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11.06.2021 | 05:08

Plug Power, Enapter, Siemens Energy – Wasserstoffboom, die nächste Runde!

  • Wasserstoff
Bildquelle: pixabay.com

Die Bilanzierungskrise bei Wasserstoff-Branchenprimus Plug Power hatte die Anleger verunsichert und den gesamten Sektor zu einer Korrektur gezwungen. Mit Vorlage der korrigierten Jahresabschlüsse Mitte Mai scheint dies bereits Schnee von gestern zu sein. Schnell begannen viele Werte wieder mit einer Kursrallye, als sei nichts passiert. Doch wie lange kann das gut gehen? Zeigen sich bereits erste Überhitzungstendenzen? Wichtig ist jetzt, auf Unternehmen zu setzen, die einen stetigen und nachhaltig positiven Newsflow produzieren.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Carsten Mainitz


Plug Power – Weiterer Kick durch Joint-Venture mit Renault und Umbau des Pariser Flughafens zum Wasserstoff-Hub

„Hyvia“ heißt das neue Baby von Plug Power und dem neuntgrößten Automobilkonzern der Welt, Renault. Das Kofferwort aus dem altgriechischen „Hydor“ (Wasser) und dem lateinischen „Via“ (Straße) erklärt, wohin die Reise geht: Hyvia, an dem beide Partner zu je 50% beteiligt sein werden, soll sowohl die Wasserstoffinfrastruktur für die Versorgung der leichten Nutzfahrzeuge, die Renault ab Ende 2021 auf den Markt bringen will, an zunächst vier Standorten in Frankreich entwickeln, als sich auch um das Flottenmanagement und die Wartung der Fahrzeuge kümmern, deren Aktionsradius durch die neue Technologie auf über 500km ausgedehnt wird. Renault als europäischer Elektromobilitätspionier zielt damit vor allem auf die chinesische Konkurrenz von BYD, die allerdings auf reine Elektroantriebe setzt. Durch die Entscheidung für die Wasserstofftechnologie verspricht sich der Konzern Kostenvorteile und eine höhere Flexibilität beim Energie-Mix kombiniert mit einem einfacheren und anwenderfreundlicheren Handling. Dies war jedoch nicht die einzige Nachricht, die der Aktie von Plug Power einen weiteren Schub geben dürfte.

So kündigte eine Arbeitsgruppe von Airbus und Air France-KLM zusammen mit der Region Paris an, die regionalen Flughäfen zu Wasserstoff-Hubs umbauen zu wollen, um die Ziele der EU-Kommission für einen emissionsfreien Flugverkehr bis 2035 anzugehen. Dabei habe man sich unter anderem für die Brennstoffzellentechnologie von Plug Power entschieden. Für Plug Power dürften diese Projekte, zusammen mit den bereits im Februar kommunizierten Kooperationen mit der südkoreanischen SK-Group sowie der spanischen Acciona Gruppe, den Status als Branchenführer weiter festigen. Für Investoren sind dies gute Nachrichten. Und auch das Gros der Analysten traut der Aktie noch einiges zu. So liegt das mittlere Kursziel bei rund 49 USD, dies bedeutet ein Upside von über 50%!

Enapter – Noch ist es ruhig

Auffällig ruhig ist es in den letzten Wochen rund um den deutschen Wasserstoffpionier Enapter geworden. Nach der Bekanntgabe von Änderungen im Vorstand sowie der Erweiterung des Beirats war die Mitte Mai veröffentlichte Ankündigung des Einstiegs in die Megawattklasse durch die Entwicklung eines neuen Groß-Elektrolyseurs auf Basis der Anionenaustauschmembran-Technologie (AEM) die letzte Meldung des Unternehmens aus Heidelberg. Der neue Elektrolyseur namens AEM-Multicore soll auf dem eigenen, derzeit im Bau befindlichen Enapter-Campus in der Klimagemeinde Saerbeck im Münsterland entstehen und mittels AEM-Stacking bis zu 450kg H2 pro Tag produzieren, was einem Energieäquivalent von ca. 9,5 Barrel Rohöhl entspricht. Dank der AEM-Technologie soll der Elektrolyseur wesentlich günstiger und wartungsfreundlicher sein, als die konventionelle, derzeit am Markt erhältliche alkalische oder PEM-Technologie.

Die Markteinführung des AEM-Multicore ist für 2022 vorgesehen. Das ambitionierte Ziel lautet eine 280MW-Produktionskapazität pro Jahr aufzubauen. Die letzten Meldungen des Unternehmens waren zudem sehr interessant für Anleger. Insbesondere die Erweiterung des Beirats um vier hochkarätige Persönlichkeiten mit Erfahrung im Aufbau einer Massenproduktion und exzellenten technischen Kenntnissen beeindruckt. Für uns bleibt die Enapter AG, die in vielen Dingen einen unüblichen Ansatz wählt, eines der spannendsten Unternehmen im Wasserstoffmarkt. Diese Einschätzung scheint die Börse zu teilen, denn der Kurs hat sich seit April wieder erholt. Wir sind auf die weiteren Entwicklungen gespannt. Anleger sollten die Aktie im Auge behalten!

Siemens Energy – Wann zündet endlich der Turbo?

Was ist los bei Siemens Energy? Das fragen sich seit einiger Zeit viele Investoren. Das DAX-Unternehmen hat exzellente Referenzen, die Windkrafttochter Siemens Gamesa ist einer der größten Windkraftproduzenten der Welt und konnte kürzlich einen Gewinnsprung ausweisen. Siemens Energy selbst fokussiert sich auf absolute Zukunftstechnologien und hat mit 18 ein eher moderates 2023er KGV. Und auch der Newsflow der letzten Monate ist durchaus positiv. Die einzig plausible Antwort ist natürlich woanders zu finden. Offensichtlich haben in den letzten Monaten Banken und internationale Investoren Aktienpositionen nach Auslaufen der Lock-Up Fristen über die Börsen „entsorgt“. Nach Einschätzungen aus dem Frankfurter Bankenumfeld dürften diese Positionen nun aber vollständig abgebaut sein. Damit steht einer Kurserholung nichts mehr im Weg. Und diese ist angesichts der vielen positiven Meldungen der letzten Tage und Wochen mehr als überfällig. So konnte das Unternehmen jüngst vermelden, bei mehreren Projekten bedacht worden zu sein, die sich für Fördermittel der Wasserstoffoffensive der Bundesregierung von 8 Mrd. EUR qualifizieren.

Beispielsweise werde eine Kooperation mit der Salzgitter AG zur Produktion grünen Stahls oder ein Gemeinschaftsprojekt mit RWE zur Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen mit integrierten Elektrolyseuren vor Helgoland gefördert. Außerdem gab das Unternehmen eine Kooperation mit dem japanischen Mitsubishi-Konzern bekannt, um zukünftig das hochgiftige und stark klimaschädliche Isolationsgas Schwefelhexaflourid aus Hochspannungsschaltanlagen zu verbannen. Auch dies stellt nach Meinung von Experten einen Milliardenmarkt dar. Weitere positive Nachrichten der letzten Tage umfassten den Vorschlag einer Kooperation mit Uniper zur Dekarbonisierung des nach Tonnage größten britischen Hafens Inningham, den Auftrag von OneSubsea zur Lieferung schlüsselfertiger Komponenten für die Ausrüstung eines großen Ölfelds vor der Küste Brasiliens sowie den Zuschlag für den Bau zweier Konverterstationen für die geplante Nord-Süd-Stromverbindung vom sachsen-anhaltinischen Wolmirstedt ins bayrische Landshut.

Alles in allem gute Gründe, die für eine baldige Kurserholung sprechen. Das mittlere Kursziel der Analysten für die Aktie liegt bei knapp 36 EUR. Unserer Meinung nach spricht die Faktenlage eindeutig für den Aufbau einer Position.


Der Autor

Carsten Mainitz

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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