Kursziel von 11 NOK wieder auf. Ebenfalls skeptisch zeigt sich die Schweizer Großbank Credit Suisse, die Nel ASA von „Neutral" auf „Underperform" abgestufte und das Kursziel von 15 NOK auf 10 NOK senkte. Der letzte Kurs der Aktie lag bei 14,41 NOK.


    Trotz Unterstützung durch die Politik enttäuschen sowohl JinkoSolar als auch Nel ASA mit den zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen und werden von den Analysten abgestraft. Dagegen verspricht die Technologie von TubeSolar eine Innovation. Bei einem erfolgreichen Eintritt in den Massenmarkt könnte die Aktie vor einer Neubewertung stehen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Mario Hose

    In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.

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