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26.08.2021 | 04:45

Deutsche Rohstoff, Royal Dutch Shell, BP, Standard Lithium: Plötzlich ist Öl wieder zurück!

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  • Öl
Bildquelle: pixabay.com

Der Blick auf die Ölpreise erstaunt wirklich. Noch letzte Woche war der Preis für ein Barrel unbeirrt auf dem Weg nach unten, die Sorte Brent markierte am Spotmarkt mit 64,9 USD sogar ein 3-Monats-Tief. Dann die direkte Umkehr und eine ausgeprägte Rallye nach oben bis auf Kurse von 71,8 USD am gestrigen Vormittag. Als Begründung werden sowohl der schwächere US-Dollar bemüht, als auch die schwindenden Ängste vor der Delta-Variante, die scheinbar in Chinas Großstädten weniger tobt als ursprünglich erwartet. Damit haben sich die kurzfristig aufkeimenden Nachfragesorgen wieder verflüchtigt. Ein weiterer Grund liegt aber ebenso auf dem Tisch: Die Vorgänge in Afghanistan bringen wieder große Unruhe in eine wichtige Öl- und Rohstoffregion. Das schiebt die Preise weiter an!

Lesezeit: ca. 5 Minuten. Autor: André Will-Laudien
ISIN: DE000A0XYG76 , STANDARD LITHIUM LTD | CA8536061010 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , BP PLC DL-_25 | GB0007980591


Royal Dutch Shell – Das Setup für steigende Preise steht

Royal Dutch Shell (RDS), bekannt unter dem Markenauftritt Shell, ist eines der weltweit größten Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen. Der Konzern ist mit rund 86.000 Mitarbeitern in mehr als 140 Ländern aktiv. Aus europäischer Sicht ist RDS ein guter Indikator für die Verfassung der Ölmärkte.

Der Öl- und Gaskonzern hat ein schwieriges Jahr 2020 hinter sich gebracht, mit den höheren Spotpreisen wurde nun aber die Wende erreicht. Aus einem Fehlbetrag von 18 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum, drehte der Quartalsgewinn auf ein Plus von 3,4 Mrd. USD. Wie gewohnt möchte man seine Aktionäre mit Dividenden und Aktienrückkäufen i.H.v. 2 Mrd. USD an diesem Erfolg teilhaben lassen. So steigt die Dividende ab dem zweiten Quartal auf 24 US-Cent, dies ist ein Plus von 38% im Vergleich zur Auszahlung zum Jahresbeginn. Die aktuelle Ausschüttungs-Rendite erhöht sich wieder auf 4,8%.

Fundamental gibt es derzeit einige Belastungen in Nigeria, hier bezahlte der Öl- und Gasriese 95 Mio. EUR Schadensersatz für starke Verschmutzungen aus dem Jahr 1970. Dieser Betrag wurde vor 20 Jahren von einem nigerianischen Gericht in einem Rechtsstreit festgelegt und Shell hat diese Zahlung jetzt beglichen. Derzeit gibt es große Unruhen in Nigeria, was den Standort weiter operativ beeinträchtigt.

Für die RDS-Aktie haben sich die technischen Rahmenbedingungen jüngst stark verbessert, denn die wichtige Unterstützungslinie bei 16 EUR hat auch letzte Woche abermals gehalten. Sollte der Ölpreis mit seinem Sprung von 6 USD in nur drei Tagen nun wieder den Aufwärtstrend aufnehmen, wäre das auch ein mittelfristiges Signal für den dividendenstarken Öl-Multi.

Deutsche Rohstoff AG – Es geht weiter mit Bright Rock Energy

Bei der Deutschen Rohstoff AG (DRAG) läuft es wie geschmiert. Zum Halbjahr hat der Konzern einen Umsatz in Höhe von 38,8 Mio. EUR und einen Netto-Überschuss von 17,5 Mio. EUR erzielt. Der operative Cash-Flow aus der Ölproduktion in den USA und die Erträge aus den Asset-Management-Geschäften lieferten in Summe 36,8 Mio. EUR in die Kasse. Die liquiden Mittel wuchsen entsprechend auf 71,3 Mio. EUR an, respektive sank die Nettoverschuldung auf 59 Mio. EUR (nach 92 Mio. EUR zum Jahresende 2020). Die Eigenkapitalquote erreicht mit 29,2% einen sehr guten Wert. Im Aktien- und Anleiheportfolio des Konzerns schlummern nach Realisierung von 15,8 Mio. EUR noch weitere 5,8 Mio. EUR Buchgewinn. Die Anleihe 2016/2021 wurde am 20. Juli 2021 fristgerecht zurückgeführt.

Es geht nun weiter mit der Erschließung bereits erworbener Liegenschaften. Die DRAG-Tochter Bright Rock Energy wird in dieser Woche mit der ersten Bohrung auf den im letzten Jahr erworbenen Flächen im Powder River Basin beginnen. Die Bohrung "Buster Federal" befindet sich 27 km nördlich der Stadt Douglas in Wyoming. Es handelt sich um eine zwei Meilen lange Horizontalbohrung, welche auf die Niobrara-Formation abzielt, die sich in diesem Gebiet als sehr produktiv erwiesen hat. Die Bohrung soll im Oktober fertiggestellt werden, Produktionsstart könnte schon im Dezember sein. Die Investitionskosten für die Bohrung werden sich in Summe auf ca. 9 Mio. USD belaufen, damit erbringt DRAG aber gleichzeitig den Nachweis für künftige Bohr-Potenziale.

Die Bright Rocks Liegenschaften befinden sich in einem strukturell tiefen Teil des Powder River Beckens, wo organisch reiches Ausgangsgestein große Ölansammlungen in bis zu drei verschiedenen Zonen hervorgebracht hat: Niobrara, Turner und Mowry. Die beiden letztgenannten bergen ein zusätzliches Potenzial, das in den genannten Zahlen für mögliche Bohrungen noch nicht enthalten ist.

Die Deutsche Rohstoff AG ist sowohl mit seinen Erschließungen von Rohstoffvorkommen als auch im Beteiligungs-Management derzeit sehr erfolgreich. Der Schwerpunkt liegt in Öl- und Gaslagerstätten in den USA, Metalle wie Gold und Wolfram runden das Portfolio ab. Die DRAG ist insgesamt sehr ausgewogen aufgestellt und diversifiziert Risiken innerhalb des Konzerns. Der Aktienkurs ist vom Hoch bei rund 17,9 EUR leicht auf 15,3 EUR zurückgefallen. Bei steigendem Ölpreis und einem anhaltend inflationären Umfeld sollte die 20 EUR-Marke nur ein Zwischenschritt sein.

British Petroleum (BP) – Volatilität durch den Ölpreis

Beim britischen Energieriesen BP haben sich zuletzt stärkere Schwankungen mit dem Ölpreis gezeigt. Sorgen um die Weltkonjunktur und die niedrigen Impfquoten in einigen wichtigen Förderländern lassen trotz guter 9-Monatszahlen noch keinen Ausbruch des Kurses nach oben zu. Durch die zuletzt hohen Inflationsraten wurden auch wieder Zinsängste geweckt, sie sind traditionell ein Wachstums-Hemmnis für die kapitalintensiven Explorationsprojekte.

Weniger Erschließung bedeutet letztlich auch weniger Wachstum und das belastet den Aktienkurs. Etwas verstörend wirken auch die niedrigen Benzinumsätze im Autoland USA, speziell während der reiseintensiven Sommermonate. Die Benzin-Nachfrage lag teilweise deutlich unter den Monaten vor der Pandemie. In einer Vorschau auf den kommenden Herbst haben sich die Aussichten momentan etwas eingetrübt. Aus charttechnischer Sicht wäre es wichtig, die 3,50 EUR-Marke zu überwinden. Gelingt dies nicht, droht bei der nächsten Schwächephase im Ölpreis ein Rückgang auf 3,10 EUR.

Standard Lithium – Die Notiz in New York beflügelt

Die Ölpreise sind für Standard Lithium wohl eher ein Long-Kriterium. Je stärker die Öl-Lobby zugunsten der klimafreundlicheren E-Mobilität zurückgedrängt wird, desto höher ist auch die abgeleitete Nachfrage nach Lithium und anderen Batteriemetallen. Die Standard Lithium-Aktie konnte den Batterie-Boom der letzten Monate komplett abgreifen und stieg auf Jahressicht um über 550%. Für weitere Euphorie sorgte Mitte Juli die Meldung, dass der Titel von jetzt ab an der NYSE notiert ist, womit sich die Aktie von vielen anderen Lithium-Papieren deutlich abhebt. Die Rallye hat in den letzten Wochen für erheblichen Umsatz in der Aktie gesorgt.

Für die Realisierung des mit Hilfe der deutschen Lanxess zu erschließenden Lithium-Projekts im US-Bundesstaat Arkansas hat sich Standard Lithium über ein Prospekt nun Finanzierungsmöglichkeiten von bis zu 25 Mio. Aktien einräumen lassen, was gemäß aktuellem Aktienkurs dem Gegenwert von 200 Mio. CAD entspricht. Wenn die Mittel schnell eingeworben werden können und auch eine weitere Fremdfinanzierung folgt, könnte Standard Lithium natürlich sehr schnell, also in wenigen Jahren schon als Anbieter in den Markt eintreten. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell schon 1,02 Mrd. CAD. Für ein Projekt in diesem Entwicklungsstadium ist das schon bemerkenswert.


Die Energiemärkte sind weltweit im Umbruch, der Bedarf an Öl wird aber trotz Ausbau regenerativer Quellen tendenziell hoch bleiben. Während die Öl-Multis in ihrer Produktionsmenge sehr festgelegt sind, verfügt die Deutsche Rohstoff AG über einige Liegenschaften, die bei Bedarf schnell ans „Netz“ geholt werden können. Temporäre Über- und Unterbewertungen werden zusätzlich über das Beteiligungs-Management ausgenutzt. Eine gute Aufstellung, wie wir meinen!


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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