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28.11.2023 | 04:45

GreenTech 2024 – Die Turnaround-Analyse: Siemens Energy, Almonty Industries, JinkoSolar und Nordex. Ist die Wende nah?

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Bildquelle: pixabay.com

Die westliche Hemisphäre erlebt wegen Corona und nachfolgender geopolitischer Konflikte eine nie dagewesene Inflationierung. Diesmal ist es kein Boom, der die Preise explodieren lässt, sondern die Verfügbarkeit an Rohstoffen, Menschenkraft und Kapital. Der Zinsanstieg verteuert Infrastruktur-Projekte rund um den Globus und gefährdet die Umsetzung der Klimaprojekte. In einem solchen Umfeld versuchen GreenTech-Unternehmen sorgfältig zu planen, dennoch sind sie auf den Zuspruch von öffentlichen Budgets angewiesen. Nach starken Kurskorrekturen im laufenden Jahr können Investoren nun bereits gut 50 % unter den Hochs einsteigen, aber ist der Boden schon erreicht?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , JINKOSOLAR ADR/4 DL-00002 | US47759T1007 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034

Inhaltsverzeichnis:


    Siemens Energy – Nach 70 % Korrektur nun 100 % Gewinn?

    Die Abspaltung der Energiesparte aus dem Mutterkonzern Siemens braucht noch umfangreiche Gehhilfen, um am Markt bestehen zu können. Weil man fast 5 Mrd. EUR für die Qualitätsmängel der spanischen Tochter Gamesa abschreiben musste, ist das Eigenkapital bei Siemens Energy sehr knapp geworden. Um die prall gefüllten Orderbücher dennoch weiter bearbeiten zu können, braucht es frisches Kapital für die Vorfinanzierung großer Projekte.

    Mit einer Bürgschaftszusage über 12 Mrd. EUR von der Bundesregierung, Banken und der ehemaligen Mutter haben die Münchener in der letzten Woche ihren Kapitalmarkttag abgehalten und zur aktuellen Misere Stellung bezogen. Im Ergebnis möchte man bis zum Geschäftsjahr 2025/26 eine Umstrukturierung einleiten, welche bei der Tochter Gamesa zu Einsparungen von 400 Mio. EUR jährlich führen soll. Wie bekannt wurde, soll Gamesa bereits im laufenden Geschäftsjahr wieder die Gewinnschwelle erreichen. Gamesa kämpft mit Qualitätsproblemen bei Landturbinen, Anlaufschwierigkeiten bei Offshore-Anlagen und deutlich höheren Kosten in der Herstellung. Aufträge sollen in Zukunft selektiver angenommen werden, damit sinkt der Auftragstrend zunächst. Das im September gestartete Geschäftsjahr 2023/24 soll deshalb erneut einen Milliardenverlust produzieren.

    Siemens Energy hatte bereits Mitte November seine 2025/26er Ziele für die Sparten und den Konzern genannt. Als Langfristziel erwartet das Management eine operative Marge von 8 % oder mehr, im abgelaufenen Geschäftsjahr rutschte sie erstmalig mit 8,9 % ins Minus. Neben der erhofften Kehrtwende bei Gamesa sollen die Netztechnik sowie die Industrietransformation für eine bessere Profitabilität sorgen. Die Aktie konnte sich bereits um 70 % von den Tiefstständen um 6,40 EUR erholen, damit beträgt die Marktkapitalisierung wieder rund 8,6 Mrd. EUR. Bei 11,40 EUR wäre auch der Buchwert wieder erreicht, bleibt nur zu hoffen, dass keine weiteren Mega-Abschreibungen eintreten. Auf der Plattform Refinitiv Eikon sind 19 von 20 Analysten freundlich gestimmt und erwarten ein durchschnittliches 12-Monatskursziel von 14,75 EUR. Das wären von unten gerechnet mehr als 100 %. und mit heutigem Einstieg immer noch knapp 50 %. Summa Summarum verlangt ein Investment in Siemens Energy nach wie vor Konsequenz und Nerven. Setzen sie daher einen Gewinnsicherungs-Stop bei 9,50 EUR für alle Fälle.

    Almonty Industries – Die Förderung von Wolfram aus Korea auf dem Plan

    Mit dem jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts werden einige Transformations-Projekte zu überdenken sein, denn es ist für die Regierung nun nicht mehr so einfach, Sondertöpfe nach Belieben umzudeklarieren. Unterstellt man die Verfügbarkeit von Mitteln, so steht und fällt der Erfolg der Energiewende mit der Verfügbarkeit von stabilen Jurisdiktionen, welche aufgrund umfangreicher geopolitischer Anspannungen nicht aus dem Boden schießen. GreenTech-Unternehmen wie Siemens Energy sind auf eine stabile Versorgungslage bei wichtigen Metallen angewiesen. Denn in ein Windrad werden heute 1.300 Kubikmeter Beton und 180 Tonnen Stahl verbaut. Für den Rotor, den Metallaufbau und die Generatoren werden weiterhin 35 Tonnen Aluminium, 5 Tonnen Kupfer und einige Seltene Erden benötigt. Die Herstellung von Windrädern und Photovoltaikanlagen birgt also eine hohe Abhängigkeit von Ländern wie Brasilien (Eisenerz), Peru und Chile (Kupfer), Guinea (Bauxit) sowie China (Seltene Erden).

    Almonty Industries ist ein kanadisches Unternehmen und besitzt 4 Liegenschaften des seltenen Metalls Wolfram. Seit einigen Jahren arbeitet das Unternehmen hart an der Revitalisierung der Sangdong-Mine in Südkorea, der Produktionsstart könnte schon bald erfolgen. Bald sollen auch wieder die Liegenschaften in Spanien produzieren, die weiteren Cashflow für Südkorea bereitstellen könnten. Im November wurden nun weitere 13,7 Mio. USD von der finanzierenden KfW freigegeben. Sie sind Teil einer 75,1 Mio. USD Fazilität, die man im Jahr 2021 verhandelt hatte. Mit den umfangreichen Ressourcen an Wolfram und Molybdän verfügt Almonty über eine mögliche Produktionsmenge, die bis zu 5 % des Weltverbrauchs in Wolfram ausmachen kann. Bei so einer Menge dürften westliche Großabnehmer alsbald Schlange stehen.

    Als strategische Investoren sind bereits die Deutsche Rohstoff AG sowie die österreichische Plansee-Gruppe an Bord, das verleiht dem Projekt hohe Stabilität. Der Freefloat in der Almonty-Aktie beträgt zurzeit etwa 50 %, wegen des bevorstehenden Produktionsstarts könnte es bald zu einer stärkeren Nachfrage in der Aktie kommen. Die Analysten von Sphene Capital und First Berlin raten zum Kauf mit gut 200 % Kurspotenzial. Aufgrund der nahestehenden News zu Südkorea sollten spekulative Anleger in der aktuellen „Tax Loss Season“ beherzt zugreifen.

    CEO Lewis Black stellt sich auf dem 9. International Investment Forum am 5. Dezember um 16:00 Uhr CET den Fragen der Investoren. Hier geht´s zur kostenfreien Anmeldung.

    Nordex versus JinkoSolar – Wo liegen die technischen Widerstände?

    Im aktuellen Umfeld macht es Sinn, die GreenTech-Werte Nordex und JinkoSolar genauer zu beobachten. Nordex hatte zuletzt mit den Q3-Zahlen leicht enttäuscht, JinkoSolar konnte hingegen seinen guten fundamentalen Trend bestätigen. Dennoch liegen beide Aktien auf 12-Monatssicht mit 20 bzw. 32 % im Minus. Belastend ist für Investoren die verminderte Visibilität hinsichtlich staatlicher Aufträge, was nun zunehmend zu einem Malus für die zuvor gefragten Klima-Werte wird.

    Die Analysten der Deutschen Bank haben trotz Kaufempfehlung ihr Kursziel für Nordex auf 16 EUR leicht gesenkt, Jefferies traut den Hamburgern noch 17 EUR zu. Für Jinko gibt es auf der Plattform Refinitiv Eikon nur 8 interessierte Analysten, die Voten sind aber durch die Bank heterogen. Als Kursziele werden im Schnitt 46,70 EUR erwartet, das wäre immerhin ein Aufschlag von 50 % auf den aktuellen Kurs. Trotzdem steht und fällt die Entwicklung des chinesischen Solarpanel-Herstellers mit der Ausgabenwilligkeit westlicher Regierungen zugunsten der Klimawende.

    Rein technisch lauert das nächste Kaufsignal für Nordex oberhalb der 11 EUR-Marke. JinkoSolar wächst fundamental zwar mit 15 bis 20 %, richtige Kauflaune zeigt der Chart aber nur oberhalb der Marke von 37 EUR. Wer sein Risiko senken will, mischt beide Werte in vertretbaren Mengen zu und hofft auf eine neuerliche Ausgabenflut aus Berlin. Ohne öffentliche Fördergelder dürfte es allerdings nur holprig vorangehen.

    Die ausgewählten GreenTech-Protagonisten liegen nun seit einigen Monaten im Hintertreffen. Almonty Industries kann wegen des überschaubaren Horizonts bis zur Mineneröffnung in Korea aber jüngst Boden gutmachen. Quelle: Refinitiv Eikon vom 27.11.2023

    Strategische Metalle bilden die Grundlage für die Umsetzung der Klimawende. Die größten Anbieter bleiben aber weiterhin Russland und China. Damit sind die westlichen Industrienationen aufgerufen, alternative Beschaffungswege zu etablieren. Almonty Industries ist nur noch wenige Wochen vor dem Produktionsbeginn. Wenn die Mine erst mal läuft, dürften Siemens Energy, Nordex und JinkoSolar für eine Wolfram-Belieferung aus einer sicheren Jurisdiktion Schlange stehen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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