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12.10.2021 | 04:44

Infineon, BrainChip, Palantir – Die Qual der Wahl!

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  • Chips
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Bildquelle: pixabay.com

Der Chipmangel wirkt sich immer negativer auf die Lieferketten aus. In Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt bei einigen Zulieferern der Automobilbranche Kurzarbeit ausgerufen worden. Erst hat die Pandemie und die damit verbundenen Unsicherheiten bei den Verbrauchern für weniger Nachfrage gesorgt. Jetzt ist die Nachfrage plötzlich wieder da, aber sie kann nicht befriedigt werden, weil die Lieferketten aus Asien noch nicht richtig funktionieren. Marktbeobachter gehen davon aus, dass diese Einschränkungen bis ins kommende Jahr hinein anhalten werden. Die Chipkrise existiert nun seit der Evergreen-Havarie im Suezkanal und scheint uns noch länger zu begleiten. Wir blicken auf einige Tech-Titel aus dem näheren Umfeld.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: André Will-Laudien
ISIN: BRAINCHIP HOLDINGS LTD | AU000000BRN8 , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004 , PALANTIR TECHNOLOGIES INC | US69608A1088


Infineon – Abverkauf in luftiger Höhe

Die Aktien von Infineon büßten zuletzt fast 10% vom Jahreshoch bei rund 38,5 EUR ein. **Grund war eine Pressekonferenz, die einen Ausblick auf die Erwartungen des nächsten Geschäftsjahres bot. "Das Jahr 2022 wird ein starkes Jahr", erklärte der Vorstandsvorsitzende Reinhard Ploss. Der Konzern profitiert derzeit stark von der boomenden Nachfrage nach Chips. Die Trends rund um Elektrifizierung sowie Digitalisierung, etwa in der Automobilbranche, sorgen für volle Auftragsbücher. CO2-Reduzierung und der Wunsch, Dinge intelligent zu machen und sicher zu vernetzen, sind die wichtigen Basistrends in allen technologieorientierten Branchen.

So dürfte der Umsatz im neuen Geschäftsjahr 2021/22 im mittleren Zehnerprozentbereich steigen, wie der Konzern am vergangenen Investorentag mitteilte. Auch die operative Marge im Segmentergebnis soll auf rund 20% zulegen. Dabei geht Infineon aber von deutlich höheren Investitionen i.H.v. 2,4 Mrd. EUR aus. Die mittelfristigen Wachstumsziele wurden damit bestätigt, der Kapitalmarkt hatte aber wohl etwas mehr erwartet. Trotz positiver Analystenkommentare ging der Kurs nach unten. Damit hat sich das Chartbild kurzfristig verschlechtert. Sichern sie daher ihr Investment mit einem Stop bei 33,80 EUR ab, dort liegt eine wichtige mittelfristige Unterstützung.

BrainChip Holdings – Innovationen für die Zukunft

Während traditionelle Chips einer extremen Lieferknappheit unterliegen, werden in den Entwicklungsabteilungen bereits leistungsstarke Innovationen entworfen. Denn der Fortschritt geht mit großen Schritten voran. Autonomes Fahren, Gesichts- und Spracherkennung, Service Bots und Cloud Security sind die Schlagworte. In Summe sind das viele Anwendungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).
BrainChip Holdings ist ein australisches Halbleiterunternehmen, das einen revolutionären neuromorphen Prozessor mit dem Namen „Akida“ herstellt. Dieser Chip ist der erste, voll digitale Computerchip, der auf die gleiche Weise funktioniert wie das menschliche Gehirn, d.h. er verarbeitet sogenannte Spikes anstelle von herkömmlichen Computerdaten.

Der Akida-Prozessor ist sparsam, da er kaum Wärme erzeugt und für seinen Betrieb nur Milliwatt benötigt. Damit kommt er genau dort zum Einsatz, wo CO2 eingespart werden muss und von der Verbauung betrachtet entsprechende Einschränkungen vorliegen. Er überträgt keine Daten nach Außen, sondern kann nur mit hochsicheren Tools ausgelesen werden, was für den Datenschutz eine Lösung auf höchstem Niveau bedeutet. Da Akida den größten Teil seiner Verarbeitung auf dem Chip und nicht in Rechenzentren erledigt, wird keine ständige Internetverbindung benötigt. Damit hebt er das sogenannte Edge-Computing auf eine ganz neue Stufe.
Zu den prominenten Kunden gehören Organisationen wie die NASA, Valeo, Nanose Medical, Renesas und Ford. BrainChip deckt mit dieser Kundenliste schon mehrere Branchen mit seiner Technologie ab. Stark wachsend dürfte sich in den nächsten Jahren vor allem das Cloud- und Edge-Computing unter Einsatz von KI zeigen. Renesas ist ein Hauptlieferant für die Automobilindustrie im Bereich Chips. Besonders interessant werden hier in Zukunft die selbstdenkenden Fahrzeuge sein. Ein Megatrend, denn sie befinden sich sogar bei Apple und Google in der Entwicklung.

Die BRN-Aktie wird in Australien, an der Nasdaq und in Deutschland aktiv gehandelt. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell rund 410 Mio. EUR. Gewinnmitnahmen im ganzen Chipsektor haben den Kurs zuletzt wieder auf 0,26 EUR gedrückt. Mittelfristig ist der Wert aber hochinteressant. Informieren sie sich aus erster Hand über das Unternehmen durch die Ausführungen von CFO Ken Scarince am 14. Oktober bei der Investorenkonferenz "IIF - International Investment Forum(ii-forum.com/brainchip-holdings-ltd) “.

Palantir Technologies – Kommt nicht so recht vom Fleck

Die Aktien von Palantir Technologies befinden sich nun schon seit Monaten in einer engen Seitwärtsrange. Der Datenspezialist hat in diesem Jahr viele lukrative Deals geschlossen, unter anderem mit der britischen Regierung und dem US-Militär. Die Aktie konnte jedoch bisher nicht wirklich von den guten News profitieren und tendiert aktuell wieder zur unteren Trendbegrenzung bei rund 20 EUR. Hier liegt auch eine wichtige mittelfristige Unterstützung.

Nun hat die NASDAQ in den letzten Wochen rund 10% korrigiert, bei Palantir waren es etwa 20%. Analytisch gesehen ist das Unternehmen mit einem 2022er-KUV von 24 und KGV von 120 bewertet. Damit wurde zwar die astronomische Bewertung seit Januar etwas abgebaut, als die Aktie über 50 Mrd. EUR an Börsenwert auf die Waage brachte, der Titel ist aber auch heute noch teuer. Mit einem weiter seitwärts laufenden Kurs kann die Aktie natürlich in 2-3 Jahren in ihre jetzige Bewertung hineinwachsen. Dies ist allerdings keine gute Nachricht für Kaufwillige.

Neue Kaufimpulse könnten aber die nächsten Quartalszahlen liefern, die voraussichtlich am 11. November veröffentlicht werden. Geschätzt wird ein Umsatzwachstum von 33% auf rund 385 Mio. USD. Sollten die Zahlen die hohen Erwartungen verfehlen, wird es frostig.


Viele Themen bewegen derzeit den Hochtechnologie-Sektor. Zunächst sind dies Rohstoffknappheit, Lieferkettenprobleme und steigende Nachfrage nach energieeffizienten Produkten. Die Wachstumsdynamik bleibt in den Tech-Sektoren sehr hoch. Die Börse hat diese Faktoren in ihren Bewertungen aber bereits verarbeitet. Kommt es hier zu Enttäuschungen, fallen Kurse sehr schnell wie bei z.B. bei Infineon und Palantir. Die australische BrainChip ist noch sehr jung und kann von der Sektor-Dynamik noch einiges zum Positiven verarbeiten.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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