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05.08.2021 | 05:10

Nio, AdTiger, Alibaba – Chance China

  • Online Business
Bildquelle: pixabay.com

Um die Datensicherheit, den grenzüberschreitenden Datenfluss und die Verwaltung vertraulicher Informationen von chinesischen Unternehmen zu gewährleisten, deren Aktien im Ausland gehandelt werden, gerieten besonders Tech-Firmen in den Fokus der chinesischen Regulierungsbehörden. Der Unsicherheit folgte ein Abverkauf bei den entsprechenden Werten. Unternehmen wie Baidu, Tencent oder Alibaba verloren überproportional und bieten auf dem korrigierten Niveau langfristig interessante Einstiegschancen.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Stefan Feulner
ISIN: ADTIGER CORP.LTD. | KYG009701064 , ALIBABA GR.HLDG SP.ADR 8 | US01609W1027 , NIO INC.A S.ADR DL-_00025 | US62914V1061


AdTiger – Im Windschatten der Big Player

Im Gegensatz zu den Größen am chinesischen Tech-Markt ist AdTiger, ein führendes Unternehmen im Digital Marketing, noch relativ unbekannt. Dabei sind die Wachstumsraten im Bereich Performance-Marketing für die Agentur enorm. Laut einer Studie von Frost & Sullivan betragen die Wachstumsraten bis 2025 rund 26,4%. Mit Big Data und AI, als Kern seiner Plattform AdTensor, verbindet AdTiger führende Internet-Medienplattformen, um Zugang zu aktiven Internetnutzern zu erhalten. Das Unternehmen bietet globale digitale Marketinglösungen für Unternehmen an, unterstützt damit Vertrieb und Marketing, baut Markenbekanntheit auf und erweitert damit den Kundenstamm in beträchtlichem Maße.

Aktuell sind überwiegend chinesische Konzerne Kunden von AdTiger. Ein Großteil dieser Kunden sind wie Sina, Futu, Netease oder Baidu branchenübergreifend unter den Top 50 in China zu finden. Daneben bestehen mit den global größten Plattformen langjährige Partnerschaften. So ist AdTiger die Leadagentur von Google in China und seit acht Jahren einer der Exportpartner von Facebook. Zudem kooperiert die in China ansässige Holdinggesellschaft eng mit TikTok und Bigo und wurde als „Lens Creative Partner“ von Snapchat ausgezeichnet.

Dass sich AdTiger auf schnell verändernde Gegebenheiten anpasst, zeigt inbesondere das vergangene Jahr. So war Indien zum Zeitpunkt der Erstnotierung an der Börse im Juli 2020 der größte Überseemarkt für Werbung für das Unternehmen. Aufgrund von COVID-19 und der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den Vereinigten Staaten wurde der indische Markt schwer getroffen. Das Unternehmen entschied, sich im vierten Quartal 2020 auf den chinesischen Werbemarkt zu verlagern und baute die Märkte in Südostasien und im Nahen Osten aus. So wurden im ersten Quartal des laufenden Jahres nur noch 3% des Gesamtumsatzes in Indien erlöst. Trotz des Wegbrechens des indischen Marktes stiegen die Erlöse insgesamt um 70% gegenüber dem Vorjahresquartal.

Durch den Handelskonflikt zwischen China und den USA setzt AdTiger zudem vermehrt auf die Dienste TikTok und WeChat Video und legt seinen Fokus auf die wachsenden ASEAN-Staaten wie Indonesien, Singapur und Vietnam. Wachsen will die in China niedergelasse Holdinggesellschaft auch durch strategische Kooperationen und Übernahmen verschiedener Apps. Deshalb wurde ein Investmentfonds in Qingdao eingerichtet, der mit den führenden Private-Equity-Fonds der Branche zusammenarbeitet und dadurch Zugang zu den aussichtsreichsten Anbietern gewährt.

AdTiger legt ein enormes Wachstumstempo vor. Der Börsenwert des Unternehmens, das neben Hongkong auch in Frankfurt gehandelt wird, liegt aktuell bei 60,0 Mio. EUR. Das Unternehmen arbeitet in einem stark wachsenden Markt und ist zudem 100% auf digitale Themen fokussiert.

Alibaba – gebremstes Wachstum

Seit November des vergangenen Jahres kommt der Techriese Alibaba nicht mehr aus den Schlagzeilen. Damals, der Kurs stand bei 271 USD, sollte der weltgrößte Börsengang der Ant Group, Tochter und Finanzarm, über die Bühne gehen. Dieser wurde kurz vor der Erstnotierung auf Druck der Kontrollbehörden des Landes abgeblasen. Es folgten wochenlange Spekulationen um das Verschwinden des Alibaba-Gründers Jack Ma. Rund ein halbes Jahr später verlor das Tech-Unternehmen 40% seines Wertes und bietet trotz der Unsicherheiten auf aktuellem Niveau langfristig eine interessante Einstiegschance.

Ähnlich sieht es die Führungscrew des Unternehmens und kündigte die Aufstockung seines Aktienrückkaufprogrammes von 10 Mrd. USD auf 15 Mrd. USD an, das größte Programm in der Geschichte Alibabas. Zuvor wurde für das zweite Quartal ein Umsatzanstieg von 34% in Höhe von 205,74 Mrd. chinesischen Juan (RMB) vermeldet. Zwar lag die EBITDA-Marge bei enormen 2%, der starke Wachstumskurs zum Vorquartal in Höhe von 64% konnte jedoch nicht wiederholt werden. Damit wurden die Umsatzerwartungen der Analysten verfehlt, beim Gewinn je ADS lag das chinesische Unternehmen mit 16,6 RMB über dem Konsens von 14,45 RMB.

Nio – Weiter starke Zahlen

Besser sieht die charttechnische Lage beim chinesischen Autobauer Nio aus. So würde das Überwinden der Marke von 46,80 USD kurzfristiges Trading-Potenzial bis in den Bereich von 55 USD bieten. Unterfüttert wird die Situation mit weiter hohen Absatzzahlen für den Monat Juli. Im Vergleich zum Vorjahresmonat konnten 7.931 Fahrzeuge ausgeliefert werden, ein sattes Plus von 124,5%. Die Auslieferungen umfassten 1.702 ES8, das 7-sitzige Elektro-SUV-Flaggschiff der Marke, 3.669 ES6, das mittelgroße SUV, sowie 2.560 EC6, wie NIO sein SUV-Coupé nennt. Am 11.8.veröffentlicht der Elektroautobauer zudem seine Zahlen für das zweite Quartal.


Durch den Crash am Aktienmarkt aufgrund der Regulierungswut der Behörden, bieten chinesische Tech-Firmen mit niedrigeren Niveaus interessante Einstiegschancen. Neben Nio und Alibaba bietet auch das in China niedergelassene Unternehmen AdTiger hohes Wachstumspotenzial.


Der Autor

Stefan Feulner

Mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung und ein breit gestreutes Netzwerk kann der gebürtige Franke vorweisen. Seine Leidenschaft gilt dem Analysieren verschiedenster Geschäftsmodelle und dem Durchleuchten neuer Trends.

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